Titel: Moeller, über das Veilchenholz.
Autor: Moeller, Josef
Fundstelle: 1876, Band 221 (S. 153–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/ar221054

Ueber das Veilchenholz; von Dr. Josef Moeller in Wien.

Unter diesem Namen kommt über Hamburg und als Myall-wood über London angeblich aus Australien, Ost- und Westindien ein Holz in den Handel, welches nur eine untergeordnete Bedeutung für die Industrie hatte, bis die Firma Hartmann und Eidam in Wien vor Kurzem den Versuch machte die sogen. Bruyère-Pfeifchen1) aus diesem Materiale zu erzeugen. Der Versuch gelang so vollkommen, daß heute schon beträchtliche Mengen des neuen Fabrikates ausgeführt werden, und die Nachfrage ist so lebhaft, daß es bereits an Rohmaterial fehlt, weil die Einfuhr desselben dem plötzlich gesteigerten Consum nicht folgen konnte. |154| Die nähere Bekanntschaft mit den ausgezeichneten Eigenschaften dieses Holzes werden demselben gewiß eine große Zukunft bereiten, und es haben die folgenden Mittheilungen über seinen anatomischen Bau und seine chemische Zusammensetzung wohl einige Berechtigung.

Die Stämme haben etwa 30cm Durchmesser und sind mit einer rissigen, grauen, 1cm und darüber dicken Borke bedeckt. Der Splint ist nur 5mm breit (bei den aus Westindien stammenden Exemplaren bedeutend breiter), hellbraun und ziemlich scharf von dem dunkelbraunen, rothbraunen oder olivengrünen Kernholze geschieden. Am geglätteten Querschnitte erkennt man mit unbewaffnetem Auge zahlreiche Poren und Pünktchen im Holze, die Rinde erscheint homogen. Mit Hilfe der Loupe sieht man in der letztern feine geschlängelte Markstrahlen und zwischen ihnen, sie quer verbindend, dicht gedrängt, äußerst zarte, gewellte Linien. Auch die Markstrahlen im Holze sind geschlängelt. Die Poren sind verschieden groß und stehen isolirt, in kleinen Gruppen oder in radialen Reihen. In verschiedenen Abständen, mitunter sehr genähert, dann wieder 1mm und darüber von einander entfernt, verlaufen feine Linien in tangentialer Richtung.

Bau der Rinde. Unmittelbar auf das Cambium folgt eine Schichte von Parenchym, welche von Siebröhrensträngen durchsetzt ist, hierauf eine Schichte von Bastfasern, und dieser Wechsel wiederholt sich mit großer Regelmäßigkeit. Die Breite der einzelnen Schichten ist verschieden, und nicht selten findet man in den breitern Parenchymbändern isolirte Bastfaserbündel. Das Parenchym besteht aus dünnwandigen, tangential nur wenig gestreckten Zellen. In ihm verlaufen quer die massigen Stränge von Siebröhren, deren Lumen meist zusammengefallen ist. Isolirt man dieselben durch anhaltendes Kochen in Kalilauge, dann erkennt man die mit großen, gerundet viereckigen Tüpfeln versehenen Siebplatten.

Die Bastbänder, deren Zusammenhang nur durch die Markstrahlen getrennt wird, sind von einem Mantel von Krystallkammerfasern umgeben. In den nahezu isodiametrischen Zellen befinden sich die großen rhombischen Einzelkrystalle vom Zellhautsacke umschlossen, so daß sie auch nach der Maceration in chlorsaurem Kali und Salpetersäure erhalten bleiben. Die Bastfasern sind im Querschnitte rundlich, im Mittel 0mm,012 breit, lang (ich maß 0mm,75) und sehr allmälig in eine feine Spitze verjüngt. Die Verdickung ist sehr beträchtlich, immer ist die primäre Membran von der weit mächtigern secundären Verdickungsschichte deutlich getrennt, und von der letztern trennt sich hier und da noch eine schmale Innenschichte ab. Es finden sich nur spärliche Porencanäle.

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Bau des Holzes. Die Gefäße variiren in der Größe bedeutend; ihr Lumen übersteigt aber nicht 0mm,09 und ist, wenn die Gefäße, wie nicht selten, isolirt stehen, regelmäßig kreisrund. Sie sind namhaft verdickt (0mm,008), die Tüpfel sind relativ groß (0mm,006), elliptisch. Dünnwandige, kleinporige Parenchymzellen umgeben die Gefäße in ziemlich beträchtlicher Menge, vereinigen sich aber niemals zu tangentialen Schichten. Die 2 bis 4 Zellen breiten, in wechselnden Abständen verlaufenden concentrischen Parenchymbänder sind von ihnen wesentlich verschieden, indem sie aus Krystallkammerfasern bestehen.

Das Libriform gleicht vollkommen den Bastfasern.

Die Markstrahlen bestehen aus 1 bis 3 Reihen radial gestreckter Zellen.

Der Bau des Holzes, mehr noch der Rinde, weist mit Sicherheit auf die Abstammung von einer Leguminose hin.

Die Bastfasern sind beinahe farblos, das Parenchym und die Siebröhren sind gelb gefärbt. Unter Kali werden die erstem citronengelb, die letztern braun. Unter wässeriger Jodlösung bleiben die Bastfasern farblos, Parenchym und Siebröhren färben sich braungelb. Chlorzinkjod färbt die Membranen des Parenchyms und der Siebröhren und die innern Verdickungsschichten der Bast- und Libriformfasern braunviolett. In den jüngsten Schichten des Holzes sind alle Elemente inhaltslos. Je näher dem Kerne, desto häufiger findet man in den Gefäßen und den sie umgebenden Parenchymzellen eine homogene blaßgelbe Masse, bis im Kernholze selbst alle Zellenräume von einer dunkelbraunen, zum Theile in Wasser bordeauxroth, in Kali mit violetter Farbe sich lösenden Substanz erfüllt sind. Kochendes Wasser und Alkohol lösen dieselbe nicht vollständig. Eisen grünender Gerbstoff kommt in der Rinde vor, fehlt aber dem Holze.

Das Holz riecht bei gewöhnlicher Temperatur intensiv nach Veilchen. Es ist außerordentlich hart, schwer und unvollkommen spaltbar.

Die Bestimmung des specifischen Gewichtes, für welche 1g,3325 des bei 100° getrockneten Holzes verwendet wurden, ergab 1,578. Diese Zahl übertrifft die aller bisher bekannten Hölzer, wohl aus dem Grunde, weil die letztern nicht evacuirt und blos lufttrocken untersucht wurden.

Zur Ermittlung der Gesammtmenge der Asche wurden 13g,38 des bei 100° getrockneten Holzes verwendet. Diese Bestimmung ergab einen Aschengehalt von 11,25 Proc.

Zur quantitativen Analyse wurden 3g,789 Asche verwendet. Als Methode der Untersuchung, welche im Laboratorium des Prof. E. Ludwig ausgeführt wurde, diente die jetzt allgemein übliche von Bunsen (Zeitschrift |156| für analytische Chemie, Bd. 9 S. 283). Es wurden für 100 Th. der Asche folgende Werthe erhalten:

Kieselsäure 0,401
Kohlensäure 43,721
Schwefelsäure 0,488
Phosphorsäure 0,103
Chlor 0,098
Kali 2,621
Natron 2,054
Kalk 47,533
Magnesia 3,879
––––––
100,898
Die dem Chlor äquivalente Menge
Sauerstoff abgezogen

0,022
––––––
100,876

Nach diesen Ergebnissen erscheint der Gehalt der Asche an Natron gegenüber dem an Kali so groß, wie er nur bei wenigen Landpflanzen (Morus alba, Sorbus Aria, Pyrus Amelanchier)1) bisher beobachtet wurde; dieser Umstand veranlaßte mich, durch eine zweite Analyse das Verhältniß zwischen Kali und Natron nochmals zu bestimmen. Es wurde eine neue Portion des Holzes verascht und aus dem wässerigen Auszuge der 1g,1034 betragenden Asche nach entsprechender Behandlung Kali und Natron bestimmt. Das Verhältniß des erstem zum zweiten ergab sich 1 : 0,68; in der ersten Analyse ist dasselbe, wie die oben angeführten Zahlen zeigen, 1 : 078.

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Das Wurzelholz der Erica arborea bespricht Hanausek in diesem Journal, * 1876 219 397. – Ich enthalte mich des Urtheils über den histologischen Theil dieser Arbeit; nur die daselbst angeführte und auch sonst verbreitete Ansicht, daß das Material der Bruyère-Pfeifchen mit Wasserglas imprägnirt sei, muß ich als irrthümlich widerlegen. In diesem Falle müßte das Holz durch seinen hohen Aschen- und Kieselsäuregehalt ausgezeichnet sein. Es geben aber 463,580 Wurzelholz nur 0g,180 = 0,38 Proc. Asche, und diese enthält 1,81 Proc. Kieselsäure. Das specifische Gewicht des bei 1000 getrockneten und evacuirten Holzes beträgt 1,483.

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Vgl. E. Wolff: Aschenanalysen.

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