Titel: Anderson's Siebführer für Papiermaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221 (S. 318–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/ar221088

Anderson's Siebführer für Papiermaschinen.

Mit Abbildungen auf Taf. VII [c.d/4].

Die Regulirung des Siebes mittels der Führungswalze nimmt einen erheblichen Theil der Zeit des Maschinenführers in Anspruch, und versäumt |319| er sie einmal, so kann es vorkommen, und ist wohl schon überall vorgekommen, daß das Metalltuch zu weit nach einer Seite läuft, mit dem Gestell in Berührung kommt und zu Grunde geht oder doch stark beschädigt wird. Daß durch solche häufig oft unvermeidliche Unachtsamkeit überdies viel Ausschuß entsteht, ist selbstverständlich.

Viele Vorrichtungen sind schon erfunden und ausgeführt worden, welche das Sieb selbstthätig stets in richtiger Lage erhalten sollen; die meisten derselben waren aber schädlich, da sie den Maschinenführer zur Unachtsamkeit verleiteten, ohne die nöthige Sicherheit zu bieten. Die Regulirvorrichtungen all dieser Apparate werden durch Vermittlung von Hebeln etc. direct von dem Metalltuch in Thätigkeit gesetzt, sobald es zu weit nach einer oder der andern Seite läuft, und viele reguliren, d.h. verschieben die Leitwalze so lange, bis das Metalltuch wieder in die richtige Lage gebracht ist. Da aber das Metalltuch der Leitwalze nur sehr langsam folgt, so ist diese viel zu weit vorwärts oder rückwärts gestellt, bis die Thätigkeit der Regulirvorrichtung durch den Rückgang des Metalltuches aufgehoben wird. Das Metalltuch wird somit durch die zu viel verstellte Leitwalze nach der andern Seite geführt und läuft auf diese Weise fortwährend hinüber und herüber. Wenn auch durch solche Siebführer all zu weites Ueberlaufen verhütet wird, so schaden sie doch durch ihre fortwährende Thätigkeit mehr, als sie nützen.

Der Anderson'sche Siebführer, dessen Zeichnung und Beschreibung hier folgt, ist frei von allen Fehlern, welche andern Constructionen mit Recht vorgeworfen werden; er regulirt nur so viel als nöthig ist, arbeitet daher selten, und nur auf kurze Dauer, da er wohl von dem Metalltuche in Bewegung gesetzt, aber von der Leitwalze selbst still gestellt wird, sobald diese weit genug verschoben ist.

Auf dem vorstehenden Zapfen der Leitwalze B (Fig. 39 und 40) sitzt eine Messinghülse A, an welche seitlich eine dreieckige Eisenplatte mit treppenartig gezackter schiefer Kante genietet ist. Die Naben der beiden sternartig gezackten Scheiben C, C sitzen so lose auf ihren Wellen, daß sie sich mit dem durch Seitenarme mit ihnen verbundenen Hebel DD vorwärts und rückwärts verschieben. Dieser Hebel erhält seine Bewegung durch die Stange F und den um den festen Punkt g drehbaren Hebel G von dem zwischen zwei Messingschilden H laufenden Metalltuche. Die beiden Schilde sind von einem hölzernen Lineal getragen, dessen Bewegung sich durch die beschriebenen Zwischenglieder dem um den festen Punkt d drehbaren Hebel D D mittheilt. Die Stange F besteht aus starkem Draht und kann länger oder kürzer genommen werden, wie es die Constructionsverhältnisse der Maschine bedingen, wenn sie nur die |320| beiden Hebel in möglichst gerader Linie verbindet. Sobald das Metalltuch nach einer Seite läuft, verschiebt es die Schilde H und damit auch die Enden des Hebels D, und wenn die Verschiebung ziemlich weit geht, genügt sie, um eine der gezackten Scheiben C mit dem treppenförmigen Flügel von A in Eingriff zu bringen. Sobald dieser Fall eintritt, wird C von A aus in drehende Bewegung versetzt, und theilt diese durch ihre Welle und die conischen Räder I der Schraube K mit. Der Läufer dieser Schraube ist die offene Lagerschale, worin der Zapfen der Walze B liegt.

So lange das Metalltuch in der Mitte läuft, bleibt die ganze Vorrichtung in Ruhe, sobald es sich aber weit genug nach einer Seite schiebt, um eine der Scheiben C durch Eingriff in A zur Drehung zu bringen, wird die Walze B in solcher Richtung verschoben, daß das Sieb zur Mitte zurückgeht, und daß der Flügel A sich von der gezackten Scheibe entfernt. Dadurch wird bewirkt, daß die Bewegung sofort wieder aufhört, sobald die Walze sich etwas verschoben hat, daß also die wesentliche Bedingung einer guten Führung erfüllt ist.

Seit Anfang dieses Jahres ist ein von C. Hofmann, Herausgeber der Papierzeitung (welcher die vorstehende Beschreibung entnommen ist) gelieferter Anderson'scher Siebführer (Preis 150 M.) in der Thode'schen Actienpapierfabrik zu Haynsberg im Betrieb, und dieselbe spricht sich sehr günstig darüber aus.

Es ist am besten, wenn man den Siebführer so nahe als möglich an die Gautschpresse bringt, weil die Schüttelbewegung dort wenig Einfluß hat. Gewöhnlich benützt man die Stellwalze für den Siebführer; will man diese aber selbstständig beibehalten, so kann man ihn irgendwo an dem zurücklaufenden Siebe, also nahe am Boden, arbeiten lassen, er wird dort ebenso gut reguliren. Da das Gewinde der Stellschraube für eine linkshändige Papiermaschine links und für eine rechtshändige rechts geschnitten sein muß, so ist bei Bestellung auch stets anzugeben, ob die Maschine rechts- oder linkshändig ist. Eine Papiermaschine ist rechts- oder linkshändig, je nachdem man die Führungsseite zur Rechten oder Linken hat, wenn man so steht, daß man vom Haspel nach den Trockencylindern, also dem Lauf des Papieres entgegensieht. Die in der Zeichnung angegebene Maschine ist z.B. linkshändig.

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