Titel: Ueber das specifische Drehungsvermögen des Traubenzuckers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 220/Miszelle 10 (S. 564–565)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj220/mi220mi06_10

Ueber das specifische Drehungsvermögen des Traubenzuckers.

B. Tollens hat reinen, über Schwefelsäure getrockneten Traubenzucker (C6H12O6. H2O) und bei 100° entwässerten Traubenzucker (C6H12O6. oder C12H12O12) mittels eines von Scheibler bezogenen Soleil-Ventzke'schen Polariskops und zweier Wild'schen Polaristrobometer bei Natriumlicht optisch untersucht. Als Mittel der Beobachtungen ergab sich für

C6H12O6 + H2O αj = 48,21° und für
C 6 H 12 O 6 αj = 53,17°.

Berechnet man aus der Zahl für wasserhaltigen Zucker nach der Proportion C6H12O6:C6H12O6 + H2O = 48,21 : x die Drehung für das Anhydrid, so erhält man 53,03°. Das Mittel von dieser Zahl und 53,17° d. i. 53,10° hält Verfasser für den richtigsten Ausdruck für die specifische Drehung des wasserfreien Traubenzuckers für das gelbe Licht (in Lösungen von etwa 3g in 100cc aufwärts).

Für wasserfreien Traubenzucker sind bisher sehr verschiedene Zahlen angegeben, z. B. von

Dubrunfaut 53,20°
Béchamp 57,44
Pasteur 55,15
O. Schmidt 57,0
Berthelot 56
Hoppe-Seyler 53,5
O. Hesse (in concentrirtern Lösungen) 51,17–51,80
Clerget und Listing 52,47
Bondonneau 52.

Einem specifischen Drehungsvermögen von 53,10° entspricht die Constante 1833,3, mittels welcher man nach der Formel C = 1883,3 α/L den Gehalt eines Liters Lösung an Gramm Traubenzucker enthält.

Für über Schwefelsäure getrockneten reinen Rohrzucker ergab sich αj = 66,53°, für den bei 100° getrockneten = 66,03°; ersteres stimmt mit den von den meisten neuern Beobachtern angegebenen Zahlen und dem von Tuchschmidt berechneten Mittel 66,4; letztere ist kleiner, stimmt wohl mit der Weiß'schen Zahl 66,1° dagegen um so weniger mit der neuesten von De Luynes und Girard gegebenen Zahl 67,31°.

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Die Zahl, mit welcher die Grade des Scheibler'schen Apparates multiplicirt werden müssen, um absolute Ablenkungen der Polarisationsebene zu geben, ist bei vollkommen übereinstimmenden Apparaten 0,346017; denn eine Lösung, welche 26g,048 Rohrzucker in 100cc enthält, dreht nach Wild's Tabelle 34 Grad 36,1 Minuten und bewirkt am Scheibler'schen Apparate eine Verschiebung von 100 Scalentheilen, so daß 100 × 0,346017 = 34 Grad 36,1 Minuten. Beim Vergleich der vom Verfasser mit beiden Apparaten erhaltenen Zahlen hat er eine nicht ganz constante Verhältnißzahl gefunden, und zwar etwas kleinere Beträge, meist 0,345, so daß er diese Zahl als die seinen Apparaten entsprechende zur Berechnung von α j benützt hat nach der Formel

Textabbildung Bd. 220, S. 565

während die Beobachtungen an den Polaristrobometern nach der Formel

Textabbildung Bd. 220, S. 565

oder

Textabbildung Bd. 220, S. 565

berechnet wurden. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1876 S. 487.)

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