Titel: Eine Anwendung der Photographie als Zeugdruck.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 11 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi02_11
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Eine Anwendung der Photographie als Zeugdruck.

In England benützt man seit längerer Zeit die Einwirkung der Sonne auf eigens dazu präparirten Stoffen und erzielt auf diese Weise verschiedene Druckmuster von wirklich bewunderungswürdigem Effect.

Das saure chromsaure Kali ist außerordentlich empfindlich für das Licht. Wenn man ein mit diesem Salze getränktes Gewebe in einem geschlossenen Zimmer den Sonnenstrahlen aussetzt, welche durch die Spalten der Sommerläden einfallen können, so werden die vom Licht berührten Stellen sich in eigenthümlicher Weise färben. Nach dieser Theorie hat man Muster auf Geweben angebracht, wobei man folgendermaßen verfährt.

Man legt ein Papier oder dünnes Metallblech, worin das Muster ausgeschnitten ist, auf das Gewebe, welches vorher in eine Auflösung des sauren chromsauren Kalis gebracht wurde; beide werden nun in einem Rahmen auf einander gepreßt, worauf man das ausgeschnittene Papier oder Blech der Sonne aussetzt, oder vielmehr dem Einflüsse des zerstreuten Lichtes, welches in diesem Falle besser ist. Nach kurzer Zeit schon färbt sich das Gewebe in sehr merklicher Weise überall dort, wo das Licht durchgedrungen, und man sieht auf demselben die genaue Copie des Musters.

Dieses Muster wird durch eine blaßrothe (bräunliche) Farbe gebildet, welche ganz echt ist. Diese Farbe vermag sich übrigens als Mordant mit Krapp, Blauholz, Gelbholz u. s. w. zu verbinden. Behandelt man nämlich das mit Lichtbild versehene Gewebe in einem Bade dieser Farbstoffe, so ändert das Muster seine Farbe, indem es sich diese Farbpigmente aneignet.

Man kann den entgegengesetzten Effect erzielen, indem man anders verfährt. Man bringe z. B. ein Farrenkrautblatt auf eine Glastafel an und spanne hinter letzterer ein gleich großes (präparirtes) Gewebe aus. Es werden sich nun alle dem Lichte ausgesetzt gewesenen Theile färben, während die durch das Farrenkrautblatt gegen das Licht verwahrten Theile weiß bleiben wie zuvor, man erhält folglich ein weißes Farrenkrautblatt auf einem blaßrothen (bräunlichen) Grunde. R. H. (Centralblatt für die Textil-Industrie, 1876 S. 198.)

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