Titel: Ueber die Verwendung der Phosphorsäure in den Zuckerfabriken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 8 (S. 190–191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi02_8

Ueber die Verwendung der Phosphorsäure in den Zuckerfabriken.

Scheibler (1874 211 267) zeigte bereits, daß beim Entkalken der Zuckersäfte mittels Phosphorsäure auch organische Nichtzuckerstoffe gefällt werden. Vibrans hebt als vortheilhaft bei der Anwendung von Phosphorsäure namentlich die Abscheidung größerer Mengen organischer Stoffe hervor und in Folge dessen die leichtere Verarbeitung des Saftes, schnelleres Verdampfen, bessere Bodenarbeit nebst reinerer und größerer Ausbeute an Füllmasse. Ferner wird die Knochenkohle geschont, während die Phosphorsäure leicht als Düngemittel wiedergewonnen werden kann.

Nach Angabe von Vibrans wurde der Rübensaft gleich beim Eintritt in die Scheidepfanne auf etwa 80° erwärmt, dann demselben auf 1500l Saft 5l Phosphorsäure von 20° B. zugefügt, die Temperatur auf 88° gesteigert und nun in bekannter Weise die Behandlung mit Kalk und Kohlensäure ausgeführt. Der aus den Scheidepfannen erhaltene Scheideschlamm zeigte im Durchschnitt folgende Zusammensetzung:

Ohne Phosphorsäure Mit Phosphorsäure.
Feuchtigkeit 50,85 47,12
Kohlensäure 10,22 11,85
Schwefelsäure 0,31 0,22
Phosphorsäure 0,27 0,86
Eisenoxyd und Thonerde 1,06 0,33
Kalk 24,75 16,13
Magnesia 0,33 0,47
Unlöslicher Rückstand 0,38 0,10
Organische Substanz 10,25 22,30
Darin Stickstoff 0,33 0,52
Rest und Alkalien 1,58 0,62
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
100,00 100,00.

Während ohne Phosphorsäure die Füllmasse 4,07 Proc. organischen Nichtzucker enthielt, hatte dieselbe bei Anwendung von Phosphorsäure davon nur 1,93 Proc.

Auch Gruber und Hulva bestätigen den günstigen Erfolg der Anwendung von Phosphorsäure, namentlich bei Verarbeitung abnormer Säfte und angefaulter Rüben.

Nach Hulva wird auf 500k Rüben 1l Phosphorsäure von 30 Proc. angewendet, doch ist die passende Menge noch nicht für alle Fälle festgestellt. Schlesische Fabriken, welche geradezu still standen, weil die Säfte weder scheiden noch filtriren wollten und der Sud im Vacuum selbst nach 12stündiger Arbeit kein ordentliches Korn gab, brachten den Betrieb durch Anwendung von Phosphorsäure sofort wieder in Gang. Hulva hebt hervor, daß bei der Phosphorsäure-Kalkscheidung namentlich die stark Melasse bildenden und das Kochen erschwerenden stickstofffreien organischen Stoffe beseitigt werden.

|191|

Sickel hat mit bestem Erfolg die Phosphorsäure in die Diffuseure gebracht. (Zeitschrift des Vereins für Rübenzuckerindustrie des deutschen Reiches, 1875 S. 528, 534. 634 und 639.)

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