Titel: Ueber gefrorenes Dynamit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 10 (S. 478–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi05_10

Ueber gefrorenes Dynamit.

PH. Heß hat zahlreiche Versuche über die Explosionsfähigkeit des gefrorenen Dynamits angestellt, deren Resultate er dahin zusammenfaßt, daß durch eine Reihe von übereinstimmenden Factoren — relative Gefahrlosigkeit der Hantirung mit ganz gefrorenem Nitroglycerin, größere Unempfindlichkeit hart gefrorener Dynamitmassen gegen Beschießung mit dem Kleingewehr, gegen den Stoß eines Rammklotzes, sowie gegen die mechanisch-calorischen Impulse der Initialexplosion — hervorzugehen scheint, daß das Sprengöl überhaupt, also wahrscheinlich auch jede der drei Nitrirungsstufen des Glycerins (1875 215 92) im gefrorenen Zustande gegen mechanische und Wärme Impulse sich indifferenter verhalte als das flüssige Product. Ob dies unter allen Umständen der Fall sei, ob insbesondere gut ausgebildete Nitroglycerinkrystalle nach allen Spaltungsrichtungen hin gleich gut zerstörenden Impulsen zu widerstehen vermögen, wäre erst nachzuweisen und bleibt noch dahingestellt.

Der Gefrierpunkt verschiedener Sprengölsorten des Handels ist verschieden, das Gefrieren erfolgt in der Regel fractionirt und nur unter dem Einflusse länger andauernder Kälte; ebenso erfolgt das Aufthauen nur sehr langsam und allmälig. Man ist in der Praxis nur selten in der Lage, zu constatiren, ob ein Nitroglycerinpulver wirklich total gefroren sei oder nicht, wenn man es nicht selbst exponirt und durch längere Zeit beobachtet hat. Die bereits gefrorenen Sprengölpartien scheinen die Adhäsionsverhältnisse des noch flüssigen Theiles gegenüber dem Aufsaugungsmittel zu ändern, so daß das Saugemittel beinahe glasirt erscheint und die flüssigen Theile nur schlecht an der nun verminderten Oberfläche festzuhalten vermag. Diese Theile sind nicht mehr unter den geschützten Verhältnissen wie früher; sie sind lose zwischen unelastischen, gefrorenen, harten Partikelchen eingebettet und mechanischen Impulsen offenbar mehr ausgesetzt, als wenn sich das ganze Präparat im weichen Zustande befände.

Je schlechter saugend ein Zumischpulver sich vom Hause aus erwiesen hat, je weniger von demselben genommen wurde, je mehr dessen Adhäsion für Sprengöl durch Gegenwart von Feuchtigkeit herabgesetzt wird, desto leichter scheidet sich beim theilweisen Gefrieren Sprengöl aus, desto größer kann die Gefahr beim Manipuliren werden. Sie kann für einen Ueberschuß an Aufsaugestoff, für gut saugendes Material, für möglichst trockenes Sprengöl und gut gedörrtes Zumischpulver sich bedeutend vermindern, wird aber bei dem schlechten Wärmeleitungsvermögen der einzelnen Gemengtheile während eines großen Theiles der kalten Jahreszeit ohne Zweifel vorhanden sein.

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Gegenüber Stimmen, welche die Ungefährlichkeit gefrorenen Dynamits dahin deuten wollen, man könne gefrorene Nitroglycerinpulver mit viel beschränktern Vorsichten behandeln, als solche im weichen Zustande, werden die geschilderten Verhältnisse deutlich genug sprechen; es wird kaum nöthig sein, weiters zu betonen, wie wichtig und unentbehrlich die Heizeinrichtungen in den Laboratorien der Nitroglycerinpulver sind, und wie sie von allen Fabrikanten dieser Präparate dafür gehalten werden. (Nach den Mittheilungen aus dem Laboratorium des Militärcomité in Wien, 1876).

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