Titel: Ersatz der Sandstreu-Vorrichtungen für Locomotiven.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 3 (S. 91–92)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi01_3

Ersatz der Sandstreu-Vorrichtungen für Locomotiven.

Ingenieur C. Heinrich von der Grubenbahn der österreichischen Staatseisenbahngesellschaft in Reschitza (Ungarn) hat sich ein Verfahren zur Erhöhung der Adhäsion von Locomotiven patentiren lassen, das als eine wesentliche Verbesserung wohl geeignet ist, in weitesten Kreisen Aufsehen zu erregen. Wie bekannt, schwankt der Betrag des Reibungscoefficienten zwischen den Locomotivtreibrädern und den Schienen in außerordentlich hohem Grade, zwischen 1/5 bis 1/15, je nachdem die Schienen trocken oder durch Nebel, Regen, Schnee feucht und schlüpfrig sind. Nachdem aber durch den Betrag dieses Reibungscoefficienten im selben Maß die disponible Zugkraft der Maschine |92| bestimmt wird, dieselbe somit je nach der Witterung zwischen den Grenzen 1 und 3 schwanken würde, ist man bei feuchtem Wetter genöthigt, zum Befahren von Steigungen mit der normalen angehängten Last andauernd die Sandstreu-Vorrichtung zu gebrauchen. Abgesehen davon, daß hierdurch zwar die Adhäsion der Triebräder vermehrt wird, gleichzeitig aber auch der Widerstand sämmtlicher Laufräder des Eisenbahnzuges zunimmt, so ist an und für sich schon die Anbringung des unschönen, schwer und unsicher zu handhabenden Sandkastens, welcher zu dem noch das Gewicht der Maschine um 400 bis 500k vermehrt, ein Uebelstand, dessen Entfernung mit Freuden begrüßt werden muß. Dies wird durch die vorliegende Erfindung erreicht, und zwar einfach dadurch, daß vor den Treibrädern durch ein 10mm weites Röhrchen heißes Kesselwasser auf die feucht-schmutzigen Schienen gespritzt wird, welches den Schienenkopf reinigt, gleichzeitig trocknet, und dem nachfolgenden Rade seine volle Adhäsion, der Maschine somit die bei günstigster Witterung erzielbare Zugkraft wiedergibt.

In einer Notiz der Wochenschrift des österr. Ingenieur- und Architektenvereines, 1876 S. 98 werden Versuchsresultate angeführt, welche auch vom ökonomischen Standpunkte aus die Vortheile der neuen Erfindung darthun; dieselbe ist nun schon seit einem Jahr an allen Maschinen der schmalspurigen Montanbahn in Reschitza in Gebrauch und hat sich durchgehends bestens bewährt.1

G.

|92|

Beiläufig sei hier in Erinnerung gebracht, daß die Amerikaner Ortiz und Valladare (1871 199 422) den zur Verhütung des Schleifens der Locomotivräder auf feuchten Schienengleisen gestreuten Sand durch einen dem Kessel entnommenen Dampfstrahl wegfegen, welch letzterer durch ein 1mm,6 weites Röhrchen hinter die letzten Treibräder ausgeblasen wird, ehe die Laufräder der an die Locomotive angehängten Wägen auf die bestreuten Schienentheile gelangen.

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