Titel: Pumpenanlage zur Entsumpfung des Küstengebietes von Ferrara.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 4 (S. 379–380)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi04_4

Pumpenanlage zur Entsumpfung des Küstengebietes von Ferrara.

Ein Gebiet von mehr als 50 000ha an der Küste von Ferrara in Italien, das durch Jahrtausende hindurch versumpft und der Cultur unzugänglich war, wird jetzt |380| durch eine Pumpenanlage drainirt, welche als die größte ihrer Gattung bezeichnet werden muß, und einen imposanten Beweis der Macht liefert, welche sich der Mensch mit Hilfe des Dampfes über die Natur errungen hat. Acht kolossale Centrifugalpumpen von 1524mm Scheibendurchmesser und 1372mm Durchmesser liefern bei einer mittlern Saughöhe von 2m,210 in der Minute 2000cbm Wasser, resp. 2 880 000cbm pro 24 Stunden — eine Ziffer, deren Größe man erst dann vollkommen würdigen kann, wenn man sich vorstellt, daß beispielsweise die Themse in trockenen Jahren kaum die Hälfte dieses Wasservolums pro Tag dem Meere abgibt, während der tägliche gesammte Wasserverbrauch von London nur den sechsten Theil der obigen Zahl erreicht.

Der Antrieb geschieht für je zwei Centrifugalpumpen gemeinschaftlich durch eine Woolf'sche Dampfmaschine, mit einem Dampfsammler zwischen Hochdruck- und Niederdruckcylinder, da die Kurbeln derselben um 130° verdreht sind. Der Hub beträgt bei beiden Cylindern 686mm, der Durchmesser der Dampfcylinder 705 bezieh. 1184mm; der Hochdruckcylinder hat Expansionssteuerung. Beide Cylinder sind horizontal neben einander angeordnet, sammt dem Dampfhemd in einem Stücke gegossen und mittels einer Duplex-Cylinderbohrmaschine gemeinschaftlich ausgebohrt.

Von dem Niederdruckcylinder geht der Dampf zu einen Röhrencondensator von 70qm Abkühlungsoberfläche, die durch 80mm weite Rohre gebildet wird, durch welche das ganze angesaugte Wasser strömt. Zu erwähnen ist hier noch die Abdichtung dieser Rohre, welche einfach in die im Guß ausgesparten Löcher der beiden Rohrwände gesteckt werden und an den beiderseits vorstehenden Enden Kautschukringe eingeklemmt erhalten, die vollständig dichten Abschluß gewähren. Die zugehörige Luftpumpe ist einfachwirkend, von 482mm Durchmesser und 305mm Hub, und erhält ihren Antrieb von einem Excenter, das zwischen beiden Treibkurbeln auf der Welle befestigt ist.

Die Dampfkessel sind in den Seitenflügeln des Pumpengebäudes in zwei Gruppen von je fünf Stück aufgestellt, enthalten je zwei Feuerrohre mit Galloway'schen Stutzen und geben eine Gesammtheizfläche von 680qm bei 28qm Rostfläche. Auf jeder Seite ist ein Rauchfang errichtet, und vor dessen Einmündung ein Green'scher Economiser von 192 Röhren (100mm weit) mit 190qm Heizfläche aufgestellt, welchen die Heizgase auf dem Wege zum Schornstein zu passiren haben.

Die ganze Anlage ist von John und Henry Gwynne in Hammersmith, London ausgeführt und hat sich nach Engineering, 1876 Bd. 21 S. 9 12 Tage lang ununterbrochen andauernder Uebernahmsprobe glänzend bewährt.

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