Titel: Ueber xanthogensaures Kalium als Mittel gegen Phylloxera; von Ph. Zoeller und E. A. Grete.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 430–431)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi05_08

Ueber xanthogensaures Kalium als Mittel gegen Phylloxera; von Ph. Zoeller und E. A. Grete.

Zur Ergänzung der in diesem Journal, 1875 217 79, aufgenommenen Notiz theilen die Verfasser folgendes mit.

Versuche, bei welchen die Wirkungen der Xanthogenate auf die Pflanzenentwickelung geprüft wurden, führten zum Ergebniß, daß selbst bei zarteren, krautartigen Gewächsen, welche in 1/2l Boden vegetirten, 1g Kaliumxanthogenat nur in der Weise schadete, daß einige derselben ihre Blätter theilweise verloren, dann aber um so kräftiger neue entwickelten. Bei Sträuchern können im Bereiche der Wurzeln 3 bis 58 untergebracht werden, ohne daß diese Menge im geringsten nachtheilig wirkt.

Dumas * machte die Bemerkung, das Kaliumxanthogenat sei in Frankreich für die Anwendung zu theuer wegen des hohen Alkoholpreises, ganz abgesehen von dem erforderlichen geschmolzenen Kalihydrat.

Aus der Constitution des Xanthogenats ergibt sich aber, und der Versuch hat es vollkommen bestätigt, daß Aethylalkohol sehr leicht durch einen anderen, z.B. den nur wenige Groschen kostenden rohen Amylalkohol ersetzt werden kann.** Außerdem zeigte sich bei unseren Versuchen die interessante Thatsache, daß bei der Darstellung der Xanthogenate die Anwendung geschmolzenen Kalis durchaus nicht nothwendig ist.

Schüttelt man nämlich concentrirte Kalilauge mit Amylalkohol (das Verhaltender übrigen Alkohole ist durchaus das gleiche) und mischt Schwefelkohlenstoff |431| hinzu, so erwärmt sich bald die ganze Masse in Folge der eintretenden Verbindung, und man erhält sofort das feste, fast trockene Amylxanthogenat in der verwendbarsten Form. Die bei der Reaction auftretende Wärme ist möglichst durch Abkühlung zu mindern. Das neue Salz löst sich mit Leichtigkeit in Wasser und entwickelt, für sich oder besser mit Superphosphat dem Boden einverleibt, bei Zutritt von Feuchtigkeit Schwefelkohlenstoff. Dabei übt es nach unseren bisherigen Versuchen in der angeführten Menge eben so wenig einen tödtlichen Einfluß auf Pflanzen, wie das mit Aethylalkohol dargestellte.

Bei Bestimmung des Handelspreises eines chemischen Productes kommt es nicht blos auf die Preise der Rohmaterialien, sondern ungleich mehr auf die mehr oder minder schwierige Darstellungsweise an. Das Kaliumsulfocarbonat ist in reinem, festen Zustande außerordentlich schwierig darzustellen, und was von Frankreich bis jetzt im Handel erscheint, ist eine Auflösung, welche ziemlich viel Verunreinigung und nur wenige Procente Sulfocarbonat enthält. Einem solchen Präparat gegenüber ist selbst das chemisch reine Aethylxanthogenat weit billiger; aber in gar keinem Vergleich steht der Preis des mit Fuselöl bereiteten, welches nach dem Vorhergehenden durch einfaches Zusammenmischen der Rohmaterialien ohne weitere Mühe erhalten wird. So würde bei Anwendung des Amylalkoholes (die Preise des Großhandels angesetzt) sich der Preis von 100k des festen Salzes auf etwa 120 M. stellen.

Ein zweites Moment ist die Verwendbarkeit. Daß Schwefelkohlenstoff die Phylloxera* tödtet, war längst bekannt. Als reiner Schwefelkohlenstoff in künstlich angelegten und dann verstopften Bodenlöchern angewendet wurde, tödtete er nach Prof. Köhler's Versuchen nicht allein die Phylloxera, sondern auch die Weinstöcke. Es kam daher darauf an, den Schwefelkohlenstoff in solche Form zu bringen, daß er sich bei größtmöglichster Vertheilung im Boden in einer Stärke entwickle, welche den Pflanzen nichts schadet, dagegen die Phylloxera sicher tödtet. Beide Bedingungen erfüllen sowohl das Sulfocarbonat von Dumas, als auch unsere Xanthogenate. Ersteres jedoch enthält, wie dies die Darstellungsweise und Zusammensetzung nöthig macht, das Material zu einer äußerst reichhaltigen Schwefelwasserstoffquelle in sich, weshalb seine Anwendung schon deshalb mit großer Vorsicht und nur in sehr kleinen Portionen geschehen muß. Dann aber ist die durch die Darstellungsweise bedingte Form der Lösung sowohl für den Handel als für die Anwendung eine sehr unpraktische und störende.

Dies alles ist bei den xanthogensauren Alkalien nicht der Fall. Sie vereinigen nicht allein alle Vorzüge des Dumas'schen Salzes in sich, sondern übertreffen dieses vor allem durch die Abwesenheit des schädlichen Schwefelwasserstoffes bei ihrer Zersetzung im Boden, ferner durch ihre leichte und billige Darstellungsweise, besonders des amylxanthogensauren Kaliums, und endlich durch die für den Handel und die Anwendung so zweckmäßige feste Form. Das Salz, mit Boden und Superphosphat gemischt, kann in jede gewünschte oder nothwendige Tiefe gebracht werden und dort bei hinzutretender Feuchtigkeit seine Wirksamkeit äußern.

Die Verfasser empfehlen der Landwirthschaft dringend, die Alkali-Xanthogenate und zwar bei allen den Pflanzen schädlichen, thierischen Parasiten (Insekten) des Bodens versuchsweise nach obigiger Vorschrift in Anwendung zu bringen; die günstigsten Wirkungen werden nicht ausbleiben. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1875 S. 955.)

Wien, am 8. Juli 1875.

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Comptes rendus, 1875 t. LXXX p. 1347.

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Unter Berücksichtigung des Moleculargewichtes bestimmt in den einzelnen Ländern der Preis den zu wählenden Alkohol.

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Beobachtungen reichen, ist der Schwefelkohlenstoff nicht blos für die Phylloxera, sondern auch für zahlreiche andere, im Boden sich aufhaltende, kleine Feinde der Landwirthschaft tödlich.

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