Titel: Ueber Chromstahl; von Prof. H. B. Carlington.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 218/Miszelle 4 (S. 371–372)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj218/mi218mi04_4

Ueber Chromstahl; von Prof. H. B. Carlington.

Eine Legirung von Eisen und Chrom besitzt, wie schon vielfach nachgewiesen, alle Eigenschaften eines ausgezeichneten Stahls, als Festigkeit, Dehnbarkeit, Elasticität und Gleichförmigkeit. Der Chrom selbst hat vor dem Kohlenstoff insbesondere den Vortheil, daß seine Affinität zu Sauerstoff eine viel geringere ist und seine Legirung mit Eisen durch allzugroße Hitze nicht verändert wird, während bekanntlich der gewöhnliche Stahl leicht verbrennt. Directe Versuche haben ergeben, daß Chromstahl 3 bis 4mal mehr Arbeit verrichten kann als der gewöhnliche. Auch ist seine Textur durchaus gleichmäßig, und er kann analog wie Schmiedeisen in der nämlichen Hitze geschweißt und bearbeitet werden. Die Zugfestigkeit desselben wird verschieden zwischen 132909 und 198970 Pfund pro 1 Quadratzoll engl. (9345 und 13990k pro 1qc) angegeben.

Es empfiehlt sich, diesen Stahl bei Weißglut auszuschmieden, während das Lochen am besten bei einer gelinden Hitze ausgeführt wird.

|372|

Das Anlassen soll bei schwacher Rothglut geschehen. Alle Werkzeuge, die aus einem massiven Stücke geschmiedet worden sind, müssen zunächst vollständig abgekühlt und zum Zwecke des Anlassens abermals erhitzt werden, weil sie sonst beim Eintauchen ins Wasser leicht zerspringen, da der innere Theil die Hitze leicht zurückhält.

Das Adouciren geht am besten bei gleichmäßigem Erhitzen zu einer schwachen Rothglut vor sich, worauf der Stahl möglichst gut mit den zu diesem Zwecke gebräuchlichen Substanzen bedeckt werden muß.

Beim Schweißen müssen die zusammengelegten Theile zuerst mit leichten und dann allmälig mit festen Hammerschlägen aneinander gepreßt werden.

Das Härten empfiehlt sich bei schwacher Rothglut. Die zu diesem Zwecke geeignetste Temperatur ermittelt man praktisch auf folgende Weise. Man glüht eine Stange und notirt längs derselben die verschiedenen Hitzegrade. Man taucht alsdann die Stange in kaltes Wasser und schlägt nach dem Erkalten einzelne Theilchen am Ambos ab, so daß man die eingetretene Textur längs der ganzen Stange beobachten kann. In den Theilen, wo die Hitze eine zu große war, ist die Textur grobkörnig und wird allmälig feiner bis zu dem Punkte, wo die Stange zu einer schwachen Rothglut erhitzt war. Der Bruch zeigt hier eine feinkörnige, etwas faserige Textur, und in diesem Punkte ist die Härte und Festigkeit des Stahls am größten. (Nach dem Engineer, September 1875 S. 178.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: