Titel: Girouard's elektrische Lampe mit unabhängigem Regulator.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220 (S. 281–282)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/ar220077

 E. Girouard's elektrische Lampe mit unabhängigem Regulator.

Mit Abbildungen auf Taf. IV [b/3].

Das regulirende Organ dieser neuen elektrischen Lampe ist ein Relais, welches in beliebiger Entfernung vom eigentlichen Beleuchtungsapparat aufgestellt und so empfindlich, wie man es nur wünschen mag, hergerichtet werden kann. Das System besteht demnach aus zwei in Fig. 30 und 31 abgebildeten Apparaten, welche durch zwei verschiedene Schließungsbögen mit einander verbunden sind. Durch diese Schließungsbögen circuliren zwei verschiedene Ströme — ein sehr starker, welcher den Volta'schen Lichtbogen erzeugt, nachdem er den Elektromagnet des regulirenden Relais umkreist hat, und ein ziemlich schwacher, der nur das Ein- und Ausrücken des Mechanismus zur Annäherung und Entfernung beider Kohlenspitzen zu besorgen hat.

Das regulirende Relais besteht im Wesentlichen aus einem mit dickem Drahte b umwickelten Elektromagnet, dessen Armatur n an dem einen Ende eines zweiarmigen, unter dem Einflüsse zweier Gegenfedern o und o′ oscillirenden Hebels befestigt ist. Indem die Armatur eine bestimmte Lage einnimmt, bringt sie eine an dem andern Hebelende zwischen den Schrauben p und q spielende Contactfeder mit dem elektromagnetischen System in Rapport, und beherrscht somit die Bewegung der Kohlenspitzen der Lampe. Da die Spannung der Federn o und o′ so berechnet ist, daß für diejenige Stromintensität, welche ein schönes Licht gibt, die Armatur keinen Contact mit den Schrauben p und q veranlaßt, so wird sich, wenn der Strom zu stark oder zu schwach wird, das Ende des oscillirenden Hebels gegen die eine oder die andere dieser Schrauben anlegen und vermöge des Ausrückmechanismus die Kohlen einander nähern oder von einander entfernen. Es ist klar, daß, wenn die Kohlen einander berühren, die Intensität des Stromes stärker ist als diejenige, welche der normalen Lage der Relaisarmatur entspricht. Die Contactfeder am Hebelende kommt daher mit der Schraube p in Berührung, was zur Folge hat, daß die Kohlen sich von einander entfernen. Wird dagegen der Abstand der Kohlen zu groß, so gelangt der Relaishebel mit der Schraube q in Berührung und bewirkt dadurch den Stromschluß, welcher die Annäherung der Kohlenspitzen zur Folge hat. Durch Regulirung der beiden Federn o und o′ sowie durch einen größern oder geringern Abstand der Contactschrauben q und p kann der Apparat so empfindlich gemacht werden, als man nur wünscht; und diese |282| Regulirung läßt sich in beliebiger Entfernung bewerkstelligen, ohne daß man den eigentlichen Beleuchtungsapparat anzurühren braucht. Ein Unterbrecher d gestattet überdies, den lichterzeugenden Strom nach Belieben zu schließen oder zu unterbrechen.

Die Lampe Figur 31 selbst besteht, wie die gewöhnlichen elektrischen Lampen, aus zwei langen Graphitstiften, welche an Zahnstangen befestigt sind. Letztere sind auf geeignete Weise äquilibrirt und stehen unter dem Einflüsse zweier besondern Uhrwerke, welche von einem und demselben Federhaus ihre Bewegung herleiten. Mit dem letzten beweglichen Theile jedes dieser Mechanismen ist eine Ein- und Ausrückvorrichtung verbunden und diese von einem eigenthümlichen elektromagnetischen System abhängig, welches einerseits mit der Schraube p, anderseits mit der Schraube q des Relais in elektrischer Correspondenz steht. Das Räderwerk beider Mechanismen ist so berechnet, daß im Momente des Vorrückens oder des Rückganges die Bewegung der Kohlen so vor sich geht, wie es die Erhaltung der fixen Lage der Lichtquelle verlangt.

Der Apparat läßt sich vermöge dieser Anordnuug zu vielerlei Zwecken praktisch anwenden, z. B. für militärische Operationen, für die Schifffahrt, für theatralische Darstellungen, für submarine Untersuchungen und selbst für optisch-physikalische Versuche; denn ein kleiner, an den beiden Zahnstangen angebrachter Mechanismus gestattet die Ortsveränderung des leuchtenden Punktes in verticalem Sinne, um denselben in den Brennpunkt der projicirenden Linse zu bringen.

Das System läßt sich an bereits bestehenden Regulatoren anbringen, welche dadurch empfindlicher werden. Von dem Grade der auf diese Weise erreichbaren Empfindlichkeit kann man sich einen Begriff machen, wenn man erwägt, daß bei dem Haugh'schen Barometrographen, wo ein solches System in Anwendung gebracht ist, sich die Bewegungen der Quecksilbersäule ungefähr bis auf genau 0mm,014 abschätzen lassen.

Bei dem Figur 30 dargestellten Modell ist die Batterie, welche die Elektromagnete der Lampe in Function setzt, in den Sockel des Relais eingeschlossen. Es ist dieses eine kleine tragbare Säule mit einer Lösung von schwefelsaurem Quecksilberoxyd als elektromotorischer Flüssigkeit. Uebrigens wird diese Säule entbehrlich, wenn man die Inductionsströme benützt, welche durch die Intensitätsänderungen des das elektrische Licht erzeugenden Batteriestromes in besondern Inductionsspulen erregt werden, womit man die Spulen des Relais-Elektromagnetes umgibt. (Nachdem Comptes rendus, 1876 t. 82 p. 280).

P.

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