Titel: Eine Verfälschung des chinesischen Thees.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 255–256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi03_13
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Eine Verfälschung des chinesischen Thees.

In einer Sitzung der St. Petersburger Gouvernement-Landschaftsversammlung brachte (nach Mittheilungen der Pharmaceutischen Centralhalle) Winnicki das von den Bauern im Großen betriebene Sammeln der Blätter des Feuerkrautes, schmalblättrigen Weidenröschens, Epilobium angustifolium Linn. behufs Verfälschung des chinesischen Thees, sowie des bereits ausgezogenen Thees zur Sprache. Hier ergab sich auch das Factum, daß diese Weidenröschenblätter in beträchtlichen Quantitäten nach dem Auslande ausgeführt werden. In Wien wurden vor einiger Zeit zwei größere Posten von sogen. chinesischem Thee nur aus Weidenröschenblätter bestehend angetroffen.

Die Erkennung dieser Verfälschung ist insofern erleichtert, als die Blätter des Weidenröschens viel Schleim enthalten, und der heiße dünne Aufguß dunkel gefärbt ist. Der concentrirte Aufguß mit einem doppelten Volum 90 proc. Weingeist gemischt, scheidet Schleimgerinsel aus, während der Aufguß des echten Thees damit eine klare Mischung gibt. Während der echte Theeaufguß munter macht, bewirkt der falsche Thee Ermüdung und Eingeschlafenheit der Glieder.

Die Blätter des Weidenröschen sind schon seit undenklichen Zeiten in Rußland von dem gemeinen Manne als medicinischer Thee, unter Namen wie kaporscher Thee, kurilischer Thee, gebraucht worden. Die Verwendung zur Fälschung des chinesischen Thees dürfte erst in neuerer Zeit zur Ausführung gekommen sein.

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