Titel: Violettes Ultramarin; von Lüssy.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 519–520)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi06_15

Violettes Ultramarin; von Lüssy.

Das Untersuchungsobject stammt von der Wiener Ausstellung, auf welcher zum erstenmal rein violettes Ultramarin zu sehen war. Dasselbe stellt ein Pulver von hellvioletter Nüance dar, welches, auch unter dem Mikroskop betrachtet, ziemlich homogen erscheint; jedenfalls lassen sich nicht zwei ganz verschiedenartige Substanzen wahrnehmen, etwa eine blaue und eine rothe gemischt, wie man das vielleicht vermuthen könnte. Alkohol zieht nichts heraus, selbst beim Kochen. Durch Säuren wird dasselbe, wie alle Ultramarine, unter Schwefelwasserstoffentwickelung sogleich zersetzt. Gegen Alaunlösung, selbst gegen sehr verdünnte, ist dieses violette Ultramarin absolut unbeständig. In der Wärme wird es von derselben schon nach einigen Augenblicken entfärbt, in der Kälte geht die Entfärbung langsamer vor sich; es wird zunächst lilafarben und dann nach und nach immer heller, bis nach Verlauf von etwa zwei Tagen die ganze Masse vollkommen weiß geworden ist. Dies Verhalten des rein violetten Ultramarins ist ziemlich eigenthümlich, indem im Gegensatze hierzu diejenigen mit mehr röthlichem Stich gegen Alaun verhältnißmäßig resistenzfähig sind. Die Alkalien wirken sehr verschieden ein. Ammoniak und kohlensaures Natrium bewirken gar keine Veränderung, weder in der Kälte noch in der Hitze, dagegen zeigt Natronlauge eine sehr interessante Reaction. Wird nämlich dieses violette Ultramarin mit Natronlauge erhitzt, so verwandelt sich dasselbe in ein schön blaues Pulver und in die Lösung geht Schwefel und Kieselsäure. Es kam nun darauf an zu sehen, ob dieser blaue Rückstand die mittlere Zusammensetzung von gewöhnlichem blauem Ultramarin habe und dieselben Eigenschaften wie dieses zeige. Vorerst mußte aber eine genaue quantitative Untersuchung die Zusammensetzung des violetten Ultramarins kennen lehren. Qualitativ wurden im violetten Ultramarin: Kieselsäure, Schwefelsäure, Schwefel, Thonerde, Natron und Kalk nachgewiesen. Eisen ist keines darin, Kali nur in unwägbaren Quantitäten; auch freier Schwefel konnte nicht nachgewiesen werden und ebensowenig unterschwefligsaures Natrium. Heißes Wasser zieht aus demselben schwefelsaures Natrium aus, welches blos als Verunreinigung vorhanden ist, indem nachher das Ultramarin ebenso schön violett aussieht wie vorher. 1g,703 violettes Ultramarin verloren durch Auswaschen an Gewicht 0g,219, also 12,85 Proc. Dieses reine violette Ultramarin gab bei der Analyse folgendes Resultat:

|520|
Kieselsäure 47,23
Schwefelsäure 1,88
Thonerde 20,93
Natron 19,28
Kalk 1,97
α Schwefel 0,82 (mit HCl als H₂S austreibbar.)
β Schwefel 9,25 (als BaSO₄ aus dem Rückstand bestimmt.)
––––––
101,36

Dieses violette Ultramarin wurde nun, wie gesagt, mit Natronlauge gekocht, wobei ein schön hellblaues Pulver zurückblieb.

4g,783 violetten Ultramarins verloren 0g,625 an Gewicht; es ergibt sich also ein Verlust von 13,06 Proc. Von diesen bestehen, wie die Analyse zeigte, 12,44 Proc. in Kieselsäure und 0,62 Proc. in Schwefel.

Die zurückgebliebene blaue Substanz (4g,158) wurden nun ebenfalls untersucht, und es ergaben sich Zahlen, welche mit der ausgetretenen Kieselsäure und dem ebenfalls ausgetretenen Schwefel zusammen die oben mitgetheilte Zusammensetzung des violetten Ultramarins ausmachten.

Wie man hieraus ersieht, hat also dieses blaue Pulver noch vollkommen die Zusammensetzung eines gewöhnlichen blauen Ultramarins und muß auch nach seinem ganzen sonstigen Verhalten gegen Reagentien als ein solches bezeichnet werden. Hierdurch scheint also bewiesen, daß sich das violette Ultramarin vom gewöhnlichen blauen blos durch einen bedeutenden Mehrgehalt von Kieselsäure unterscheidet, indem doch höchst wahrscheinlich der kleinen Quantität ausgetretenen Schwefels diese Veränderung nicht zuzuschreiben ist. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1875 S. 978.)

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