Titel: Elektrische Maschine, welche Noten liest und eine Orgel mit hundert Tasten spielt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 429)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi05_05

Elektrische Maschine, welche Noten liest und eine Orgel mit hundert Tasten spielt.

Nach der New York Tribune haben die HHrn. Schmöle in Philadelphia in der dortigen Gartenbauhalle eine elektrische Maschine ausgestellt, welche die Noten liest und die Orgel spielt, wobei man weiter nichts zu thun hat, als die Notenrolle einzuführen und die Maschine in Gang zu setzen. Die Maschine unterscheidet die Noten wie ein Blinder nach dem Gefühl. Die Noten sind auf einen langen Streifen geschrieben, und zwar sind sie in diesen als kürzere oder längere Löcher eingeschnitten. Die Maschine zum Lesen der Noten ist etwa so groß wie eine Nähmaschine und enthält eine Menge von messingenen Fingern, deren jeder durch einen Draht mit der von ihm in Thätigkeit zu setzenden Orgelpfeife in Verbindung gesetzt ist. Der Streifen, in welchen die Noten eingeschnitten sind, wird über eine Messingröhre hinweggeführt. So lange die Finger dabei auf dem nicht leitenden Papiere aufliegen, kann kein Strom nach den Pfeifen gesondet werden; sobald dagegen ein Finger in ein Loch fällt, berührt er die unter dem Streifen liegende Messingröhre, schließt dadurch den Strom und läßt die Pfeife ertönen. Die Länge des Tones ist von der Länge des Loches im Streifen abhängig. Eine geräuschlose Blasebalg-Maschine, welche von dem in einer Röhre von der Orgel zugeführten Winde gespeist wird, bewegt den Zuführungsapparat.

Um die musikalische Wirkung zu erhöhen, werden den gewöhnlichen Orgelpfeifen Trommeln, Cymbeln, Glocken u.s.w. beigegeben und in gleicher Weise wie die Pfeifen elektrisch gespielt. Die Maschine gibt eine größere Tonfülle als ein einzelner Orgelspieler hervorbringen kann; denn der Spieler hat blos 10 Finger, die Maschine 200 und kann so viele Noten, als man nur wünscht, auf einmal anschlagen. Dabei kann die Maschine, bei sorgfältig angefertigtem Notenstreifen, keine falschen Noten greifen. Die Maschine spielte die Ouverturen zu „Semiramis“ und zu „Wilhelm Tell“ in so angenehmer Weise, daß man die Ouverturen von einem gut eingeübten, aber geistlosen Orchester gespielt wähnen konnte.

Die Erfinder hoffen, ihre Erfindung bald auf ein Piano anzuwenden.

E–e.

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