Titel: Fabrikation von Orseille-Extract und Orseilleteig; von Seroz und Chognard.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 14 (S. 480)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi05_14

Fabrikation von Orseille-Extract und Orseilleteig; von Seroz und Chognard.

Nach dem in Frankreich patentirten und im Moniteur de la teinture, 1876 S. 47 veröffentlichten Verfahren von Seroz und Chognard werden die Flechten eine Biertelstunde lang in Wasser, dem eine kleine Menge Kalkhydrat zugegeben ist, macerirt und dann in geschlossenem Gefäß auf 100 bis 120° durch Einleiten von Dampf mit mehreren Atmosphären Druck erhitzt. Die Zeitdauer des Erhitzens, sowie die Höhe der Temperatur richtet sich nach der Sorte der Flechten, welche man verarbeitet. Der Zweck des Erhitzens ist, die Flechtensäuren rasch und vollständig in Orcin überzuführen. Durch Filtriren, Ausschleudern oder Auspressen wird sodann die klare Flüssigkeit von der ungelösten Holzmasse getrennt, um durch Eindampfen concentrirt zu werden. Hierauf wird die concentrirte Lösung mit Ammoniak versetzt, in ein möglichst gut verschlossenes Gefäß von Eisen oder Holz gegeben und Sauerstoff eingeleitet. Die Bildung des Orceïns geht hierbei viel schneller vor sich als nach dem gewöhnlichen Verfahren, welches dieselbe der Einwirkunq der atmosphärischen Luft überläßt. Der Sauerstoff, nach dem Verfahren von Tessié du Motay dargestellt, tritt am Boden des Gefäßes durch ein durchlöchertes Rohr ein. der nicht absorbierte Theil wird durch ein zweites am Deckel angebrachtes Gasleitungsrohr aufgefangen und für eine spätere Operation gesammelt. Durch dasselbe Rohr tritt auch das sich verdunstende Ammoniak aus, das in Wasser geleitet wird, um ebenfalls wieder verwendet zu werden. Ist die Oxydation vollendet und die Flüssigkeit enthält noch einen zu großen Ueberschuß an Ammoniak, so wird derselbe durch Stehenlassen an der Luft oder gelindes Erwärmen entfernt.

Um Orceilleteig zu erhalten, wird zu der oben genannten concentrirten und mit Ammoniak versetzten Lösung noch ein Quantum ausgezogener Flechten gegeben, bis die Mischung die Consistenz einer dicken Paste annimmt, und dann ebenfalls Sauerstoff eingeleitet. Das geschlossene Gefäß, in welchem die Masse sich befindet, ist hierbei mit einem mechanischen Rührer versehen, welcher die Bestimmung hat. alle Theile des Teiges mit dem Sauerstoff in Berührung zu bringen. Ist die Oxydation genügend durchgeführt, so läßt man die Masse wiederum einige Tage offen an der Luft stehen und von Zeit zu Zeit von dem Rührer durch einander arbeiten.

Kl.

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