Titel: Scherks, über Kohlenclassirungsapparate.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221 (S. 313–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/ar221087

Ueber Kohlen-Classirungsapparate.1)

Die nachstehenden interessanten Mittheilungen über die zur Classirung der Kohlen verwendeten Apparate entnehmen wir einem in der Wochenschrift des österreichischen Ingenieur- und Architectenvereins, 1876 S. 43 u. 57 abgedruckten Vortrage des Berginspectors Alexander Scherks.

Der Zweck der beim Kohlenbergbau angewendeten Apparate zur Kohlenclassirung, d. i. zur Scheidung nach der Korngröße, ist ein doppelter: 1) Die Kohle soll in Classen geschieden werden, welche sogleich ein Verkaufsproduct bilden, so daß diese Manipulation für sich abschließt. 2) Die Classirung soll das Kohlengemenge für die nachfolgende Setzarbeit vorbereiten. Dies findet bei der wirklichen Kohlenaufbereitung statt, welche die tauben Mittel beseitigen soll.

In beiden Fällen sind die verwendeten Classirungsapparate im Principe gleich. Soll sofort Verkaufswaare erzeugt werden, so ist eine gute Classirung wichtig, einerseits weil die Consumenten, freilich zum großen Theile durch die Producenten selbst, bedeutend verwöhnt sind und eine durchaus gute Classirung beanspruchen, während anderseits bei der wesentlichen Preisdifferenz der Classen die vollständige Scheidung für den Producenten ökonomisch wichtig ist. Bei der wirklichen Kohlenaufbereitung |314| hängt das Resultat der Setzarbeit wesentlich von der guten Classirung ab.

Die überwiegende Anzahl der Kohlen-Classirungsapparate arbeitet trocken, und nur in selteneren Fällen wird, wenn die Kohle schmandig, an sich werthvoller ist und eine Behandlung mit Wasser verträgt, ein Waschen mit der Classirung verbunden. Im Folgenden wird auf die Classirung der Mehle keine Rücksicht genommen, weil dieselbe bei Kohlen nur sehr selten vorkommt.

Sieht man von den primitivsten Mitteln der Kohlenclassirung, dem Rechen und der Gabel, ab, so lassen sich die bezüglichen Apparate in drei Hauptgruppen, und zwar in fixe Rätter, bewegliche Rätter und Siebtrommeln eintheilen.

Zu den fixen Rättern gehören: 1) das horizontale Gitter, 2) der Durchwurf, 3) das Sturzsieb oder geneigte Gitter.

Die beweglichen Rätter lassen sich unterabtheilen:

1) In Fall- oder Kipprätter, welche einseitig gehoben und fallen gelassen werden. Hier erfolgt der Hub entweder am Kopf oder am Fuß des Rätters.

2) In Rätter mit seitlicher Bewegung (Transversalrätter).

3) In Rätter mit einer Längsbewegung (Longitudinal-Rätter). Je nachdem die Bewegung eingeleitet wird, unterscheidet man: a) Rätter mit Kurbelbewegung und b) solche mit Schlagrädchenantrieb und Rückprall, und bezeichnet letztere gewöhnlich als Stoß- oder Prellrätter.

4) In Gestellrätter, welche die Siebe vertical unter einander mit abwechselnder Neigung in einem gemeinschaftlichen Gestelle angebracht erhalten.

5) In Schaukelsiebe oder Partialtrommelsiebe, welche den Uebergang der Rätter zu den Trommeln bilden.

Die Siebtrommeln endlich kommen in den mannigfaltigsten Combinationen vor, das Princip bleibt jedoch stets gleich.

Von den angeführten Apparaten haben sich in der Praxis bewährt und eingebürgert:

1) Die Sturzrätter, 2) die Fall- oder Kipprätter, 3) die Stoß- oder Prellrätter mit Längsbewegung, 4) die Trommeln.

Die Sturzrätter werden entweder stabil oder auf Schienen verschiebbar angewendet. Sie haben den Uebelstand, daß, wenn die Neigung hinreichend groß (36 bis 40°) gehalten wird, ein großer Theil des Durchfallkornes über das Gitter herab rutscht. Hält man dagegen die Neigung geringer, so bleibt der Vorrath liegen und muß herab gezogen werden. Sie verstopfen sich leicht, müssen häufig geputzt werden |315| und bedingen eine bedeutende Sturzhöhe. Bei großer Production und feuchten Kohlen entsprechen sie nicht. Man wendet sie meistens blos zum Ausscheiden trockener Stückkohlen an. – Vorzüge der Sturzrätter sind: geringe Anlagekosten, einfache Construction und der Nichtbedarf eines Kraftmotors.

Die Fallrätter trifft man bei geringer Production häufig in einer Construction, wo sie blos als Sturzrätter fungiren und die Beweglichkeit nur dazu da ist, um das am Siebe Liegengebliebene zum Herabrollen zu bringen und die Siebverstopfungen zu beseitigen. Häufig findet man sie als Entwässerungsrätter bei Setzmaschinen, wo sie nicht besonders entsprechen.

Ganz vorzüglich eignen sich Fallrätter zum Ausscheiden der Stückkohlen aus dem geförderten Kohlenhauwerke, selbst wenn dasselbe stark feucht ist. Die Bewegung wird am Kopfe angeordnet, weil da auf einmal der meiste Vorrath angehäuft wird und zur schnellen Weiterrutschung gebracht werden soll. Die geringe Siebneigung (10 bis 15°), die stetigen, verticalen, rasch auf einander folgenden Stöße bewirken eine reine Classirung und hindern das Verstopfen der Sieblöcher. Der Drehungspunkt soll unterhalb des Siebrandes angebracht werden, damit an der Abfallkante noch die das Abrollen unterstützende Bewegung vorhanden ist. Ihre Leistungsfähigkeit ist bedeutend. Ein Uebelstand ist, wie bei allen Rättern, der stetige Stoß, welcher eine solide Siebrahmen-Construction verlangt und Erschütterungen des ganzen Gebäudes bewirkt.

Die Prell- oder Stoßrätter mit Längsbewegung eignen sich sowohl zum Ausscheiden der Stückkohlen als auch zum Classiren der Kleinkohlen, wenn das Hauwerk trocken oder gewaschen ist. Feuchte ballende Kohlen werden schlechte Classen geben. Ob der Rückgang durch das Eigengewicht des Rätters oder durch Federn hervorgebracht wird, ist an sich unwesentlich. Da jedoch die gute Arbeit einen starken Stoß verlangt, so wird im letztern Falle das entsprechende Gewicht des Rätters zu groß und der Apparat unbehilflich; daher erscheint die Anwendung von Federn vortheilhafter. Sind nur zwei Classen zu erzeugen, so ist die Construction dieses Rätters einfach. Sind mehrere im Korn nicht sehr differirende Classen zu bilden, so kann man 2 bis 3 Siebe an einander reihen, wobei das erste Sieb die kleinste Lochweite erhält. Sollen jedoch mehrere, wesentlich verschiedene Classen erzeugt werden und ist die Leistungsanforderung groß, so entsprechen derartig angeordnete Plansiebe nicht, weil gerade das feinste Sieb zu überbürdet wird, schlecht arbeitet und sich rasch verstopft. Für diese Fälle empfiehlt sich die stufenförmige Anordnung der Siebe. Diese Construction hat ihre Schwierigkeiten, |316| und muß besonders der Rätterrahmen sehr solid und mit den Siebträgern fest verbunden werden, weil die Rätterlänge bei mehreren Sieben ziemlich groß wird, und die stetigen Stöße bei minder solider Construction das Rätter rasch deformiren. Mehr als drei Siebe sollten auch da nicht in einem Siebrahmen angeordnet werden.

Diese Rätter haben eine große Leistungsfähigkeit, geben bei trockenen oder gewaschenen Kohlen sehr reine Producte und gestatten die Anbringung von Brausen, wodurch die Classirung unterstützt und das Sieb rein erhalten werden kann. Vertical unter einander angebrachte Siebe in einem Siebrahmen geben die kleinern Classen unrein, auch ist die Siebreinigung schwierig. Dagegen ist die Construction einfach und der Apparat compendiös.

Zum Entwässern gewaschener und gesetzter Kohle werden Stoßrätter häufig und mit bestem Erfolge verwendet.

Die Siebtrommeln haben entweder mehrere an einander gereihte Siebe, oder aber es sind diese abgestuft angeordnet. Häufig wird beides combinirt oder ein System einander zuarbeitender Trommeln benützt. Die einfachen mehrsiebigen Trommeln haben wie die Planrätter den Nachtheil, daß das erste Sieb zu überbürdet wird. Die stufenförmigen Trommeln beseitigen diesen Uebelstand, sind aber complicirter und dies um so mehr, als Classen zu bilden sind, wodurch auch die Zugänglichkeit der Siebe leidet. Um diesem Uebelstande zu begegnen, hat man beides combinirt und findet derartige Trommeln häufig bei trockenen Kohlenclassirungen, welche sofort Verkaufswaare erzeugen, wobei sie auch vorzüglich entsprechen. Oftmals kommen auch Doppeltrommeln zur Verwendung, welche vorwiegend den Zweck haben, die Stückkohlen vom Kohlenklein zu trennen.

Bei der eigentlichen Kohlenaufbereitung, wo zur Darstellung reiner Kohlen eine weitgehende Classirung nöthig wird, wendet man mehrere zu einem System zusammengestellte Trommeln an. Die Combination ist da sehr mannigfaltig, beruht jedoch stets darauf, daß durch ein Sieb eine Classengruppe ausgeschieden wird, welche in Nebentrommeln noch weiter gesondert wird.

Die cylindrischen Trommeln erhalten eine Neigung von 3 bis 6°; sie sind principiell richtiger als die conischen, lassen sich aber minder bequem anordnen.

Die conischen Trommeln haben den Fehler, daß der von dem Material zurückzulegende Weg um so größer, je kleiner die Menge der zu siebenden Masse wird; außerdem sind zu ihrer Herstellung eigens zugerichtete (und theurere) Bleche erforderlich. Die meisten Trommeln |317| werden durch Speichen und Naben auf einer durchgehenden Welle befestigt; Trommeln ohne die letztere sind überaus selten. Der Antrieb der Trommeln erfolgt entweder durch auf die Welle aufgekeilte oder am Umfange der Trommel angesetzte Räder. Die zur Kohlenclassirung bestimmten Trommeln müssen größer gehalten werden, als die bei der Aufbereitung von Erzen benützten, da die Kohle in Folge ihres geringern specifischen Gewichtes weniger leicht durchfällt und ihr deshalb hierzu häufiger Gelegenheit geboten werden muß.

Man gibt den Trommeln gewöhnlich einen Durchmesser von 1 bis 1m,5 und macht die Siebe 0m,75 bis 1m lang.

Die Trommeln zeichnen sich durch bedeutende Leistungsfähigkeit, Einfachheit des Mechanismus, der Fundirung, sowie durch ruhigen Gang aus. Sie entsprechen bei trockenen, festen Kohlen recht gut; für gewaschene stehen sie den Stoßrättern nach, arbeiten da jedoch noch immer befriedigend. Die Anwendung von Brausen ist blos bei einfachen Trommeln möglich, doch werden dadurch die fertigen Classen mit Wasser getränkt. Bei feuchten Kohlen erhält man schlechte Producte, die Siebe verstopfen sich leicht und sind schwer zu reinigen. Trockene, minder feste Kohlen zerschlagen sich in den Trommeln leicht, was besonders bei den groben Classen empfindliche Verluste mit sich bringt. Zum Entwässern gewaschener Kohlen sind Trommeln gut geeignet, wenn die Classen nicht feinkörnig sind. Die Anlagekosten sind bei den Trommeln größer als bei Rättern, dagegen haben die Trommeln eine längere Dauer.

Aus dem Vorausgehenden folgt, daß: 1) die Fallrätter vorzüglich zur Ausscheidung von Stückkohlen geeignet sind; 3) die Stoßrätter besonders für die kleinern Classen bei trockenen und gewaschenen Kohlen zu empfehlen sind, und 3) die Trommeln sich zur Classirung fester, trockener Kohle eignen, wobei es gut ist, die Stückkohle vorher in geeigneter Weise auszuscheiden.

Bei grubenfeuchten, sich ballenden Kohlen, welche nicht vorher gewaschen wurden, gibt kein Apparat reine Producte; doch entsprechen da am besten noch Fallrätter.

Schließlich möge noch in Kürze einer in Hrastnigg seit etwa 1 1/2 Jahren im Betriebe befindlichen Kohlenwäsche gedacht werden. Die Hrastnigger Kohle ist eine Neogenkohle von vorzüglicher Qualität; sie ist fest, kommt jedoch manchmal feucht aus der Grube, muß von den mitunter mit einfallenden tauben Mitteln befreit werden; auch ist namentlich das Kohlenklein öfters schmandig, daher ein Waschen vortheilhaft. Die kleinern Classen (Griese) finden hinreichende, aber difficile Abnehmer, weshalb es |318| ökonomisch und wichtig ist, auf eine gute Classirung und Reinheit der Producte zu sehen.

Die Stückkohle wird möglichst in der Grube ausgeschieden und separat gefördert. Die mit Kohlenklein geladenen 800k fassenden Grubenhunde gelangen zu einem Fallrätter und entleeren seitlich auf diesem den Vorrath. Das Fallrätter-Sieb ist 1m,4 lang, 2m breit; das Rätter macht 180 bis 200 Hübe von 25 bis 40mm pro Minute; die Siebneigung ist in der Ruhelage 14°. Die Hubvorrichtung ist nahe dem Kopf des Rätters angebracht, während die Drehungsachsen am Fuße angeordnet sind. Das Sieb ist ein Maschensieb mit 40mm Lochweite.

Der Durchfall gelangt aus einem unterhalb des Rätters angebrachten, trichterförmigen Kasten unter Beihilfe von Wasser in einen Elevator, welcher die Kohlengriese in eine Rinnenleitung hebt. In dieser werden dieselben eine Strecke geführt und dabei gewaschen und passiren dann ein geneigtes fixes Sieb, welches das schmutzige Wasser abführt, während die darüber gehende Kohle gleichförmig in eine untere, mit reinem Wasser gespeiste Rinne fällt und nun einem dreisiebigen, stufenförmigen Stoßrätter mit Längsbewegung zugeführt wird. Auf das erste, gröbste Sieb des Stoßrätters wirken noch Brausen, welche die Kohle nochmals durchwaschen. Die Siebe des Prellrätters haben eine Neigung von 12°, sind 90cm breit und 1m,07 und 0m,6 lang. Das Rätter macht 200 Ausschübe von 25mm pro Minute. Die Siebe sind gelochte Bleche von 20, 10 und 5mm Lochweite. Die keilförmig gestellten Austragbleche bilden einen Winkel von 80°. Der Rückprall erfolgt gegen einen starken Querbalken durch zwei starke Holzfedern.

Die vom Fallrätter abfallenden Stückkohlen werden später durch ein endloses Band zum directen Absturz in Eisenbahnwaggons gebracht und auf dem Wege durchgeklaubt. Der erste, gröbste Gries soll auf einen Klaubtisch fallen.

Diese Wäsche verarbeitet pro Stunde bequem bis 10000k Kohlenklein. Das Manipulationswasser beträgt ca. 1cbm, pro Minute. Der Kraftbedarf ist etwa 2e,5, wovon jedoch der Elevator 1e allein verbraucht.

L. R.

Vgl. Briart's Kohlenrätter *1873 209 22. Evrard's Wasch- und Sortirapparat *1875 217 374. Kasalovsky's Setzmaschine *1876 219 510.

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