Titel: Cellulose.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 11 (S. 479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi05_11

Cellulose.

Zur Darstellung von Cellulose für die Papierfabrikation auf chemischem Wege hat sich Dr. Mitscherlich in Darmstadt ein Verfahren Patentiren lassen, dessen Eigenthümlichkeit nach dem „Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen“ darin besteht, daß die incustirende Substanz des Holzes nicht zerstört, sondern nur von der Cellulose getrennt und löslich gemacht wird, so daß sie in ihrer ursprünglichen Gewebebildung zurückbleibt. Es ist daher hierbei nicht, wie bei dem Sinclair'schen Verfahren, nothwendig, eine ganz feine Zersplitterung des Holzes vorzunehmen, und es genügt schon, dasselbe so, wie es zum Stubenofenbrand benützt wird, zu zerkleinern. Zu dem Proceß selbst wird eine Kalklösung verwendet, welche man mit dem Holze etwa 6 Stunden lang bei einem Drucke von 3at kocht. Nach der Kochung befinden sich die incrustirenden Stoffe theils gelöst in der Flüssigkeit, theils in den Poren des Holzes und werden aus letzterm durch geeignete Quetschapparate entfernt. Kommt es nun hierbei besonders darauf an, einen sehr werthvollen, möglichst weißen Papierstoff zu erhalten, welcher eine Bleichung nicht mehr erfordert, so braucht man nur weißliche, möglichst harzfreie Hölzer, wie Pappeln, Weiden, Linden etc. zu verwenden; durch den erwähnten Proceß werden diese Holzarten nicht weiter entfärbt und kommen hierbei die Eiweiß- und Gummistoffe zum größten Theil in Lösung. Das Gelingen dieses Processes ist viel weniger von dem Druck beim Kochen abhängig als von der Temperatur bei demselben, welche nicht über 120° steigen darf. Die Verwendung von Eichenholz zur Papierstofffabrikation bietet hierbei den Vortheil, daß man die darin enthaltene Gerbsäure als ein Nebenproduct gewinnt, welches in der erhaltenen Lösung mit Vortheil zum Gerben verwendbar erscheint.

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