Titel: Einsturz einer eisernen Brücke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 1 (S. 90–91)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi01_1

Einsturz einer eisernen Brücke.

Die enormen Hochwässer, welche im Verlaufe der letzten Monate ganz Mitteleuropa verwüsteten, haben auch die Zerstörung der eisernen Brücke zur Folge gehabt, welche bei Riesa (Sachsen) über die Elbe führt. Wir entnehmen über dieses interessante Ereigniß, dem glücklicherweise nur äußerst wenige analoge Fälle in der Geschichte unserer Eisenconstructionen an die Seite gestellt werden können, einige nähere Notizen der Wochenschrift des österr. Ingenieur- und Architektenvereins, 1876 S. 104, welche seit Anfang dieses Jahres neben der bekannten Zeitschrift dieses Vereins erscheint.

Aus der erwähnten Mittheilung ist zumeist hervorzuheben, daß der Einsturz dieser Brücke durchaus nicht durch die Eisenconstruction selbst veranlaßt war, sondern lediglich dadurch verursacht wurde, daß die Strompfeiler sich gegenüber dem Andrange des außerordentlich gestiegenen Wassers als zu schwach erwiesen. Dieselben waren nämlich mit theilweiser Benützung der Pfeiler einer früher bestehenden Holzbrücke aufgebaut |91| worden, und zwar die neu angeschuhten Pfeilertheile auf Betonfundamenten, während die alten Pfeiler auf Pfahlrost fundirt waren. Auf diesen reconstruirten Pfeilern liegt die Brücke, bestehend aus zwei von einander unabhängigen Theilen für je ein Schienengleise und einer dritten Bahn für Wagen- und Fußgängerverkehr. Die Hauptöffnung des Stromes ist mit 98m lichter Weite durch Halbparabelträger überspannt, ferner drei kleinere Oeffnungen von je 30m Weite durch Parallelträger.

Am 19. Februar begann nun der linksseitige Pfeiler, auf welchem das eine Ende der drei Hauptträger auflag, in dem angesetzten, stromaufwärts liegenden Theile nachzugeben, in Folge dessen alsbald die hier aufliegende Straßenbrücke in die Elbe stürzte, sowie die mittlere Eisenbahnbrücke sich bedenklich senkte und mit Ketten an die neben (stromabwärts) liegende Eisenbahnbrücke gebunden werden mußte. Gleichzeitig wurden zwei zwischen den Hauptpfeilern stehen gebliebene Pfeiler der alten Holzbrücke mit größter Eile nachgemauert, um den Bahnbrücken zur Unterstützung zu dienen; ehe jedoch diese Arbeit vollendet werden konnte, brach plötzlich der mittlere Strompfeiler, auf welchem das andere Ende der Hauptträger auflag, in drei Stücke aus einander und riß auch die stromabwärts liegende Eisenbahnbrücke in die Elbe, während der Hauptträger der mittlern Eisenbahnbrücke, obwohl ursprünglich am meisten gefährdet, auf die Nachmauerung der Zwischenpfeiler auffiel und hier allerdings in total deformirtem Zustande gehalten wurde.

So ist nun das Hauptbett des Stromes durch die beiden herabgestürzten Brückenträger gänzlich unpassirbar, und als wichtigste Arbeit muß nun zunächst das Ausbaggern einer neuen Stromrinne zwischen der mittlern der drei Seitenöffnungen der Brücke begonnen werden. Ueber die Wiederherstellung der Brücke selbst, die selbstverständlich im höchsten Grade dringend ist, wurde bis jetzt noch nichts bestimmtes bekannt.

R.

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