Titel: Ramdohr, über neuere Athmungs- und Beleuchtungsapparate.
Autor: Ramdohr, L.
Fundstelle: 1876, Band 220 (S. 417–427)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/ar220107

 Neuere Athmungs- und Beleuchtungsapparate für den Aufenthalt in irrespirablen Gasen und unter Wasser, für Bergwerke, chemische Fabriken, bei Bränden u. s. w.; von L. Ramdohr.

Mit Abbildungen auf Taf. VI [a.d/1].

(Schluß von S. 366 dieses Bandes.)

Die Sicherheitslampe mit Zuführung von comprimirter Luft unterscheidet sich von der gewöhnlichen Sicherheitslampe im Wesentlichen nur durch das Luftzuführungsrohr und eine Vorrichtung, welche den Verbrennungsproducten nur dann den Austritt gestattet, wenn im Innern der Lampe ein bestimmter Ueberdruck gegen den der umgebenden Atmosphäre vorhanden ist. Figur 31 [d/3] zeigt eine bewährte Construction dieser Lampe. Sie besteht aus drei durch Gewinde unter einander verbundenen Theilen, ist aus Messing hergestellt und etwa 23cm hoch.

Der Untertheil a ist der Oelbehälter, welcher mit Petroleum oder Schieferöl zu füllen ist (Rüböl läßt zu bald den Docht verkohlen, und ein Putzen des Dochtes ist während des Brennens nicht möglich). Ein etwa 3m langer Schlauch b schließt sich an den Regulator an und mündet in die Röhre d, welche mittels der Schraube c in ihrem Querschnitte nach Bedarf verengt, jedoch nie ganz verschlossen werden kann. Ueber dem obern Ende dieser Röhre befindet sich das halbcylindrische Stück e, das dazu dient, die heraufströmende Luft nach beiden Seiten zu vertheilen; f ist eine aufgeschraubte Haube, g ein Brenner wie bei jeder Schieferöllampe, h der Dochtsteller, i Luftlöcher, k das Gewinde, auf welches sich der mittlere Theil der Lampe aufschraubt. Dieser besitzt bei l einen starken, mit einem Metallnetze n überzogenen, oben und unten mit Tucheinlagen gedichteten Glascylinder; an demselben ruht der Metallconus o, der oben durch das Ventil p geschlossen ist. Dieses hebt sich, wenn die Luft in der Lampe eine gewisse Pressung hat, und gestattet so den Verbrennungsgasen Abzug. Damit in diesem Falle nicht Funken mitgerissen werden, sind die Drahtnetze q und r vorhanden. Will man die Lampe zerlegen, so sind die sechs Schrauben s zu lüften. Mittels des Gewindes t wird der oberste Theil der Lampe befestigt, welcher mit einem Haken zum Transport der Lampe und vier Stäben u zum Schutz der Drahtnetze versehen ist.

Die Herrichtung der Lampe geschieht in guten Wettern, und wenn der Arbeiter bereits durch den Apparat athmet. Vor allem verbindet |418| man den Untertheil der gefüllten Lampe mit dem Regulator. Man schraubt die Haube f ab, stellt den Docht genau auf die Höhe der Dille wie bei jeder Schieferöllampe, gibt mittels der Luftkammer m Druck auf die Gummihaube des Lampenventiles, worauf Luft nach der Lampe zu strömen beginnt, und zündet nun letztere an. Ist dies geschehen und ist die Größe der Flamme mittels des Dochtstellers regulirt, so schraubt man die Haube und den Obertheil der Lampe auf. Die Lampe brennt ruhig, hell und ohne Geruch; ist die Flamme zu lang, so dreht man die Schraube c; hinauf und umgekehrt; denn je mehr Luft zuströmt, desto mehr verkürzt sich die Flamme. Soll die Lampe erlöschen, so braucht man nur die Bewegung des Regulatorventiles durch Lüftung der Schraube s aufzuheben.

Eine andere Construction zeigt die in Figur 32 [d/3] abgebildete Sicherheitslampe. Letztere kann zeitweise auch ohne künstliche Luftzuführung benützt werden und unterscheidet sich dann durch nichts Besonderes von der gewöhnlichen Müseler-Lampe. Das Luftzuführungsrohr B ist, wie bei der soeben beschriebenen Lampe, mit einer Stellschraube versehen, mittels deren der Querschnitt des Rohres zwar verkleinert, aber niemals gänzlich verschlossen werden kann. Bei C kann die luftdicht gearbeitete Metallhaube D ebenfalls luftdicht aufgesetzt werden. Sie enthält in ihrem obern Theile einen Messingaufsatz mit einem leichten Ventilkegel, welcher in seinem Sitze durch eine schwache Platinfeder so lange festgehalten wird, bis ein Ueberdruck im Innern der Lampe die Verbrennungsproducte zwingt, durch Hebung des Ventiles sich einen Weg ins Freie zu suchen. Zu größerer Sicherheit ist die Ausströmungsöffnung durch ein Drahtnetz überdeckt.

Im Anschluß an die Beschreibung der Sicherheitslampen haben wir mit einigen Worten der submarinen Lampen derselben Constructeure um so mehr zu gedenken, als diese Lampen in neuerer Zeit nicht nur bei den eigentlichen Taucherarbeiten, sondern auch bei wichtigen, früher unausführbaren Arbeiten unter Wasser in den Grubenbauen Verwendung gefunden haben. Die Figuren 33 und 34 [a/3] zeigen diese Lampe mit eigenem Luftdruckregulator. Zweck dieser Anordnung ist, den Arbeiter unter Wasser möglichst frei beweglich und von Hilfsapparaten unbelästigt zu machen, welche man ihn bei andern Arbeiten ohne Nachtheil auf dem Rücken tragen lassen darf.

Die ganze Lampe setzt sich aus dem eigentlichen Beleuchtungsapparat und dem Luftdruckregulator zusammen. Der erstgenannte Theil besteht aus einer einfachen Petroleumlampe mit flachem Docht und ohne Cylinder, welche innerhalb eines zwischen zwei starken Metallplatten luftdicht eingefügten |419| starken Glascylinders brennt. Die obere Platte ist haubenförmig gestaltet und mit einem cylindrischen, oben offenen Aufsatz W versehen, innerhalb dessen ein Lippenventil V aus Gummi sich befindet, welches unter dem auf dasselbe einwirkenden Wasserdruck geschlossen ist und sich nur dann öffnet, um Verbrennungsproducte austreten zu lassen, wenn die Spannung der letztern im Innern der Lampe den ihm entgegenwirkenden Wasserdruck übersteigt.

Der untere Theil der Lampe besteht aus einem aus drei Metallfüßen zusammengesetzten Gestell, zwischen welchem der Luftdruckregulator angebracht worden ist. In den hohlen Fuß A tritt bei A′ die comprimirte Luft ein und gelangt in das Reservoir C. Ueber demselben befindet sich, wie bei allen andern Regulatoren, die durch eine Gummihaube geschlossene und durch das bekannte Ventil mit dem Raume C communicirende Luftkammer, umgeben von dem ebenfalls bekannten Gehäuse R. Letzteres ist aber, abweichend von der Einrichtung des gewöhnlichen Lampenregulators, mit einer Anzahl von Oeffnungen und außerdem mit einer Schraube M versehen, welche mittels einer Spiralfeder auf den beweglichen Deckel der Luftkammer einwirkt und den Zweck hat, daß auch schon außerhalb des Wassers der Flamme ein Luftstrom zugeführt werden kann. Dies ist erforderlich, um die Lampe anzünden zu können. Sobald dies geschehen ist und der Arbeiter in das Wasser geht, tritt letzteres durch die in R angebrachten Oeffnungen in den Raum C′ und wirkt auf die Gummihaube und durch diese auf das kleine Einlaßventil in derselben Weise wie die atmosphärische Luft beim gewöhnlichen Lampenregulator. Es ist einleuchtend, daß auch bei dieser Einrichtung der Flamme die frische Luft mit einer Pressung zugeführt wird, welche von der des umgebenden Mittels nur wenig verschieden ist. Die Wirkung des Regulators hat mithin bei jeder beliebigen Tiefe unter dem Wasserspiegel stets den gleichen Erfolg.

Aus der Luftkammer gelangt die Luft durch den hohlen Fuß B und das mit einem Hahn versehene Rohr D zur Lampe L, bei welcher auf die sehr zweckmäßige Einrichtung aufmerksam zu machen ist, daß dieselbe bis dicht unter den Schlitz der Brennerkappe mit einer halbkugeligen Metallkapsel überdeckt ist, in welche die frische Luft eintritt und so von allen Seiten gleichmäßig durch den Brenner der Flamme zugeführt wird.

Nebenapparate. Außer den bis jetzt besprochenen Apparaten, welche das eigentliche Rettungs- und Tauchermaterial bilden, ist noch eine Anzahl von Neben- oder Hilfsapparaten erforderlich. Hierzu gehören Luftleitungsschläuche, welche aus abwechselnden Lagen von Gummi und starkem Leinen angefertigt, im Innern mit einer Metallspirale versehen, |420| von außen durch eine starke Leinwandhülle geschützt sind und auf einen Haspel gewickelt aufbewahrt werden; ferner das aus einer lockern Filzplatte bestehende Luftfilter, welches gröbere Staubtheilchen zurückhält, bevor die Luft in den Stiefel der Luftpumpe gelangt; Nasenklemmer, welche nur eben so stark drücken, daß der Arbeiter nicht ein-, wohl aber von Zeit zu Zeit durch die Nase ausathmen kann; endlich die Schutzbrille, welche besonders in kohlensäurereicher Luft nothwendig ist, da diese die Augen besonders stark angreift.

Die Brillengläser sind, wie Figur 35 [c/2] zeigt, in einer besondern Maske angebracht, welche aus einem kleinem Luftkissen aus dünnem Gummistoff besteht und durch den Schlauch s aufgeblasen werden kann. Die Maske, welche mittels zweier Riemen um den Kopf geschnallt wird, legt sich überall ganz luftdicht an. Sie trägt unten zwei steifere Ansätze n, welche als Nasenklemmer dienen. An der innern Seite eines jeden Glases befindet sich eine kleine weiche Bürste zum Abwischen des Glases, welche von außen mittels einer durch eine kleine Stopfbüchse geführten schwachen Stange o hin- und herbewegt werden kann.

Die Taucherrüstung ist aus undurchdringlichem Stoff hergestellt und endigt in einen metallenen Helm, welcher dicht mit der Bekleidung verbunden ist, und in den sowohl das Luftzuführungsrohr als auch das Sprachrohr einmündet. Letzteres ist an seinem untern Ende durch ein Diaphragma aus Metallblech geschlossen, welches wie ein künstliches Trommelfell wirkt und die Schallwellen um so stärker zum Ohre trägt, je kräftiger der Luftdruck ist. Außerdem trägt der Taucher Schuhe mit 10k schweren Bleisohlen; er kann ferner noch mit besondern Gewichten belastet werden und bis nahe an 30m unter den Wasserspiegel hinabsteigen. Soll ein Arbeiter ohne Taucherrüstung unter Wasser gehen, so braucht er sich nur mit dem Nasenklemmer und Bleisohlen zu versehen; er trägt dann den Regulator auf dem Rücken.

Die Behälter für die comprimirte Luft. Wenn der Arbeiter nicht in directer Communication mit der Luftpumpe bleiben kann, dann ist es, wie schon bemerkt, erforderlich, ihm einen größern oder kleinern Vorrath an stark comprimirter Luft mit auf den Weg zu geben. Die Lösung dieser Aufgabe ist in so fern schwierig, als in der Herstellung möglichst kleiner und bequem zu transportirender Vorrathsbehälter einerseits, und in der Anforderung anderseits, daß die dem Arbeiter mitgegebene Luftmenge ihn und seine Lampe auf einen möglichst langen Zeitraum versorgen soll, zwei sehr schwer zu vereinigende Factoren enthalten sind. Indeß liefert die Firma Rouquayrol-Denayrouze die Luftbehälter in drei verschiedenen Anordnungen, welche den verschiedenen |421| Verhältnissen und Bedürfnissen angepaßt sind und sich in jeder Hinsicht vorzüglich bewährt haben. Es werden entweder 6 kleinere Cylinder zu einer Batterie vereinigt, oder es wird ein einziger größerer Behälter auf einem Wagengestell fahrbar gemacht, oder endlich drei kleinere mit einander verbundene Cylinder als Tornister auf dem Rücken getragen.

Die Figuren 36 und 37 [c/2] zeigen die zuerst genannte Vereinigung von 6 kleinern Cylindern zu einer Luftbatterie (wenn dieser Ausdruck der Kürze halber gestattet ist). Die Cylinder sind aus Gußstahlblech angefertigt, werden in einem eisernen Gestell zusammengehalten und fassen jeder 1/30cbm, zusammen also 20l comprimirte Luft. Nur einer derselben, a, kann mit dem Athmungsapparate in unmittelbare Verbindung gebracht werden, während die fünf andern zur Reserve dienen. Die Cylinder stehen durch starke Gummischläuche und Hähne unter einander in Verbindung. Während der Füllung der Batterie sind sämmtliche Hähne geöffnet, so daß sich der Druck auf alle Cylinder gleichmäßig vertheilt. Ein am Cylinder a befindliches Manometer b zeigt den Druck an, welcher am besten nicht über 25at gesteigert werden sollte.

Da es unthunlich ist, einen so hohen Druck unmittelbar auf den Athmungsregulator wirken zu lassen, so mußte der Vertheilungscylinder a mit einem besondern Regulator r versehen werden, welcher dem oben bereits beschriebenen Beleuchtungsregulator ganz ähnlich, außerdem aber mit einem Manometer c ausgerüstet ist. Der auf die Gummihaube wirkende Druck wird auch hier, wie beim Lampenregulator, durch periodisches Oeffnen eines mit einem kleinen Luftsack ausgestatteten Hahnes (vgl. Fig. 27 [a/2]) h regulirt. Die comprimirte Luft verläßt diesen Regulator mit einer sehr gleichmäßigen und geringen Spannung, welche, wie wir bereits gesehen haben, durch den Athmungs- und den Beleuchtungsregulator weiterhin bis auf die des umgebenden Mittels reducirt wird, bevor sie zum Verbrauch gelangt. Wenn in der ganzen Batterie die Spannung 5 bis 10at beträgt, so zeigt, während der Arbeiter athmet und die Lampe brennt, das Manometer c etwa 1at,5, bei höhern Spannungen in der Batterie dagegen etwa 2at.

Die Luftbatterie kann auf einem Karren, Förderwagen o. dgl. bis an den Ort ihrer Bestimmung geschafft, auch können während der Arbeit durch einen zweiten Arbeiter an Stelle der leergewordenen frisch gefüllte Cylinder eingeschaltet und so die Rettungsarbeiten auf beliebig lange Zeiträume ausgedehnt werden. Für gewöhnlich wird man, um eine nachtheilige Erhitzung der Luftpumpe zu vermeiden, die Compression nicht über 20at treiben.

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Die Leistungsfähigkeit einer Batterie ergibt sich aus folgenden, durch mehrfache Versuche festgestellten Zahlen. Ein Batteriecylinder genügt für einen Mann nebst Lampe:

bei 5at = 6 Minuten
bei 10 = 12 Minuten
bei 15 = 19 Minuten
bei 20 = 26 Minuten
bei 25 = 34 Minuten

Die soeben beschriebene Batterie zeigt einen Nachtheil, der ihre Verwendung unter Umständen unbequem und selbst fraglich machen kann, d. i. ein zu großes Volum. Bei mit leeren und gefüllten Wagen oder andern Hindernissen angefüllten Förderstrecken ist der Transport oft beschwerlich, wenn nicht unmöglich; ebenso groß sind die Schwierigkeiten, wenn die Batterie auf Bremsbergen (schiefen Ebenen) hinauf geschafft werden soll. Denayrouze hat deshalb später und mit Erfolg einfache Luftreservoire von 30l Inhalt und inclusive des Fahrgestelles 65k Gewicht eingeführt, welche für Mann und Lampe 45 bis 60 Minuten ausreichen.

Die neueste Vervollkommnung besteht endlich in der Herstellung eines tragbaren Tornisters, in welchem drei Luftcylinder aus Stahlblech derart vereinigt sind, daß der mittlere als Vertheilungs-, jeder der beiden andern als Vorrathscylinder dient. Ursprünglich war der mittlere Cylinder nur mit einem Vertheilungsregulator versehen, und der Mann hatte, außer dem Lufttornister, noch den gewöhnlichen Athmungs- und Beleuchtungsregulator zu tragen. Um diese doppelte und bei der Bewegung sehr hinderliche Inanspruchnahme des Arbeiters möglichst zu vermeiden, hat Denayrouze schließlich einen ganz neuen, gleichzeitig oben auf dem Tornister angebrachten Athmungsregulator construirt, welcher kleiner ist als der sonst gebräuchliche Athmungsregulator, dessen Größe nicht vermindert werden darf, wenn das Athmen ohne Anstrengung erfolgen soll.

Der tragbare Luftbehälter ist in Figur 38 [a.b/3] abgebildet. Der oben auf dem (mittlern) Vertheilungscylinder angebrachte Athmungsregulator hat nur den Durchmesser dieses Cylinders. Unterhalb des letztern befindet sich der Vertheilungsregulator R, welcher dem Athmungsregulator die Luft unter ermäßigtem Druck durch das Rohr A zuführt. Dieser endigt in ein Lippenventil C, welches in der Luftkammer B sich befindet, flach auf einen kleinen Bock D aufliegt und von oben durch eine kleine Metallwalze e zusammengedrückt, also geschlossen wird. Diese Walze e bildet das eine Ende eines Winkelhebels e f g, an dessen anderm Ende g eine kurze Stütze angreift, welche mit dem Mittelpunkte der Haube g fest verbunden ist. Im Zustande der Ruhe nimmt der um f |423| drehbare Winkelhebel die in der Abbildung angegebene Lage, in welcher er das Ventil C zusammendrückt, dadurch ein, daß die bei der Montage des Apparates etwas nach unten gezogene Gummiplatte das Bestreben hat, sich gerade zu spannen und den Endpunkt g des Winkelhebels nach oben zu ziehen. Bei jedem Athemzuge des Arbeiters findet nun eine Luftverdünnung in der Luftkammer B und dadurch ein Herabziehen der obern Platte der Gummihaube statt; dadurch wird der Winkelhebel bei g herabgedrückt, bei e gehoben und eine entsprechende Menge frischer Luft tritt durch das Lippenventil C ein. — Bei K befindet sich das Ventil zur Füllung des Lufttornisters und bei L eine Verschraubung zur Befestigung eines Gummischlauches für ein kleines Manometer, welches von dem Arbeiter in der Hosentasche getragen wird und ihm über den im Tornister vorhandenen Luftvorrath Auskunft gibt. Dieser neue Apparat wiegt nur 12k, ist aus Stahlblech angefertigt und liefert für Mann und Lampe Luft für 15 bis 20 Minuten. Dauert die Arbeit länger, so kann so oft als nöthig mit dem Tornister gewechselt werden; die zwischen zwei Athemzügen liegende Zeitpause genügt hierzu vollkommen.

Die verschiedenen Apparate von Rouquayrol-Denayrouze haben sich unter den verschiedensten Verhältnissen wohl bewährt und sind namentlich beim Steinkohlenbergbau in Belgien, Frankreich und Deutschland fast unentbehrlich geworden. Namentlich hat die Vereinfachung der Taucherausrüstung es ermöglicht, Arbeiten, Reparaturen etc. unter aufgegangenen Grubenwässern in Schächten und Strecken vorzunehmen, deren Ausführung bisher oft den kostspieligen Einbau und Betrieb von Hilfspumpen u. dgl. nothwendig machte. Ebenso sind bei den meisten europäischen Armeen diese Apparate eingeführt worden.

Bevor ich meinen Bericht mit einer Vergleichung der Verwendbarkeit der verschiedenen Systeme schließe, kann ich nicht umhin, zur warmen Empfehlung der Rettungsapparate für alle bergbaulichen und industriellen Anlagen, bei denen sie zur Zeit der Gefahr von unberechenbarem Werthe für Leben und Gesundheit von Menschen, sowie zur Erhaltung werthvoller Anlagen sein können, einige kurze Mittheilungen über Arbeiten zu machen, die mit Hilfe der beschriebenen Hochdruckapparate ausgeführt worden sind.

Der erste Versuch, in den aufgegangenen Wässern eines Pumpenschachtes zu arbeiten, wurde im September 1867 zu Mariaschein im Teplitzer Kohlenbecken behufs Ausbesserung der Ventilkammer an einer Schachtpumpe gemacht. Die Arbeit erfolgte bei 9m,50 unter dem Wasserspiegel, mußte indeß wegen mangelhafter Beschaffenheit der Flanschenflächen ohne Erfolg bleiben. — Im J. 1868 wurde auf der Grube |424| „Königin-Louise“ zu Zabrze in Oberschlesien mit Hilfe eines Niederdruckapparates eine Abdämmung in der Grube zur Isolirung eines Grubenbrandes inmitten einer durchaus unathembaren Atmosphäre hergestellt. — Im J. 1869 erfolgte auf der Grube „Krug von Nidda“ bei Iserlohn eine Pumpenreparatur bei 14m unter dem Wasserspiegel mit Benützung eines englischen Scaphanders. — Das Jahr 1871 brachte eine ausgedehnte Anwendung dieser Apparate in den Bergbaubezirken Essen und Bochum in Westphalen, die Bildung und specielle Einübung besonderer Arbeiterabtheilungen1 für den Rettungsdienst, und bis zum J. 1873 die erfolgreiche Anwendung der Apparate in nicht weniger als siebenzehn Fällen. — Die königliche Bergwerksverwaltung zu Saarbrücken folgte im J. 1872 dem von dem Gewerken-Vereine der Bezirke Bochum und Essen gegebenen Beispiele.

In Frankreich bediente man sich der Apparate zuerst im J. 1872 bei der Steinkohlen-Bergbaugesellschaft von St. Etienne, um bei 19m unter dem Wasserspiegel im Thibaut-Schachte einen locker gewordenen Plungerkolben wieder fest zu machen, und kurze Zeit darauf wurden in demselben Jahre und bei derselben Gesellschaft ähnliche Arbeiten bei 14m und 3m,50 unter dem Wasserspiegel ausgeführt, sowie endlich bei Méons ein Pumpenkörper bei 8m unter Wasser in einen im Abteufen begriffenen Schacht eingebaut. — Im J. 1873 wurde im Achilles-Schachte zu Treuil bei 8m unter Wasser eine Pumpe aufgestellt und in der Grube zu Brassac eine mit Kohlensäure und schlagenden Wettern erfüllte Förderstrecke auf 60 bis 80m Länge ausgebessert.

In Belgien erfolgte die Ausbesserung einer Schachleitung bei 108m bis 121m,50 unter Tage und bei einer Maximaltiefe unter dem Wasserspiegel von 23m im J. 1873; nach Vollendung dieser Reparatur konnten die aufgegangenen Wässer durch Tonnen wieder ausgefördert werden.

In demselben Jahre erfolgte endlich die Anwendung der Apparate auch in Italien, und zwar unter der Einwirkung der größten zulässigen |425| Wassersäule von 30m bei einer Pumpenreparatur in dem der Bergbaugesellschaft von Monteponi in Sardinien gehörigen Victor-Emanuel-Schachte.

Fast gleichzeitig erfolgte die erste Anwendung in England im Meadow-Schachte der Steinkohlengruben zu Cwm-Avon bei 13m,50 Tiefe unter Wasser.

Diese Mittheilungen dürften zum Nachweis der großen Wichtigkeit und des außerordentlichen Nutzens der Athmungsapparate um so mehr genügen, als die Arbeiten unter Wasser in jedem Falle schwieriger sind als die in irrespirablen Gasen, und es möchte gewiß im eigensten Interesse aller Bergwerkbesitzer liegen, einen geeigneten Athmungsapparat bereit zu halten, wenn in ihren Gruben schlagende oder stickende Wetter auftreten oder ein zeitweise wiederkehrendes Aufgehen des Wassers zu befürchten ist.

Was die Auswahl der geeignetsten Apparate anlangt, so kann dieselbe eigentlich nur da schwierig sein, wo man durch dringende Verhältnisse gezwungen ist, die Geldausgabe auf das geringste Maß zu beschränken; in allen andern Fällen möchte ich den Hochdruckapparaten von Rouquayrol-Denayrouze den Vorzug geben, denn sie lassen sich für alle möglichen Vorkommnisse verwenden. Namentlich dürften die zuletzt beschriebenen Tornisterapparate2 für Hochdruck besondere Empfehlung verdienen. Im Uebrigen mögen noch die nachstehenden Angaben berücksichtigt werden, welche auf Grund eingehender und von Fachmännern angestellter Versuche und Beobachtungen zusammengestellt worden sind.

1) Als die absolut leichtesten, solidesten und gegen äußere Beschädigungen am besten geschützten Apparate müssen die von Rouquayrol-Denayrouze und der von Brasse3 bezeichnet werden. Im Gewichte folgt diesen der Apparat von Galibert, doch setzt der voluminöse Luftsack geräumige Strecken voraus erscheint vor Beschädigung am wenigsten geschützt. Der bis 6k wiegende Nieder- und Hochdruckapparat ist zwar der schwerste, zugleich aber auch der solideste. Bei ihm ist eine Trennung der Bestandtheile ohne Anwendung von Gewalt kaum denkbar, während bei dem Brasse'schen Apparat die leichte Lösbarkeit der Schlauchverbindungen als ein erheblicher Mangel bezeichnet werden muß.

2) Bei Lichtbedarf ist der einfachste Apparat der von Galibert, ohne Lichtbedarf der von Brasse und der von Rouquayrol-Denayrouze (mit directer Luftzuführung ohne Pumpe).

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3) Auf kleinere Entfernungen ist entsprechend:

a) zu Arbeiten von kurzer Dauer, welche incl. des Hin- und Rückweges nicht mehr als ¼ Stunde Zeit, außerdem aber künstliche Beleuchtung beanspruchen, das System Galibert;

b) zu solchen Arbeiten, wo künstliche Beleuchtung nicht erforderlich ist und Weg und Arbeit zusammengenommen nicht mehr als ½ Stunde Zeit beanspruchen, das System Brasse und das von Roquayrol-Denayrouze mit directer Luftzuführung;

c) zu solchen Arbeiten endlich, welche von längerer Dauer sind und Licht erfordern, der Niederdruckapparat von Rouquayrol-Denayrouze.

4) Für größere Entfernungen, langer Arbeitsdauer und bei Lichtbedarf ist ausschließlich nur der Hochdruckapparat von Rouquayrol-Denayrouze anwendbar und leistet ganz vorzügliche, in der Praxis vielfach bewährte Dienste.

5) Das leichteste Athmen gewährt sowohl der Nieder-, als auch der Hochdruckapparat von Rouquayrol-Denayrouze; beim Beginne auch der von Galibert. Dagegen ist das Athmen mit Anstrengung verbunden sowohl bei dem Apparate von Brasse, als auch bei dem von Rouquayrol-Denayrouze mit directer Luftzuführung besonders bei einer Schlauchlänge von mehr als 30 bis 40m. Indeß ist auch in diesem Falle der letztere Apparat wegen seiner größern Schlauchweite (20mm) dem von Brasse vorzuziehen.

6) Bei den sämmtlichen Constructionen von Rouquayrol-Denayrouze und beim Brasse'schen Apparat wird die ausgeathmete Luft in vollkommenster Weise von der eingeathmeten abgesondert, so daß beide nie mit einander vermengt werden. Dagegen hat das System Galibert den großen Nachtheil, daß die Athmungsproducte den Weg zurück in den Luftsack nehmen und hier mit der frischen Luft vermengt sich bald fühlbar machen.4

7) Die Zuführung von Luft kann bei den Rouquayrol-Denayrouze'schen Hoch- und Niederdruckapparaten auf beliebige Zeitdauer ausgedehnt werden. Beim Hochdruckapparat reicht beispielsweise eine einmalige Füllung der 6 Batteriecylinder für 156 Minuten hin, und ist ein Nachfüllen derselben, wenn Wetter- und Streckendimensionen das Pumpen gestatten, leicht durchzuführen.

Bei Anwendung der Tornisterapparate kann die Arbeitsdauer selbst für beengte und für Förderwagen u. dgl. unwegsame Grubenräume ganz |427| beliebig ausgedehnt werden, wenn man dafür sorgt, daß ein zweiter Arbeiter stets rechtzeitig einen frischgefüllten Lufttornister zubringt, welchen der ausführende Arbeiter innerhalb zweier Athemzüge leicht einwechseln kann.

8) Die eigentlichen Athmungsvorrichtungen sind bei allen Systemen von Rouquayrol-Denayrouze so solid hergestellt, daß ein Eindringen von unathembarer Luft in den Mund oder die Nase nicht vorkommen kann. Ebenso ist dies bei dem Brasse'schen Apparat bis auf den zu schwachen Nasenverschluß der Fall. Das System Galibert ist in dieser Hinsicht das mangelhafteste, indem die in den Luftsack ausgeathmeten irrespirablen Gase theilweise wieder mit der frischen Luft eingeathmet werden.

9) Für Beleuchtung ist nur bei den Niederdruck- und Hochdruckapparaten von Rouquayrol-Denayrouze und jenem von Galibert gesorgt. Die Lampe der Erstgenannten ist sehr sorgfältig für die Anwendung in schlagenden Wettern gearbeitet und leuchtet sehr gut, die Galibert'sche Lampe dagegen hat sich in schlagenden Wettern noch nicht bewährt und leuchtet auch schlecht.

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Die Anschaffung einer größern Anzahl von Rettungsapparaten und die Bildung und mit militärischer Genauigkeit erfolgende Einübung der Arbeiterabtheilungen wurde von dem Gewerkverein in Dortmund auf Grund eines ausführlichen, von Hrn. Schulz (Director der Bergschule in Dortmund) erstatteten Berichtes beschlossen. Von der richtigen Ansicht ausgehend, daß jeder Arbeiter die schwierigsten Arbeiten in irrespirablen Gasen auszuführen im Stande ist, wenn er gelernt hat, unter Wasser leicht und sicher zu arbeiten, hat man in Dortmund die Einübung der Leute in einem über Tage gelegenen und überbauten, event. auch mit warmem Wasser zu speisende Bassin angeordnet. Nach Erlangung eines gewissen Grades von Fertigkeit erfolgen die Uebungsarbeiten auch in der Grube selbst. — Sämmtliche Rettungsabtheilungen (aus je 10 Mann bestehend) stehen unter dem Commando eines für diesen Zweck speciell angestellten Beamten.

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Auch von der Firma L. v. Bremen in Kiel zu beziehen.

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Im ersten Theil dieser Abhandlung und auf Taf. VI ist statt Braß zu lesen Brasse.“

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Dieser Uebelstand ließe sich übrigens leicht durch Anwendung eines Ansatzrohres mit Gummiventil (wie bei den Rouquayrol-Denayrouze'schen Apparaten) beseitigen.

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