Titel: [Blei, von Insecten durchlöchert.]
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221 (S. 86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/ar221027

Blei, von Insecten durchlöchert.

Ferd. Fischer (in seiner Abhandlung über das Verhalten von Wasserleitungsröhren, 1876 219 454 ff.) bemerkt in einer Note (Nr. 25 S. 523), daß man das Durchlöchern von Blei durch Insecten beobachtet haben will. Ich habe diese Beobachtung zu meinem großen Verdrusse an Bleikammern1) mehrfach gemacht. Der Missethäter ist Sirex spectrum – ein Insect mit ungemein kräftigen Freßwerkzeugen und stachelartiger Verlängerung des Hinterkörpers. In den Pallisaden vor Sebastopol hat man Bleikugeln durchbohrt gefunden; die Bleibleche, an denen ich die Erfahrungen gemacht habe, waren gegen 3 und 5mm stark. Nach den Aufklärungen eines Forstmannes bohrt sich das Insect besonders in die frischen Nadelhölzer ein und geht mit der Bohrung in gerader Richtung weiter, sobald das zu einer Bleikammer verwendete Holz durch den Kammerproceß anfängt warm zu werden. Trifft es nun dabei aus das Blei selbst, so wird auch dieses angebohrt, wobei das Thier die feinsten Bohrspäne losschabt und ein vollkommen rundes Loch mit conischer Verjüngung nach vorn herstellt. Ist die Bleiplatte durchbohrt, so wird auch das Thier durch die hervordringenden Dämpfe und die Säure getödtet, und damit ist die Calamität überwunden, denn in alte und trockene Hölzer gehen die Thiere, wie es scheint, nicht. Ich wenigstens habe die Beobachtung immer nur bei neuen Bleikammern gemacht. Um dergleichen unangenehme Erfahrungen zu vermeiden, sollte man daher zu Bleikammerbauten thunlichst solche Hölzer verwenden, welche, geschlagen, bereits ein Frühjahr hinter sich haben, so daß den Thieren Zeit gelassen ist, das Holz zu verlassen.

Hannover, Ende Juni 1876.

Friedrich Bode.

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Fischer's Note verweist ausdrücklich auf frühere Mittheilungen im Journal (1862 166 157) 314), in welchen Scheurer-Kestner bezieh. M. Dürre ihre Beobachtungen, ebenfalls an Bleikammern, die noch nicht im Gang waren, veröffentlichten.

Die Red.

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