Titel: Fischer, über Kesselsteinbildungen und deren Verhütung.
Autor: Fischer, Ferd.
Fundstelle: 1876, Band 220 (S. 172–181)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/ar220051

 Ueber Kesselsteinbildungen und deren Verhütung; von Ferd. Fischer.

Fischer, über Kesselsteinbildungen und deren Verhütung.

Bekanntlich kann durch Dampfkessel, deren innere Flächen mit Krusten und Schlamm bedeckt sind, nur eine sehr unvollkommene Ausnützung des Brennmaterials erreicht werden. Die Bleche, welche mit den Feuergasen in Berührung kommen, werden überhitzt und stark abgenützt, oft sogar glühend. Dadurch wird aber die Festigkeit derselben bedeutend verringert, was um so bedenklicher ist, als die durch die verschiedene Ausdehnung der einzelnen Kesseltheile bedingten Spannungen und somit auch die Explosionsgefahren (1874 213 296) durch das Glühen dieser Bleche offenbar wesentlich vergrößert werden. Berücksichtigt man ferner, daß unreines Wasser oft stark schäumt, Wasserstandsapparate und Manometer verstopft, daß der Schlamm selbst in die Maschine mit übergerissen wird, so ist es als eine der Hauptaufgaben des Dampfkesselbetriebes zu bezeichnen, die Bildung von Kesselsteinkrusten und Schlammablagerungen zu verhindern.

Kesselsteinbildner sind, wie bereits (1874 212 220) erwähnt, namentlich das schwefelsaure Calcium (Gyps) und die Bicarbonate des Calciums und Magnesiums, weniger schwefelsaures Magnesium und Chlormagnesium, welche Magnesiumhydrat abscheiden oder nach Hoppe-Seyler1 mit kohlensaurem Calcium Dolomit bilden können, sowie Aluminium- und Eisenverbindungen und Kieselsäure.

Da es nur in den seltensten Fällen möglich sein wird, ein reines Wasser zum Speisen der Dampfkessel anzuwenden, so müssen die Kesselstein bildenden Bestandtheile des gewöhnlichen Wassers unschädlich gemacht werden. Man hat dieses zu erreichen gesucht:

1) Durch Vorrichtungen und Zusätze, welche im Kessel selbst zur Anwendung kommen, um die Bildung eines festen Ansatzes zu verhüten, und zwar durch

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Elektricität.

Kesselsteinsammler und Vorrichtungen, welche eine rasche Bewegung des Kesselwassers bezwecken.

Blechschnitzel, Sand, Thon u. dgl.

Fetten und Theeren der Kesselwände.

Gerbstoffhaltige Substanzen, Cattechu.

Stärkemehlhaltige Stoffe, Zucker, Glycerin.

Fällungen im Kessel.

Häufiges Ausblasen.

2) Durch Ueberführen der Kesselsteinbildner des Speisewassers in leicht lösliche Verbindungen oder Ausfällen derselben, bevor das Wasser in den Kessel kommt, und zwar durch

Salzsäure, Essigsäure, Salmiak.

Chlorbarium.

Erhitzen in Vorwärmern.

Kalkmilch oder ätzende Alkalien.

Soda oder ähnliche Fällungsmittel.

Gleichzeitige Anwendung mehrerer Wasserreinigungsverfahren.

Elektricität. Die Angaben über die Verhütung von Krustenbildungen im Dampfkessel durch elektrische Ströme oder durch Zinkeinlagen, deren angebliche Wirkungen ebenfalls der Elektricität zugeschrieben werden, widersprechen sich noch vollständig. Verfasser ist seit einiger Zeit mit einschlägigen Versuchen beschäftigt und wird die Resultate derselben in einem der nächsten Hefte mittheilen.

Schlammfänger und Kesseleinlagen. Ein Ungenannter hat auf dem Boden seines Dampfkessels ein Zinngefäß gestellt. Nach 3 Wochen fand er in demselben einen Bodensatz von 14, im übrigen Kessel von nur 3 Zoll (1828 29 308).

Johnson (* 1839 73 86) bringt unter dem Kessel einen kleinen Nebenkessel an, welcher mit demselben durch eine oder mehrere Röhren in Verbindung steht und in dem sich der Schlamm ablagern soll. Ernst2 hat zur Abführung des Schlammes dem Absperrventile gegenüber im Boden des Kessels ein 54cm weites Fallrohr angebracht, das in einem querliegenden, 63cm weiten Kessel mündet, welcher nicht vom Feuer berührt wird. Bei einem Dampfkessel, der mit stark schlammbildendem Wasser gespeist wurde, soll sich diese Einrichtung gut bewährt haben.

Haswell (1861 161 392) bringt ein von außen in Bewegung gesetztes Kreiselrad in die Kessel, um die Unreinigkeiten Schlammsäcken zuzuführen.

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Der Schlammfänger von Forster (* 1869 193 352) wirkt zugleich, wenn auch nur unvollkommen, als Vorwärmer. Später3 bringt derselbe den Schlammsack außerhalb des Kessels an.

Seward und Smith4 befestigen im Kessel in der Höhe des Wasserspiegels einen Kasten mit geneigtem Boden; der darin abgelagerte Schlamm wird durch ein Rohr nach Außen abgeführt. Dumery (1862 164 251) und Fletcher (1863 168 161) empfehlen Schlammröhren.

Bake (1838 68 73) soll schon im J. 1823 den Vorschlag gemacht haben, einen losen Boden in den Kessel zu bringen. Scott (1828 30 386) 1829 31 101 und 145) ließ sich am 4. August 1827 die Anwendung von Platten und Trögen patentiren, welche auf Unterlagen oder Füßen stehen, und auf denen sich Schlamm und Kesselsteinkrusten absetzen sollten. Armstrong (1838 69 4) verband diese Einlagen mit einer Vorrichtung zum Ausblasen des gesammelten Schlammes. Boulard5 will in ähnlicher Weise Drahtgewebe oder durchlöcherte Metallplatten anwenden.

Correns6 bringt zwei große Blechtafeln in den Kessel, welche zur bessern Reinigung mit einem Anstrich von Leinöl und Graphit versehen sind. Schmitz (1867 186 271) * 1869 191 264) verwendet zu demselben Zwecke gewellte Bleche, Zipser7 leicht auszuwechselnde Schlammkasten.

Die größte Verbreitung scheinen jedoch die Kesseleinlagen von Popper (* 1869 191 263) gefunden zu haben, welche, wie die von Scott, Correns und Schmitz, nicht nur den gebildeten Schlamm sammeln, sondern auch eine so lebhafte Bewegung des Kesselwassers bewirken sollen, daß sich angeblich nur sehr wenig Krusten absetzen können.8

Napravil (1870 198 97), Isambert9, O. Kohlrausch (1871 200 260), Bestelmeyer (1871 200 500) und Weinlig10 haben günstige Resultate nach Anwendung der Popper'schen Einlagen beobachtet, Krüger11 und Bolte12 haben dagegen sehr unangenehme Erfahrungen mit diesen Einlagen gemacht; in einem neuen Kessel waren |175| die Bleche 3mm tief eingescheuert. Dietze13 glaubt, daß Einrichtungen zur Verhütung von Kesselstein durch Circulation des Wassers in den Dampfkesseln einen Mehraufwand von mehr als 25 Proc. des Brennmaterials erfordert.

Derartige Einlagen können zwar dadurch für Kessel mit Unterfeuer nützlich werden, daß sie den Schlamm und die abgesprengten Kesselsteinsplitter sammeln und so das Festbrennen auf der Feuerplatte verhüten; zuweilen sind aber die Zwischenräume zwischen Einlage und Kesselblech dennoch so mit Unreinigkeiten verstopft gewesen, daß die Bleche durchgebrannt waren. Derartige Vorrichtungen sind daher nur mit Vorsicht anzuwenden. Es wurde ferner schon erwähnt, daß Krustenbildungen auch bei raschester Bewegung des Wassers möglich sind (1874 212 218). Diese Einlagen können daher die Bildung fester Kesselsteinkrusten nicht hindern; dieselben werden nur deshalb etwas dünner als sonst, weil sie sich auch auf beiden Seiten der Blecheinlagen ansetzen. Hat sich aber eine solche Ablagerung gebildet, so muß die Wärme von dem Kesselblech auf die selten fehlende Rostschicht, von dieser auf den Kesselstein und erst nach dessen Durchdringung auf das Wasser übertragen werden. Es kann daher weniger in Betracht kommen, ob ein Kesselstein 2 oder 5mm dick ist, als daß er überhaupt vorhanden ist.

Von eigenthümlichen Kesselconstructionen, welche die Bildung von Steinkrusten verhüten sollten, mögen erwähnt werden die von Schmidt (1861 160 241), Dickerson,14 Wiese,15 Field16 (*1864 171 263) * 1865 177 258. * 1867 186 81. 1870 195 * 483. 197 * 111. 378. 1871 200 240), Thomson17 und der drehbare Kessel von Grimaldi (1861 161 235) * 1863 167 248). Daß sie den beabsichtigten Zweck nicht erreichen konnten, liegt auf der Hand.

Auf der 16. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure in Aachen waren Zeichnungen eines Dampfkessels ausgestellt, dessen Wandungen durch rotirende Stahlbürsten reingehalten werden sollten. Voraussichtlich werden sich die Stopfbüchsen nur schwer dicht halten lassen, die Kesselbleche aber durch die fortwährende Reibung rascher abgenützt werden, als dieses sonst der Fall sein würde.

Blechschnitzel u. dgl. Ferrari (1829 31 266) empfahl zur Verhütung von Kesselsteinbildungen, gewöhnliche Kohle in die Kessel zu bringen. Johnson (1839 73 87) bringt in dieselben zerstoßenes |176| Glas, Flintensteine, Kiesel, Porzellanscherben, Eisen-, Kupfer-, Zink- und andere Metallabfälle, überhaupt harte, im Wasser unlösliche Körper, durch deren Bewegung die Wände und der Boden der Dampfkessel abgescheuert werden. Auch Kuhlmann (1841 80 379) empfiehlt Blechschnitzel, Glasscherben u. dgl.

Diese Körper können zwar anfangs den Ansatz einer festen Kruste hindern, dann aber legen sie sich bei Anhäufung des Schlammes auf den Boden, die ganze Masse brennt leicht fest, so daß die Bleche nun erst recht zerstört werden können, da die porösen Kesselsteine, welche sich durch Festsetzen des Schlammes bilden, noch weit schlechtere Wärmeleiter sind als die krystallinischen Krusten.

Schwennhagen18 behauptet, daß jede Kesselsteinbildung unfehlbar beseitigt werde, wenn man in die Dampfkessel gepulverte Kreide bringe; — offenbar ein Irrthum.

Von dem Ingenieur des Hannoverschen Dampfkesselrevisionsvereins, Hrn. Grabau, erhielt Verfasser ein weißes Pulver, welches bei einer hiesigen Dampfkesselanlage gebraucht werde; dasselbe war mit einer Gebrauchsanweisnng versehen, welche hier wörtlich folgen mag.

„Wir beehren uns hiermit, Ihnen eine Substanz unter dem Titel Poudre algérienne (Algierisches Pulver), dessen Erfindung unser Haus gemacht hat, zur gefälligen Einsicht zu übergeben, welches unfehlbar gegen jede Verkrustung der Dampfkessel (Kesselstein), Locomotiven und Maschinen aller Art wirkt.

Diese Substanz, aus welcher wir bis jetzt einen glücklichen Erfolg erzielten, enthält keine Säure, wurde mehrere Male einer Auseinandersetzung unterzogen und von verschiedenen Chemikern und Ingenieuren Frankreichs gutgeheißen. Genanntes Pulver ist bei allen Maschinen ohne Ausnahme und ohne Gefahr für die Dampfkessel verwendbar.

Gebrauchsanweisung. Man nimmt eine Dosis von 250g per Pferdekraft, und die Maschine arbeitet gut während drei Monaten und zwar mit dem kalkartigsten und schwersten Wasser. Alle drei Monate, bei Entleerung des Siedkessels, mittels einiger Besenstriche entfernt sich stückweise jeglicher Ansatz und wird dadurch für immer eine salzige und erdige Anhäufung im Innern der Maschine verhütet.

Mit diesem Verfahren verschwindet jede Gefahr für die Kessel, und das Abklopfen mit dem Hammer wird dadurch gänzlich unnöthig.“

Maison M. Meyer Lüttich.

Das Pulver ist schwefelsaures Barium (Schwerspath); es ist also dasselbe, welches schon einmal unter gleichem Namen, dann im J. 1866 von Lazare in Paris als Poudre italienne nach Deutschland eingeführt wurde mit der Behauptung, die Anwendung desselben habe eine Brennmaterialersparniß von wenigstens 40 Proc. zur Folge.

Der glückliche Erfinder läßt sich 1k mit 3 M. bezahlen; der reelle |177| Werth beträgt etwa 20 Pf., als Kesselsteinverhütungsmittel ist derselbe meist negativ. Es ist wirklich unbegreiflich, wie sich Jemand auf einen so plumpen Schwindel einlassen kann.

Thon. Chaix (1838 69 323) empfahl die Anwendung von Thon, um die Bildung fester Kesselsteinkrusten zu verhüten. Er erhielt für diese Erfindung vom Marineminister eine Belohnung von 20 000 Franken und von der Société d'Encouragement eine goldene Denkmünze (1839 72 73) 148 107 236). Nach einem Bericht von Payen (1837 64 329) hat sich dieser Thonzusatz bei den französischen Marinekesseln bewährt; nach seiner Ansicht werden die sich ausscheidenden Kesselsteinbildner durch den Thon pulverförmig niedergerissen und so an der Bildung fester Krusten gehindert (1839 73 73). Später ist dieser Thonzusatz wieder von Wiederhold19 empfohlen.

Schon Aldefeld (1838 69 321) und Dingler (1838 69 323) beobachteten, daß der Thon leicht vom Dampfe mit in die Maschine hinübergerissen wird und diese abschleift. Burg (1850 115 16) und Becker (1870 195 559) bestätigen, daß dieser Schlamm sich nach und nach durch die Maschine zieht, Klappen und Ventile belegt und selbst die Kolben und Cylinder angreift. Auch Benner20 hat mit Thon nur durchaus ungenügende Resultate erhalten.

Spiske (1863 170 233) 1864 172 395) und List (1868 190 424) empfehlen in gleicher Weise, Seifenschiefer anzuwenden, Touaillon (englisches Patent vom 9. December 1871) Talkpulver. Der Erfolg wird kaum wesentlich günstiger sein als mit Thon.

Torf. Bald (1821 6 305) berichtete, daß in Schottland mit bestem Erfolg Malzkeime oder Torferde in die Dampfkessel gebracht würden; die Dampfbildung soll dadurch auffallend beschleunigt werden (1832 46 432). Johnson (1839 73 86) empfiehlt Torf, Dünger u. dgl.; Laudale (1836 62 434) bemerkt aber, daß bei Anwendung dieser Stoffe das Kesselwasser stark schäumt. Elsner21 schlägt Sägespäne vor; er gibt aber selbst zu, daß diese leicht durch den Dampf mit übergerissen werden. — Die Anwendung dieser Substanzen, welche im günstigsten Falle Schlammbildungen veranlassen, kann in keiner Weise empfohlen werden.

Fetten und Theeren der Kesselwände. Der Vorschlag, die Kesselwände mit Fett einzureiben, um das feste Anhaften des Kesselsteines zu verhüten, ist schon alt (vgl. 1826 22 170). Bedford (1834 |178| 52 74) verwendet Wallrathöl. John (1838 69 394) schlug vor, die sorgfältig gereinigten Kesselwände mit einer Mischung von 1 Th. Graphit und 6 Th. Talg zu überziehen. — Während sich dieser Anstrich an einigen Orten bewährt hat (1839 73 234) 74 313), haben Andere ebensoviel Kesselstein bekommen als ohne einen solchen (1839 73 73).

Corenwinder22 empfiehlt, die Kesselwände mit Asphaltöl, Schulze (1865 176 77), dieselben mit Theer zu bestreichen. Daelen23 hat damit aber sehr ungünstige Erfahrungen gemacht.

Sibbald (1854 131 460) verwendet ein Gemisch aus 1 Th. Talg, 1 Th. Graphit und 0,5 Th. Holzkohle, von ihm „Metalline“ genannt. West will das Innere des Kessels mit 14k Kalk, 1k,5 Seife, 250cc Rüböl, 250cc Terpentin, 1k Graphit, 1k,5 Soda, 4k Bleiweiß und 17l Wasser überziehen. Sägher (1859 152 104) empfiehlt Gemische aus Asche, Holzkohle, Pech, Stearin, Talg, Seife und Ruß. Die Masse wurde kugelförmig geformt in die Kessel gebracht. Maurer (* 1859 152 105) beschreibt einen Apparat zum Einbringen dieses sogen. „belgischen Kesselsteinpulvers“ in die Kessel.

Ashworth will Steinkohlentheer, gemischt mit Seife, Graphit und Leinsamenabkochung, verwenden. Bolzano empfiehlt, Fette, Fettsäuren und Harzsäure in den Kessel zu bringen und mit Theer und Kolophonium getränkte Tücher direct oder mittels Schwimmer so aufzuhängen, daß sie der Wasseroberfläche beständig folgen können, um so einen schwimmenden Kesselstein zu erzeugen.24

Renner (1857 146 221), Bolley (1861 162 164), Weber (1866 180 254), Lermer (1868 187 431 und 441), Triepcke (1869 194 82), Birnbaum (1874 213 488), Münter25 u. A. haben bereits die Schädlichkeit von Fett im Dampfkessel nachgewiesen. Isambert26 nennt das Anstreichen der Kesselwände mit Recht eine Unsitte; er hat gesehen, daß Vorwärmer in Folge eines solchen Anstriches zerfressen sind, ohne daß die Bildung von Kesselstein irgendwie gehindert wäre. (Vgl. auch Wartha 1876 219 252.)

Abgesehen davon, daß bei Anwendung derartiger Stoffe Schmutztheile leichter mit dem Dampfe übergerissen werden, wird ein Kessel mit einem solchen Anstrich mehr Brennmaterial erfordern und leichter überhitzt werden als ohne einen solchen.

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Petroleum. In Amerika will man mehrfach dadurch die Kesselsteinbildung verhütet haben, daß man in die Kessel Rohpetroleum brachte. Es ist nicht recht einzusehen, wie dasselbe wirken soll (Wagner's Jahresbericht, 1869 S. 504). Besser scheint sich das Petroleum zur Reinigung des fetthaltigen Condensationswassers zu eignen (1872 204 511) 1873 209 235).

Cattechu. Watteau (1845 98 331) ließ sich eine Anzahl Gemische patentiren, von denen einige namentlich aus Cattechu bestanden. Saillard (1846 99 156) empfiehlt sein sogen, „harzhaltiges basisches japonsaures Doppelsalz“ — ein Gemisch aus Cattechu, Fichtenharz und Alkalien. Auch Newton (1858 148 315) und Bischof (1860 156 237) verwenden Cattechu. Scholl27 empfiehlt für gypshaltiges Speisewasser eine Lösung von 50 Th. Cattechu und 12 Th. Kochsalz, Benner28 eine stark alkalische Lösung von Cattechu. Weinlig29 dagegen hebt hervor, daß Cattechu, Hallogenin und Kartoffeln überall nur zufällig wirken.

Hierher dürfte auch das Balling'sche patentirte Harz gehören. Dasselbe soll im J. 1868 von Burger in Magdeburg, 100k zu 108 M. verkauft worden sein. Näheres hierüber hat Verfasser nicht erfahren können.

Gerbstoffe. Johnson (1839 73 86) schlug vor, in die Kessel Farbhölzer, Gerberlohe u. dgl. zu bringen; Board (1844 93 238) Sägespäne von Mahagoniholz, Elsner Tormentillwurzeln. Für Locomotiven der Taunusbahn wurde Lohewasser verwendet (1845 96 328). Cavé (1840 110 315) bringt in die Kessel eichene Scheite; später will derselbe das Speisewasser in Behältern, welche eichene Scheite enthalten, durch den abgehenden Dampf erhitzen, um so die Unreinigkeiten desselben abzuscheiden (1848 112 155).

Delfosse (1847 104 327) ließ sich die Anwendung eines Loheauszuges mit Natron, Potasche und Kochsalz patentiren. Delrue30 will die concentrirten Auszüge von Eichen- und Fichtenrinde und Sumachblättern, mit Weinstein und Terpentinöl versetzt, anwenden.

In einem Berichte31 über die Untersuchung amerikanischer Dampfkessel wird angegeben, daß Cattechu, Galläpfel und Eichenrinde unter Umständen die Bildung von Kesselstein aus kalkhaltigem Wasser hindern, nicht aber die aus gypshaltigem Wasser; reine Gerbsäure greife die Kessel an, und wird daher vor Anwendung derselben gewarnt.

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Die Abfälle vom Ausfleischen gegerbter Häute sind schon früher gegen die Bildung fester Krusten angewendet (1852 123 164). Hevitt32 empfiehlt 20 Th. Lederabfälle, mit 1 Th. Talg und Soda zusammen gekocht. Präger33 liefert für 60 M. 100k einer sogen. „Kesselsteincomposition“, die dadurch hergestellt wird, daß man leimgebende Abfälle der Gerbereien mit Wasser kocht und die Flüssigkeit mit einer Gerbsäurelösung fällt.

Burfitt's patentirte Composition wurde bereits (1875 215 183) besprochen. In Folge dieser Notiz hat der Patentinhaber Creswell am 1. December 1875 ein Rundschreiben mit einer neuen Liste von Zeugnissen versendet. Obenan steht ein „analytischer Bericht“ des bekannten Zeugnißausstellers Dr. Theobald Werner. Der Patentinhaber scheint gar nicht zu ahnen, wie schwer er den etwaigen guten Ruf seiner Composition durch ein solches empfehlendes Zeugniß schädigt. Professor Gunning in Amsterdam bescheinigt am 22. Juli 1873, „daß er die Proben der Burfitt'schen patentirten Composition zur Verhinderung und Wegschaffung des Kesselsteines analysirt und gefunden hat, daß dieser Artikel ein Extract vegetabilischen Ursprunges ist, größtentheils aus einem vegetabilischen Schlamm bestehend, und daß sie keinen Bestandtheil enthält, welcher durch einen mäßigen Gebrauch die kleinste schädliche oder auflösende Wirkung auf das Metall der Dampfkessel haben kann.“ — Solche nichtssagende Redensarten können doch wohl nur für ein urtheilloses Publicum berechnet sein.

Alle diese gallertartigen, klebrigen Stoffe verunreinigen und verstopfen die Wasserstandshähne, Rohre und Ventile, werden selbst mit dem dadurch leicht aufschäumenden Wasser in die Maschine übergerissen und geben mindestens Schlammmassen, welche sehr leicht festbrennen. Vor Anwendung derselben ist daher zu warnen.

Stärkemehlhaltige Stoffe. Die Anwendung der Kartoffeln gegen Incrustationen ist schon alt. Englische Arbeiter, welche ihre Kartoffeln im Dampfkessel gekocht und zufällig einige vergessen hatten, sollen die ersten Beobachtungen über die Wirkungen derselben gemacht haben (1823 10 254). Elsner meint, die Stärke der Kartoffel gehe in Dextrin über, welches die Kalktheile mit einer schleimigen Hülle umgebe und so möglicher Weise die Bildung einer festen Kruste verhindern könne.

Während von einigen Seiten (1844 93 238) über die Verwendung derselben günstig berichtet wird34, beobachtete man namentlich bei Schiffskesseln, |181| daß das Wasser stark aufschäumte, Cylinder und Röhren verunreinigte (1837 64 330), und Heyde (1868 190 424) meint, die Anwendung von Kartoffeln habe überall nur das Anbrennen derselben als Resultat ergeben.

Hörkens (1853 127 395) schlug Cichorien vor, Rosenkranz35 isländisches Moos; die Wirkung dieser Flechte soll theils auf dem Jod- und Bromgehalt, theils auf der gallertartigen Beschaffenheit derselben beruhen, — Angaben, welche als unrichtig zurückgewiesen werden müssen. Mit Recht warnt Varrentrapp36 vor Anwendung derartiger schleimiger Stoffe.

Zucker. Guinon (1849 114 236) bringt in die Kessel Melassenzucker, Guimet Stärkezuckersyrup. In einem Kessel der Wiener Münze hatte man Thon, Gerberlohe, Kartoffeln, Blechschnitzel und Salmiak nach einander vergeblich angewendet (1850 115 16); nach Einführung von 15k Kartoffelsyrup fand man beim Oeffnen des Kessels nur Schlamm.

Dextrinsyrup war früher unter dem Namen „Winkelmann's Lithophagon“ im Handel. Auch Süßbier mit Malz und dergleichen Unsinn mehr sind vorgeschlagen.

Bei gypshaltigem Wasser dürfte Zucker schwerlich irgend welchen Erfolg haben.

Glycerin. Asselin37 empfahl zur Verhinderung von Kesselsteinbildungen, Glycerin in die Dampfkessel zu bringen. Mohr hat gesehen, daß bei Anwendung von Glycerin in einem Kessel der Mannheimer Maschinenfabrik statt Kesselstein sich eine Menge von feinem Pulver gebildet hatte. Lehzen38 berichtet dagegen, daß mit Glycerin bei gypshaltigem Wasser kein günstiges Resultat zu erreichen sei. Benner39 hat mit Glycerin nur durchaus ungenügende Resultate erhalten.

Alle bisher besprochenen Mittel, welche nur die Bildung einer fest anhaftenden Kruste verhindern sollen und im günstigsten Falle eine starke Schlammbildung veranlassen, sind aus den mehrfach erwähnten Gründen keinesfalls zu empfehlen.

(Fortsetzung folgt.)

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Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, 1875 S. 502.

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Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1865 S. 156.

|174|

Deutsche Industriezeitung, * 1870 S. 387.

|174|

Polytechnisches Centralblatt, * 1866 S. 1249.

|174|

Wagner's Jahresbericht, 1861 S. 264.

|174|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, * 1866 S. 478.

|174|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1872 S. 221.

|174|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1870 S. 237 und 299.

|174|

Wagner's Jahresbericht, 1870 S. 533.

|174|

Zweiter Bericht des Magdeburger Kesselrevisionsvereins.

|174|

Wagner's Jahresbericht, 1873 S. 733. Scheibler's Zeitschrift für Rübenzucker, 1874 S. 73.

|174|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1875 S. 112.

|175|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1866 S. 236.

|175|

Deutsche Industriezeitung, * 1866 S. 105.

|175|

Polytechnisches Centralblatt, * 1865 S. 838.

|175|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1867 S. 475. * 1871 S. 325.

|175|

Polytechnisches Centralblatt, * 1866 S. 503.

|176|

Deutsche Industriezeitung, 1869 S. 138. Vgl. daselbst, 1866 S. 58.

|177|

Wagner's Jahresbericht, 1869 S. 496.

|177|

Bulletin de la Société industrielle de Rouen, 1874 p. 245.

|177|

Elsner: Verhütung des Kesselsteines (Berlin 1854) S. 13.

|178|

Wagner's Jahresbericht, 1862 S. 539.

|178|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1865 S. 390.

|178|

Bayerisches Kunst und Gewerbeblatt, 1865 S. 594 und 591.

|178|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1876 S. 127.

|178|

Fünfter Bericht des Mannheimer Kesselrevisionsvereins.

|179|

Scholl: Führer des Maschinisten (Braunschweig 1873) S. 233.

|179|

Bulletin de la Société industrielle de Rouen, 1874 p. 250.

|179|

Zweiter Bericht des Magdeburger Dampfkesselrevisionsvereins.

|179|

Bayerisches Kunst und Gewerbeblatt, 1865 S. 187.

|179|

Scientific American vom 3. April und 14. August 1875.

|180|

Deutsche Industriezeitung, 1866 S. 137.

|180|

Deutsche Industriezeitung, 1874 S. 506.

|180|

Prechtl: Technologische Encyklopädie, 3. Bd. S. 557.

|181|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1868 S. 731. Deutsches Wollengewerbe, 1870 Nr. 24.

|181|

Wagner's Jahresbericht, 1866 S. 508.

|181|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1873 S. 293.

|181|

Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1874 S. 576.

|181|

Bulletin de la Société industrielle de Rouen, 1874 p. 249.

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