Titel: G. Sigl's Drahtseilbahn auf die Sophienalpe bei Wien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 427–428)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi05_03a

G. Sigl's Drahtseilbahn auf die Sophienalpe bei Wien.

Seit Ende vorigen Jahres steht diese nach neuem Systeme erbaute Seilbahn im Betriebe und hat sich allen Anforderungen eines oft massenhaften Verkehres entsprechend bestens bewährt.

Ist auch das Grundprincip, die intermittirende Beförderung von Lasten mittels einer continuirlich bewegten Zugvorrichtung nicht neu (wir erinnern nur an die auf der Wiener Weltausstellung 1873 gezeigte Kettenförderung der Grube Hasard (bei Lüttich) und an die in diesem Journal, 1875 215 409 beschriebene Kettenförderung zu Wansleben), so ist doch die Anwendung desselben auf Personenbeförderung und die gelungene Durchführung dieses Gedankens ein äußerst anerkennenswerthes Unternehmen, dem wir eine weitere Ausbreitung wohl wünschen möchten. Neu ist dabei außerdem die Anwendung eines mit Knoten versehenen Drahtseiles, statt der Kette, sowie die durch den Personenverkehr bedingte Anbringung einer selbstthätigen Fangvorrichtung, welche selbstverständlich bei Anwendung des Systemes auf Lastenförderung (für Erz-, Thon- und Schlacken-Transporte etc.) entbehrt werden kann.

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Die Versuchsstrecke, welche der Patentinhaber, der bekannte Maschinenfabrikant G. Sigl in Wien, auf den Vergnügungsort Sophienalpe bei Wien bauen ließ, ersteigt in 606m Länge eine Höhe von 108m und kostete fertig hergestellt mit alleiniger Ausnahme der Grundeinlösung den verhältnißmäßig äußerst geringen Betrag von 48000 fl. ö. W.

Als Betriebskraft dienen zwei Locomobilen von zusammen circa 20e, welche mittels einer unterirdischen Transmissionswelle den Zahnkranz der horizontal gelegenen Seilscheibe auf der oberen Station antreiben. Von hier aus geht das Drahtseil über zwei verticale Leitscheiben zwischen die beiden Schienenstränge, welche zur unteren Station sichren, wird auf der Strecke von kleinen Rollen unterstützt, um endlich an der unteren Station über zwei Leitrollen zur zweiten, gleichfalls horizontal liegenden Seilscheibe geführt zu werden. Auf diese Weise wird das zu einem Ganzen verbundene Seil auf dem einen Schienenstrang continuirlich nach aufwärts, auf dem anderen ununterbrochen noch abwärts bewegt, um an den Endstationen über die erwähnten Leitrollen zu den unterirdisch gelagerten Seilscheiben geführt zu werden. In Entfernungen von 50m sind je zwei Kugeln aus Weißmetall um das Seil herumgegossen, welche zum Mitnehmen der Wagen dienen. Diese letzteren sind nett und leicht construirt, dienen je zur Beförderung von 4 Personen und sind mit zwei herabhängenden Klauen versehen, welche, sobald der Wagen über das laufende Seil geschoben ist, von den Kugeln des Seiles erfaßt werden. Das Anfahren geschieht bei der mäßigen Geschwindigkeit des Seiles von circa 1 1/2m in der Secunde und dem geringen Gewichte der Wagen ohne besonderen Stoß. Bei der Ankunft in der Endstation löst sich die Klaue durch Auflaufen auf die Spurkränze der verticalen Leitrolle von selbst aus, und der Wagen rollt in die Station ein, um mittels einer Schiebebühne auf das Abwärtsgleise gebracht zu werden. Erwähnenswerth ist noch die Bremse, welche mittels einer Spiralfeder die 4 Bremsklötze zwischen Räder und Schienen zu klemmen sucht, aber so lange außer Eingriff gehalten bleibt, als der Zug des Seiles vorhanden ist. Die angestellten Versuche zeigten deren sofortige Wirksamkeit, sobald das Seil durchschnitten wurde. Auf diese Weise können in 12 leichten Waggons, die in kurzen Distanzen einander folgen, stündlich 400 Personen auf- und abwärts befördert werden, mit einer sehr geringen Betriebskraft und einem Personale von nur 8 bis 10 Bahnbediensteten.

(Nähere Beschreibungen mit Zeichnungen der Sigl'schen Drahtseilbahn findet man in Engineering, deutsche Ausgabe (jetzt Stummer's Ingenieur), October 1874 S. 195 und in Uhlands's praktischem Maschinen-Constructeur, 1875 S. 4.)

R.

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