Titel: Anwendung des Elektromagnetismus auf Locomotivräder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 337–338)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi04_02

Anwendung des Elektromagnetismus auf Locomotivräder.

Der in diesem Journale (1875 216 405) abgedruckte geschichtliche Aufsatz über die Anwendung des Elektromagnetismus zur Vermehrung des Druckes der Locomotivräder gegen die Eisenbahnschienen hat Prof. F. Reich in Freiberg Anlaß gegeben, uns freundlichst darauf hinzuweisen, daß Prof. W. Weber in Göttingen schon 1840 die magnetische Friction (welche die Verschiebung des Ankers an einem Magnete hindert) für die Zwecke des Eisenbahnbetriebes auszunützen in Vorschlag gebracht hat. Der in den Resultaten aus den Beobachtungen des magnetischen Vereins im Jahr 1840 (S. 46–58) niedergelegte Aufsatz Webers findet sich in diesem Journal, 1842 86 22 ff. Es sei uns gestattet, daraus das Wesentliche in Erinnerung zu bringen.

„Wenn man den Umfang eines Rades mit Hufeisenmagneten besetzte, und es auf einer eisernen Schiene rollen ließe, so würden sich das Rad und die Schiene gegen einander verhalten, wie wenn sie gezahnt wären: die magnetische Friction würde verhindern, daß sich das Rad auf der Schiene gleitend verschöbe, wovon man |338| in vielen Fällen eine nützliche Anwendung machen kann... Durch den galvanischen Strom läßt sich ein eisernes Rad so magnetisiren, daß sein Umfang eine stetige Folge von Hufeisenmagneten bildet, deren Nord- und Südenden zusammengenommen, zwei einander parallele Kreise bilden, deren Mittelpunkte in der Radachse liegen. Ein so magnetisirtes eisernes Rad möge ein Radmagnet heißen. Man hat zu diesem Behufe auf die Mantelfläche des Rades nur in drei Rinnen umsponnenen Kupferdraht so zu wickeln, daß der Strom in der mittleren Rinne in der entgegengesetzten Richtung läuft wie in den beiden äußeren... Bei dem stetig magnetisirten Rade halten die magnetischen Kräfte vor und hinter der Berührungsstelle einander das Gleichgewicht, so daß der geringste äußere Anstoß das Fortrollen des Rades bewirken kann, wie aus folgenden Versuchen hervorgeht... Aus diesen Versuchen ergibt sich nun der hemmende Einfluß der magnetischen Kraft auf das (8500k schwere) Rad = 81k, während die Friction 14000k betrug, woraus hervorgeht, daß die Rollung des Rades durch die magnetische Friction nicht mehr gehemmt wurde, als wenn dieselbe Friction durch ein größeres Gewicht des Rades hervorgebracht worden wäre... Es fragt sich also, ob und wann der Fall bei Eisenbahnen vorkomme, daß die Räder auf den Bahnen gleiten und dadurch ihren Dienst ganz oder theilweise versagen; ferner, ob in solchen Fällen die die Gleitung hemmende magnetische Kraft ausreichen würde, um den Mangel der gleitenden Reibung vollständig zu ersetzen... Zu letzterem Zwecke würden die magnetischen Kräfte, wenn sie auch die Dampfmaschinen nicht zu ersetzen vermöchten, noch vollkommen ausreichen können.“

Am Schlusse des betreffenden Artikels werden noch die directen und indirecten Vortheile besprochen, welche die Friction der Radmagnete auf der Eisenbahn, namentlich in bergigen Gegenden gewähren würden. Auch wird der Möglichkeit gedacht, daß ein ganzes Räderpaar durch einen einzigen Radmagnet vertreten werden soll.

E–e.

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