Titel: Zur Milchprüfung; von Klingler, Vorsteher der chemischen Marktstation in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 342–343)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi04_11

Zur Milchprüfung; von Klingler, Vorsteher der chemischen Marktstation in Stuttgart.

Alle sogen. Milchprüfungsmethoden kranken daran, daß dieselben nur einen als wesentlich, d.h. als constant betrachteten Bestandtheil berücksichtigen, mag darunter nun Caseïn, Fett (Butter) oder Milchzucker verstanden sein. Ein für wissenschaftliche Zwecke brauchbares, überhaupt ein ganz correctes Verfahren kann nur die exacte gewichtsanalytische Untersuchung gewähren. Für praktische Zwecke ist diese Methode zu zeitraubend und deshalb geradezu unbrauchbar. Von den für polizeiliche Zwecke vorgeschlagenen Untersuchungsmethoden darf diejenige als die brauchbarste bezeichnet werden, welche nicht ausschließlich nur einen Bestandtheil in Betracht zieht. Einen |343| guten Anhaltspunkt für Beurtheilung der Güte einer Milch gibt das specifische Gewicht derselben, weil dies bedingt ist durch die verschiedenen Hauptbestandtheile der Milch, nämlich Caseïn, Fett, Milchzucker und Salze. – Verf. befolgt daher das von Quévennes vorgeschlagene, auf Bestimmung des specifischen Gewichtes sowohl der ganzen als abgerahmten (blauen) Milch beruhende Verfahren, wie dies Apotheker E. Müller in Bern für die schweizerischen Behörden empfohlen hat. Bezüglich des Details ist auf die Broschüre Müller's (Anleitung zur Prüfung der Kuhmilch, 3. Auflage, Bern 1871) zu verweisen. Außer dieser Methode, mit welcher an und für sich eine Bestimmung des Rahmgehaltes verbunden ist, führt Verf. noch eine Fettbestimmung aus nach der von Alfred Vogel in München empfohlenen sogen. optischen Milchprobe (1863 167 62; 168 226. 1869 193 396). Die Resultate fallen zwar höher aus als die durch Wägung erhaltenen Zahlen, allein als Ergänzungen für die specifische Gewichtsbestimmung sind dieselben wohl zu gebrauchen. Durch vergleichende Versuche, welche mit anerkannt guter Milch von der k. Meierei Rosenstein angestellt wurden, überzeugte sich Verfasser, daß selbst 1/10 Wasserzusatz mit Sicherheit zu erkennen ist. Nicht zu unterschätzen ist endlich, daß man mit Anwendung beider Verfahren der Täuschung nicht mehr ausgesetzt ist, welcher man durch die Aräometerproben preisgegeben war. Bezüglich des Zeitaufwandes ist zu bemerken, daß sehr auffallende Verfälschungen (Entrahmung und Wasserzusatz) sofort entdeckt werden können. In zweifelhaften Fällen ist Rahmbestimmung mit darauf folgender Ermittelung des specifischen Gewichtes nöthig. Diese Operationen erfordern 12 Stunden Zeit; man verschafft sich aber damit Anhaltspunkte, auf Grund welcher dem Richter ein bestimmter Bescheid gegeben werden kann.

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