Titel: Motoren für Kleingewerbe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 512–513)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi06_01

Motoren für Kleingewerbe.

Auf der Maschinenausstellung für Müllerei, Brauerei, Brennereibetrieb u. dgl., welche mit dem am 23. und 24. August in Wien abgehaltenen internationalen Saatenmarkte verbunden war, wurden auch einige interessante Maschinen für Kleingewerbe gezeigt und in Betrieb gesetzt. Die bedeutendste darunter war die schon lange bekannte Gasmaschine von Otto und Langen (1867 183 106; 186 90. 1868 187 1; 188 12. 1869 194 276. 1870 195 470), ausgestellt von der Wiener Filiale (Langen und Wolf) der bekannten Firma „Gasmotorenfabrik Deutz, vorm. Langen, Otto und Roosen“ in Deutz bei Cöln.

Die 2pferdige Ausstellungsmaschine zeigte einige bemerkenswerthe Neuerungen, von welchen speciell die Steuerung erwähnt zu werden verdient. Dieselbe ist nämlich direct von dem Regulator abhängig gemacht, und es war interessant zu sehen, wie die leerlaufende Ausstellungsmaschine nach jedem Hube 1 bis 2 Minuten lang pausirte, während welcher Zeit das Schwungrad ruhig weiterlief, und erst bei dessen Ermatten der Regulator zu einem neuen Hube Gas zuließ.

Sobald jedoch das Schwungrad gebremst wurde, folgten sich in raschem und regelmäßigem Verlaufe die Hübe der Maschine, mit bemerkenswerther Ruhe und theilweiser Vermeidung jenes unangenehmen Geräusches, das bei den älteren Gasmaschinen dieses Systemes so störend war. Zu diesem Zwecke war auch für die aufschnellende Zahnstange eine rückwärtige Führung angebracht, die nun wohl bei allen derartigen Maschinen zur Anwendung kommen wird.

Ein zweiter in der Rotunde des Weltausstellungspalastes von 1873 (dies war nämlich die imposante Stätte der erwähnten Ausstellung) im Betrieb befindlicher Motor |513| für Kleingewerbe war die „Wassersäulenmaschine mit Expansion“ des Civilingenieurs Ph. Mayer in Wien.* Der Mechanismus dieser kleinen Maschine, Kolben, Steuerung und Schieber stimmt vollkommen mit denjenigen einer gewöhnlichen Dampfmaschine überein, nur daß an dem Schieberkasten und über beiden Cylinderenden Windkessel angebracht sind, welche stets mit Luft gefüllt bleiben. Dadurch wird die Unzusammendrückbarkeit des Wassers paralisirt und ermöglicht, durch die Steuerung sowohl eine kleine Expansion (circa 10 Proc.) als auch Compression und Voreintritt zu geben. Speciell letzteres ist wesentlich für einen guten und stoßfreien Gang, und so sehen wir denn auch dieses Maschinchen mit einer Geschwindigkeit von 200 und Mehr Touren anstandslos arbeiten.

Zum rationellen Betrieb gehört eine Spannung des Druckwassers von einigen Atmosphären, wie dies ja bei größeren Wasserversorgungsanlagen überall zur Verfügung steht. Daten über den Nutzeffect liegen noch keine vor; derselbe mag aber immerhin günstiger sein wie bei gewöhnlichen Wassersäulenmaschinen. Mehrere dieser Maschinchen sind in Wien bereits zur Anwendung gekommen (besonders zum Betriebe von Aufzügen) und haben sich, wie zu erwarten stand, vollkommen bewährt. Die Kosten des Betriebes stellen sich bei den hohen Preisen der Wiener städtischen Wasserleitung selbstverständlich höher wie bei Dampf- oder Gasmaschinen.

M.

|513|

Diese Maschine war bereits auf der Wiener Weltausstellung 1873 erschienen. (Officieller Generalcatalog 2. Aufl. S. 534 Nr. 177.)

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