Titel: Explosion von Howard's Sicherheitsdampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 4 (S. 284–285)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi03_4

Explosion von Howard's Sicherheitsdampfkessel.

Wir entnehmen dem Engineering, Januar 1876 S. 6 einen Bericht Fletcher's, des bekannten Chefingenieur der Steam Users'Association in Manchester, über eine Dampfkesselexplosion in Blakburn. Dieselbe fand am 24. November v. I. im Jackson'schen Etablissement statt, wo vier Howard-Kessel (* 1874 214 11) aufgestellt sind. Der vierte Kessel, von links nach rechts gezählt, explodirte. Bei diesem zerriß von den sieben untersten, neben einander, direct über dem Feuer gelegenen Röhren das rechte neben den mittelsten. Durch diesen Riß strömte sowohl Wasser als Dampf, nicht nur vom Kessel Nr. 4, sondern auch von den gleichzeitig in Betrieb befindlichen Kesseln Nr. 1 und 3, während der Kessel Nr. 2 sich in Reparatur befand.

Das ausströmende, mit Dampf gemischte Wasser durchbrach das Mauerwerk, riß das Speiserohr und Ventil weg, drang nach rückwärts und verbrühte dort zwei Mann tödlich.

Drei Wochen vor der Explosion wurde der übrigens ganz neue Kessel durch hydraulischen Druck auf 26at probirt. Zerreißversuche, welche Fletcher mit einem Theile des zerrissenen Rohres vornahm, ergaben eine durchschnittliche Zugfestigkeit in der Walzrichtung von 29k,2 und senkrecht zu derselben von 24k,9 pro 1qmm. Vergleicht man die Festigkeit des Materials senkrecht zur Walzrichtung mit der größten Beanspruchung des Materials von 2k,3 pro 1qmm bei einer Spannung von 10at, der Maximalspannung im Betriebe, so erhellt daraus, daß durch Schwächung des Materials in der Structur der Bruch der Röhre nicht erfolgt sein kann.

Fletcher betrachtet nun als nachgewiesen, daß die Ursachen, welche gewöhnlich eine Dampfkesselexplosion herbeiführen, nämlich: Ueberhitzung durch Wassermangel, Schwächung der Bleche durch Corrosion, anormale hohe Dampfspannung, Untauglichkeit des Materials, im vorliegenden Falle nicht stattgefunden haben, und sucht die Gründe der Explosion in folgenden den Howard-Kesseln eigenthümlichen Verhältnissen.

Bei diesen Kesseln sind die Röhren ganz mit siedendem Wasser gefüllt, und muß sich der entwickelnde Dampf längs der Röhren, die gegenüber andern Kesselsystemen einen kleinen Durchmesser haben, seinen Weg erkämpfen, — ein Vorgang, welcher das Mitreißen einer beträchtlichen Wassermenge bedingt und um so heftiger ist, je mehr die Feuerung forcirt wird, je geringer die Dampfspannung, wegen der Vergrößerung des Dampfvolums, und je dichter das Wasser durch Beimengung von Salzen |285| und andern Körpern bei der Speisung gemacht wird. Ein Blick auf die Construction des Kessels zeigt, wie schwer das Entweichen aus den untersten, im Verhältniß zu ihren langen, sehr engen und überdies nahezu horizontalen Röhren ist, wozu noch kommt, daß der Dampf nur an einem Ende der Röhre entweichen kann und das Speisewasser denselben Weg nehmen muß. Durch alles dies sei die Wirkung Unregelmäßigkeiten überliefert, für welche schon die großen Schwankungen des Wassers im Wasserstandsglas Beweis sind. — Es sei zwar richtig, daß die Speisung vorn an dem Kessel geschieht, daß das Speisewasser direct in die untersten Röhren eingeführt wird und den ganzen Kessel passiren muß. Dies schwäche aber die oben erwähnte Ansicht nicht ab, indem es erstens nicht bestimmt ist, ob das Speisewasser durch alle sieben Röhren geht, ferner wird nicht immer gespeist, und es kann da der Fall eintreten, daß der Dampf das Wasser aus den Röhren reißt. — Es sei sonach denkbar, daß die untersten Röhren nur halb oder noch weniger mit Wasser gefüllt und dann einer derartigen Ueberhitzung ausgesetzt sind, daß sie dem Drucke nicht widerstehen können. — Daß die untersten Röhren der Howard-Kessel Risse bekommen, sei bei mehreren andern Kesseln dieser Construction coustatirt worden — so bei dem Kessel Nr. 2 der erwähnten vier Kessel, ferner in Northwich, wo Fletcher sich auch durch Einführung schmelzbarer Propfen überzeugt haben will, daß die untersten Röhren überhitzt gewesen.

In Folge dieser Beobachtungen warnt Fletcher die Dampfbenützer vor der Gefahr, welche der Howard-Patent-Sicherheitskessel biete.

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