Titel: Glasätzen; von E. Siegwart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 13 (S. 479–480)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi05_13

Glasätzen; von E. Siegwart.

Seitdem die Flußsäure und die Fluorpräparate zu billigen Preisen geliefert werden können, scheint die Decoration von Glas mittels dieser Präparate immer mehr Boden zu fassen. Geätzte Gläser findet man schon recht häufig, und die Glasätzerei scheint den Glasgraveuren stark Concurrenz machen zu wollen. Es ist dies leicht zu begreifen, denn gut geätzte Glasgegenstände sehen wirklich hübscher aus als die gravirten. Die Herstellungskosten sind billiger, und seitdem uns >M. Hock (*1875 215 129) eine so ausführliche Arbeit über das Mechanische der Glasätzerei geliefert hat, sind auch die Schwierigkeiten reducirt. die sich bisher der fabrikmäßigen Ausbeutung der Aetzverfahren entgegenstellten. Wie bekannt, ätzt man mit der wässerigen Flußsäure blank und mit den Fluorpräparaten gewöhnlich matt (vgl. 1871 199 |480| 222). Die schönsten Decorationen erhält man, wenn man einzelne Partien mittels Fluorammonium, welches schwach mit Essigsäure angesäuert ist, mattirt. Das Matt fällt zwar nicht bei jeder Glassorte gleich schön aus, es richtet sich vielmehr nach der Zusammensetzung des Glases; namentlich werden Bleigläser leicht und schön matt geätzt. Will man Glasflächen nicht ganz matt, sondern nur eisartig glänzend, wie es für Fenster mitunter verlangt wird, herstellen, so kann man dies auf einfache Art erzielen, indem man die Glasscheibe vollständig horizontal legt und mit einer Lage sehr feiner Schrotkörner bedeckt; sodann wird stark verdünnte Flußsäure aufgegossen. Die Schrotkörner wirken als Deckgrund und bringen so auf dem Glase erhabene Punkte hervor. Den geätzten Photographien ähnliche Resultate erzielt man, wenn man irgend ein negatives Bild auf einer mittels doppeltchromsaurem Kali empfindlich gemachten Gummischicht exponirt und nachher das Bild mittels Mennige einstaubt. Das so erhaltene rothe Negativ wird auf bekannte Art fixirt und eingebrannt, hernach das entstandene leichter lösliche Bleiglas mit starker Salpetersäure behandelt, wodurch eine weiß mattirte Zeichnung entsteht, und das Bild erscheint in der Durchsicht positiv. (Industrieblätter, 1876 S. 142.)

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