Titel: Ueber Fäcalsteine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 520)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi06_16

Ueber Fäcalsteine.

Reimann in Berlin schlug bereits im J. 1827 vor, die Fäcalien zum Brennen oder zur Leuchtgasfabrikation zu verwenden. Petri (1874 213 258) formt dieselben mit Torf und Kohlengruß zu Steinen, um sie zu verbrennen oder zum Düngen zu gebrauchen. Nach seinen neueren Angaben (Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege, 1875 S. 496) ist es ihm gelungen, den eigentlichen Stinkstoff der menschlichen Excremente zu entdecken; 100k derselben sollen nur etwa 1g dieser öligen Verbindung von Glycerin mit einer Fettsäure (?) enthalten. Um diesen Stinkstoff zu beseitigen, verwendet er ein Desinfectionspulver und eine Flüssigkeit. Nach einer in den Verhandlungen der Berliner polytechnischen Gesellschaft vom 1. Juli gemachten Mittheilung von Schädler besteht das Pulver aus einer Mischung von Torfgruß und Kohlengruß mit Gyps und Phenol; die Flüssigkeit ist eine Lösung von Chlorcalcium, welche mit etwas Nitrobenzol parfümirt ist. 1 Packet Pulver von 4k Inhalt kostet 0,75 M., 1l der Flüssigkeit ebenfalls. Neu an dieser Desinfection ist also nur der Zusatz von Nitrobenzol, welche wohl nur den Zweck hat, die Sache etwas geheimnißvoller zu machen.

Müller und Ziureck (Industrieblätter, 1875 S. 106) betonen, daß der Düngerwerth der Steine sehr gering ist. Daß der Brennwerth der dem Torf- und Steinkohlengruß zugesetzten Excremente nur unbedeutend, des hohen Wassergehaltes wegen, oft sogar negativ sein wird, ergibt die einfachste Berechnung.

Sehr richtig wird von einem Fachmann bemerkt, daß das Auftreten des Dr. Petri den ungünstigen Eindruck einer Reclame mache.

F.

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