Titel: Zunahme der Zugfestigkeit des Papieres durch Behandlung desselben mit Schwefelsäure; von A. Lüdicke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 6 (S. 380–381)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi04_6

Zunahme der Zugfestigkeit des Papieres durch Behandlung desselben mit Schwefelsäure; von A. Lüdicke.

Die Herstellung des sogen. Pergamentpapieres geschieht bekanntlich in der Weise, daß endloses, aus Leinen- oder Baumwollfasern erzeugtes Papier durch eine Mischung von Schwefelsäure und Wasser gezogen und hierauf zur Entfernung der Säure einem |381| Waschproceß unterworfen wird. In der Papier- und chemischen Fabrik zu Helfenberg bei Dresden, aus welcher das Untersuchungsmaterial stammt, verwendet man reines Baumwollpapier, 9 bis 9½ Th. englische Schwefelsäure von 58 bis 60° B. auf 1 Th. Wasser; auf 100k Rohpapier sind 500k Säuremischung zu rechnen. Die Temperatur übersteigt nicht 10°, und die Dauer der Einwirkung beträgt etwa 3 Secunden.

Die Schwefelsäure bewirkt die oberflächliche Umwandlung eines Theiles der Cellulose in eine der Stärke ähnliche Substanz, nach Girard (1876 219 549) in Hydrocellulose, welche einen Kitt bildet und eine feste Vereinigung der Fasern bewirkt. Hierbei tritt eine Flächenschwindung von 5 bis 10 Proc. und ein Gewichtsverlust nie unter 10 Proc. auf.

Der Verfasser und Menzel (Civilingenieur, 1876 S. 155) ermittelten nachstehende Daten.

Bezeichnung. Dicke. Specifisches Gewicht. Abs. Festigkeit pro 1 qmm. k Feuchtigkeisgehalt. Proc. Aschengehalt. Proc.
Rohpapier 0,234 0,617 1,415 6,785 0,633
Pergamentpapier 0,152 0,964 6,436 8,778 0,496
Rohpapier 0,178 0,543 1,483 7,071 0,645
Pergamentpapier 0,113 0,937 5,111 8,483 0,458
Rohpapier 0,134 0,624 1,503 6,978 0,678
Pergamentpapier 0,088 0,927 5,777 9,160 0,559

Durch die Behandlung mit Schwefelsäure verringert sich hiernach die Dicke des Papieres um 34 bis 37 Proc., dagegen nimmt das specifische Gewicht um 32 bis 42 Proc. zu. Die Festigkeitszunahme beträgt bezieh. das 4,55, 3,44, 3,84fache. Versuche mit Pergamentpapier, welches eine kurze Zeit im Wasser aufgeweicht worden war, ergaben, wie erwartet, eine Herabminderung der Festigkeit, deren kleinster Werth 0,6 desjenigen für luftrockenen Zustand betrug. Das Pergamentpapier besitzt (s. Tabelle) ein größeres Vermögen, Wasser anzusaugen als das Rohpapier; die Baumwollfaser wird also durch das angewendete Verfahren hygroskopischer. Der Verlust an Aschengehalt rührt jedenfalls von der Schwefelsäure her, welche Aschenbestandtheile zersetzt hat, die durch das Waschen später entfernt worden sind.

Die Festigkeit des Pergamentpapieres ist je nach der Temperatur bei dessen Herstellung verschieden; eine Regelung des Wärmegrades ist aber wegen der durch die Schwefelsäure herbeigeführten Erhitzung sehr schwierig, und wurden nach dieser Richtung keine Versuche angestellt.

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