Titel: Illustration zur Verläßlichkeit der hydraulischen Druckproben bei Dampfkesseln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 3 (S. 187–188)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi02_3

Illustration zur Verläßlichkeit der hydraulischen Druckproben bei Dampfkesseln.

Oberinspector Kraft der österreichischen Dampfkesseluntersuchungs- und Versicherungs-Gesellschaft veröffentlicht in der Zeitschrift dieser Gesellschaft einen interessanten Fall von Kesselböden zweier sogen. „Dreirohrkessel“ (vgl. *1873 213 374).

In einem der größten industriellen Etablissements Böhmens wurden vor Kurzem 5 solche Kessel für 8at Betriebsüberdruck construirt und aufgestellt; sie bestanden die amtliche hydraulische Druckprobe auf 13at anstandslos. Ueber Anordnung der Organe Versicherungsgesellschaft wurden nun in den vordern Kesselböden der Oberkessel, welche als Köpfe aus der Stirnmauer hervortreten sollen und aus Gußeisen waren, die vorgeschriebenen Zeiger bei den Wasserstandsgläsern betreffs des zulässigen tiefsten Wasserstandes angebracht. Diese Manipulation führte jedoch zu der zwar unangenehmen, aber wichtigen Entdeckung, daß die flachen, gußeisernen Böden von 800mm |188| Durchmesser in ihrer Fleischstärke zu schwach sind, indem diese nur ca. 27mm betrug, obwohl die Böden ohne alle Verstärkungsrippen waren. Auf Grundlage dieser Beobachtung wurde nun ein technisches Gutachten abgegeben, mit welchem die Betriebsleitung wegen eines „Constructionsfehlers“ gegen den Kesselverfertiger auftrat.

Daß diese gußeisernen Kesselköpfe zu schwach und für den Betrieb gefährlich sind, ergibt die Rechnuug sofort. Nach Reuleaux müßte die Wandstärke, 2k,5 pro 1qmm Beanspruchung angenommen, 58mm stark gemacht werden.

Kraft bemerkt treffend, daß, wenn die Construction eine richtige (und eine solche muß bei einem Dampfkessel unbedingt verlangt werden), die gußeisernen Kesselböden mindestens den gleichen Grad der Sicherheit bieten müssen, welche die cylindrischen Kesselbleche besitzen. Ist nun

δmm die Blechstärke,

Dm der Durchmesser des Kessels,

n1, die Zahl der Atmosphären, auf welche der Kessel wirklich probirt wurde, η der Sicherheitsgrad der Construction, so ergibt sich für eine Durchschnittsfestigkeit des Bleches von 30k pro 1qmm:

η = 6/D . δ/n1.

In vorliegendem Falle war δ = 11mm, D = 0m,8 und n1 = 13at, sonach η = 6,34.

Nach Kirkaldy's Versuchen beträgt nun die Festigkeit der einfachen Nietnäthe etwa 40 Proc. derjenigen des vollen Bleches, hiermit ist der wirkliche Sicherheitsgrad der cylindrisch genieteten Kesselbleche:

η = 2,54.

Rechnet man nach Reuleaux dieses η für den 27mm starken Boden, so ergibt sich für eine Durchschnittsfestigkeit des Gußeisens von 12k,5 pro 1qmm:

η = 0,65.

Daß diese verhältnißmäßig so schwachen Böden die gesetzliche Probe überhaupt ausgehalten haben, ist lediglich der Güte des Materials zuzuschreiben.

Da nun bei einer richtigen Construction die gußeisernen Kesselköpfe denselben Grad von Sicherheit bieten sollen, wie die cylindrischen Kesselbleche in ihren Vernietungen, so hätte in vorliegendem Falle die Wandstärke wenigstens 50mm betragen müssen. Daß dies bei der Herstellung der Kessel unbegreiflicher Weise nicht geschah, muß nun irgend einem unvorsichtigen Mißgriffe zugeschrieben werden. Selbstverständlich wurde die Inbetriebsetzung der Kessel in so lange untersagt, bis die Böden ausgewechselt waren.

Die vorliegenden Dreirohrkessel, welche der Firma Bolzano, Tedesco und Comp. in Schlan (Böhmen) eigenthümlich sind, waren nicht von dieser, sondern von einer andern Prager Maschinenfabrik ausgeführt worden.

C.

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