Titel: Elektrische Beleuchtung in Fabriksälen etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 340–341)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi04_08
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Elektrische Beleuchtung in Fabriksälen etc.

In dem Etablissement von Heilmann, Ducommun und Steinlen in Mülhausen wurde die elektrische Beleuchtung mit Gramme'schen Maschinen eingeführt und scheint sich dort gut zu bewähren (Revue industrielle). In einem besonderen Local sind vier magneto-elektrische Maschinen aufgestellt, welche die vier passend vertheilten Lampen nach dem System Serrin speisen. Der beleuchtete Raum hat eine Länge von 6m und eine Breite von 30m. Jede Lampe entwickelt ein Licht von ungefähr 10 Carcellampen und ist von matten Glasglocken umgeben, welche die grelle Beleuchtung mildern. Jede elektro-magnetische Maschine erfordert ungefähr 50mk Triebkraft; die Kohlen sind nach je drei Stunden des Betriebes auszuwechseln. Die Ausgaben für die vier Lampen, ausschließlich der Kosten für die Betriebskraft, belaufen sich pro Stunde auf ungefähr 1 Fr. In den zwei Monaten des Betriebes hat die elektrische Beleuchtung noch keinerlei Mängel erkennen lassen, und stets ein schönes und ruhiges Licht geliefert, welches in solchem Glanz durch keine andere Beleuchtungsart erzielt werden kann. Die magneto-elektrischen Maschinen kosten je 1500 Fr.; die vollständige Einrichtung und Aufstellung der vier Maschinen hat 3000 Fr. gekostet.

Es kostet nach dem Dictionnaire des arts et manufactures von Laboulaye, bei einer Lichtstärke von 700 Stearinkerzen per Stunde:

Elektrisches Licht, durch einen magneto-elektrischen Apparat erhalten 0,1–0,2 Fr.
Elektrisches Licht, mittels einer galvanischen Säule erzeugt 3–5
Steinkohlengaslicht 3,20
Licht aus leichtem Schieferöl 3,85
Licht von Rüböl 6,10
Licht von Talgkerzen 12,60
Licht von Stearinkerzen 26,20
Licht von Wachskerzen 32,40

Dabei ist ein Verbrauch für je 1 Stearinkerze Lichtstärke von 15l Steinkohlengas, 4g,52 Schieferöl, 5g,18 Rüböl, 10g,55 Talgkerze, 10g,40 Stearinkerze und 8g,26 Wachskerze angenommen, und als Preis für 1chm Gas 0,3 Fr., für 1k aber 1,7 Fr. bei Rüböl und Talg, 3,6 Fr. bei Stearinkerzen und 5 Fr. bei Wachskerzen.

Um durch Vertheilung des elektrischen Lichtes auf mehrere Punkte eine gleichmäßigere Beleuchtung zu erlangen, versuchte man mit Hilfe von Stromwendern denselben Strom durch verschiedene Lampen abwechsend zu schicken, in jeder Lampe aber, der Dauer des Lichteindruckes im Auge (mindestens 0,1 Secunde) entsprechend, den Strom nur so kurze Zeit zu unterbrechen, daß das Licht ununterbrechen erscheint. Dabei stellt sich, wie die elektrischen Lampen für Wechselströme zeigen, der Lichtbogen zwischen den Kohlenspitzen momentan wieder her, wenn die Unterbrechung des Stromes nur sehr kurze Zeit gedauert hat. Es scheint jedoch, daß diese Art der Theilung weder praktische noch ökonomische Vortheile darbietet, und man hat versucht, durch Vermeidung des Lichtbogens eine Theilung des elektrischen Lichtes zu erreichen. Die in neuerer Zeit in dieser Richtung angestellten Versuche, bei denen eine Theilung in zehn leuchtende Objecte vorgenommen wurde, haben jedoch ebenfalls kein günstiges Resultat geliefert, da eine solche Beleuchtung ebenso theuer ist wie Gas- oder Petroleumbeleuchtung. Die vergeblichen Versuche in dieser Richtung haben Gramme veranlaßt, kleinere Maschinen von einer Lichtstärke gleich 50 Carcellampen zu construiren. Diese kleineren Lampen functioniren zwar ganz gut; allein das Licht ist nicht vollkommen ruhig; die besten Erfolge liefern jetzt die Maschinen für 1500 Fr. bei mindestens 100 Carcellampen Lichtstärke, mittels deren doch vielleicht die elektrische Beleuchtung großer Fabrikwerkstätten, Bahnhöfe etc. durchführbar wird. Vergl. auch 1874 216 285.

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