Titel: Hydraulische Hebevorrichtungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 2 (S. 283–284)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi03_2

Hydraulische Hebevorrichtungen.

Der Moniteur universel belge, Februar 1876 S. 89, bringt verschiedene Abbildungen eines in Amerika von Lane und Bodley in Cincinnati eingeführten Aufzuges, welcher einige interessante Punkte darbietet. Der Betrieb des Aufzuges geschieht mittels des Druckwassers der städtischen Wasserleitung, wie dies nun fast in allen größern Städten zur Verfügung steht. Der Arbeitscylinder wird im Keller des Gebäudes, welches mit dem Aufzug versehen werden soll, in horizontaler Lage angebracht, die Kolbenstange trägt eine Traverse, welche mittels Rollen auf zwei Führungen läuft und auf einer Welle drei oder mehr Seilscheiben frei beweglich trägt. Am Ende der Traversenführung ist in festen Lagern eine zweite fixe Welle gelagert, auf welcher die gleiche Anzahl von Seilscheiben frei drehbar angebracht ist. Ueber diese Seilscheiben ist nun ein Seil gewunden, das am einen Ende in dem Gestelle der Maschine befestigt ist, dann abwechselnd über eine Trommel der mit der Traverse verbundenen und der feststehenden Welle gelegt wird und zuletzt von der letztern Trommel der feststehenden Welle zur Spitze des Aufzuges, hier über eine Rolle und endlich zu der auf- und niedersteigenden Platform geht. Beim Einlassen von Druckwasser in den Arbeitscylinder geht die mit der Kolbenstange verbundene Traverse mit der einen Hälfte der Seilscheiben vor oder zurück und bewegt somit die Platform um das Sovielfache des Kolbenhubes, als es Seilscheiben gibt, wie dies eben der Construction dieses Flaschenzuges entspricht. Die Zuleitung oder Absperrung des Druckwassers für den Arbeitscylinder geschieht durch ein entlastetes Kolbenventil, das durch Zahnrad, Kettenrolle und eine längs der Platformführung durch alle Stockwerke laufenden Kette von jeder Stellung der Platform aus regulirt werden kann.

Insoweit bietet dieser Aufzug, außer der etwas veränderten Disposition des Flaschenzuges, nichts wesentlich neues dar; dagegen ist hier ein einfaches Mittel angewendet, um den Aufzug für verschiedene Leistungen zu adaptiren. Selbstverständlich ist, je größer die Zahl der Rollen, desto geringer der Weg des Kolbens für eine gleiche Förderhöhe, nm so größer aber auch die vom Kolben zu leistende Arbeit. Nachdem dieselbe jedoch durch die Spannung des Druckwassers ein für allemal begrenzt ist, so haben Lane und Bodley eine Vorrichtung angebracht, um eine wechselnde Zahl von Seilscheiben in die Traverse einzuschalten. Wenn beispielsweise fünf Scheiben auf der fixen Welle angewendet werden, so ordnen sie in der Traverse nur drei Seilscheiben an, zwei weitere Scheiben aber sind in einem eigenen Rahmen gelagert, werden jedoch gleichwohl von dem Seile umschlungen. Wird dieser zweite Rahmen durch dazu bestimmten Klauen mit der vom Kolben bewegten Traverse verbunden, so ist die Uebersetzung des Aufzuges zehnfach, und die Last darf somit (abgesehen |284| von den Reibungswiderständen) nur ein Zehntel der Kolbenkraft betragen; dagegen beträgt auch der Kolbenweg nur ein Zehntel des Lastweges, und es wird dem entsprechend weniger Druckwasser verbraucht.

Wird hingegen die Last größer, so wird die Verbindung des die zwei beweglichen Scheiben tragenden Rahmens mit der Traverse gelöst, erstere bleiben beim Ausgange des Kolbens bei der fixen Welle zurück, die Zahl der ausgehenden Scheiben beträgt nur drei und somit auch der Druck auf den Kolben nur das Sechsfache der gehobenen Last. Der Weg des Kolbens dagegen ist nun ein Sechstel des Lastweges und erfordert somit eine größere Menge zuströmenden Druckwassers.

Fr.

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