Titel: Ueber den Lackmusfarbstoff; von Wartha.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 11 (S. 96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi01_11

Ueber den Lackmusfarbstoff; von Wartha.

Behandelt man den käuflichen Lackmus mit gewöhnlichem Weingeist, so erhält man eine trübe, blauviolette Flüssigkeit, aus welcher sich beim Kochen Indigo als feines Pulver absetzt, während ein schön roth, oder bei manchen Sorten grün fluorescirender Farbstoff, der gegen Säure indifferent ist, in Lösung bleibt. Die auf diese Weise behandelten, zurückbleibenden Lackmuswürfel werden nun mit destillirtem Wasser übergossen und mindestens 24 Stunden hingestellt, worauf die tiefgefärbte Lösung abgegossen und auf dem Wasserbade eingedampft wird. Der zurückbleibende Farbextract wird einigemale mit absolutem, etwas Essigsäure enthaltendem Alkohol behandelt und weiter eingedampft, wodurch das Wasser so vollständig entfernt wird, daß der trockene, spröde Rückstand sich pulvern läßt. Das erhaltene braune Pulver wird nun mit absolutem, essigsäurehaltigem Alkohol extrahirt, wobei große Mengen eines scharlachrothen — mit Ammoniak nicht blauen, sondern purpurroth werdenden — ganz dem Orcëin ähnlichen Farbstoffes entfernt werden. Dadurch wird der zurückbleibende Lackmusfarbstoff so empfindlich, daß man damit die im Brunnenwasser enthaltenen kohlensauren alkalischen Erden gerade so genau titriren kann wie mit Cochenilletinctur, was mit der nach der bisher üblichen Weise hergestellten Lackmustinctur nicht ausgeführt werden konnte. Der in absolutem essigsaurem Alkohol unlösliche braunrothe Farbstoff wird nun in Wasser gelöst, filtrirt, im Wasserbade zur Trockne verdampft und schließlich durch mehrmaliges Befeuchten mit reinem, absolutem Alkohol und abermaligem Verdampfen jede Spur von Essigsäure entfernt. Der nun zurückbleibende, spröde, zu einem braunen Pulver leicht zerreibbare Körper ist der im Wasser mit röthlichbrauner Farbe lösliche, höchst empfindliche Lackmusfarbstoff. (Nach den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1876 S. 217.)

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