Titel: Müller-Melchiors, Notizen von der Weltausstellung in Philadelphia 1876.
Autor: Müller‐Melchiors,
Fundstelle: 1876, Band 221 (S. 393–405)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/ar221102

Notizen von der Weltausstellung in Philadelphia 1876; von Ingenieur Müller-Melchiors.

Mit Abbildungen auf Tafel IX.

(Fortsetzung von S. 302 dieses Bandes.)

20. Kohlenschrämmmaschine von W. Baird und Comp. in Gartsherrie (England). (Fig. 1 bis 3 [a/1].)

Diese Maschine, welche der Hauptsache nach eine Verbesserung von Gledhill's Patent ist, wurde zuerst in den Espie-Kohlengruben der obengenannten Firma in Thätigkeit gesetzt, verbreitete sich von hier aus, nach mehrjährigem erfolgreichem Gebrauche, nach verschiedenen Kohlengruben in England und Schottland, und soll nun auch in Amerika eingeführt werden. Die Ausstellungsmaschine, welche in Fig. 1 und 2 dargestellt ist, kann selbstverständlich die praktische Arbeitsweise der Maschine nicht vorführen, obwohl sie mit Dampf leerlaufend in Bewegung gesetzt ist; dagegen zeigt die ganze Anordnung derselben, daß sie schwerer Arbeit wohl gewachsen ist und keine empfindlichen, Störungen unterworfenen Bestandtheile besitzt.

Die Arbeitsweise der Baird'schen Maschine besteht darin, daß sie das Kohlenflötz an der Sohle des Stollens mit einem 910mm langen und 65mm hohen Schnitte abtrennt und damit das hierauf erfolgende Losbrechen der über dem Schnitte befindlichen Kohle außerordentlich vereinfacht. Zu diesem Zwecke trägt eine in der Mitte des Maschinengestelles gelagerte verticale Welle w (Fig. 2) am untern Ende ein Kettenrad k (Fig. 1), um welche sich eine mit Gußstahlmessern armirte Kette ohne Ende schlingt, deren Construction aus Figur 3 ersichtlich ist. Diese Kette schlingt sich am andern Ende um eine zweite Kettenrolle k', die in einem expandiblen Arm mm gelagert ist, welcher unterhalb des Maschinengestelles hervorragt und mit dem auf der Verticalwelle w frei beweglich gelagerten Schneckenrade s verbunden ist. Mit dem Schneckenrade s im Eingriffe steht eine Schraube ohne Ende, |394| deren Welle quer unter dem Maschinengestelle läuft und beiderseits je ein Vierkant angearbeitet hat, auf welches eine Ratsche q aufgesetzt wird, mittels deren das Schneckenrad s und mit demselben der Arm mm verdreht werden kann. Auf diese Weise wird die Messerkette beim Beginn der Arbeit in die Kohle eingebracht, bis der Arm mm senkrecht zur Bewegungsrichtung des Maschinengestelles steht (Fig. 2), dann die Maschine in der Richtung des Pfeiles verschoben, bis der Schnitt in gewünschter Länge ausgeführt ist, und endlich der Arm mm wieder aus der Kohle herausgedreht in der Richtung des Pfeiles der Figur 2. Dabei bewegt sich selbstverständlich die Kette fortwährend um die beiden Trommeln k und k', angetrieben von einer zweicylindrigen, auf dem Maschinengestelle befindlichen Luftmaschine, welche gleichzeitig die Vorwärtsbewegung des auf vier Rädern laufenden Maschinengestelles besorgt. Die Cylinder haben 150mm Durchmesser und 230mm Hub und arbeiten mit comprimirter Luft von 3at Spannung mit ca. 200 Umdrehungen pro Minute; die Maschine ist dabei im Stande, einen Schnitt von 910mm Tiefe mit einer Geschwindigkeit von etwa 5mm pro Secunde auszuführen. Die Cylinder sind, wie aus Figur 2 ersichtlich, unter 90° gegen einander geneigt an die Grundplatte des Maschinengestelles befestigt; die Kreuzköpfe bewegen sich in seitlich von den Cylindern angebrachten Führungen (vgl. die rechte Seite der Figur 1, wo der Cylinder weggenommen ist), und die Treibstangen, deren eine gegabelt ist, greifen gemeinsam an einer abgekröpften Welle v an, die mit ihrem untern Ende in der Grundplatte und oben in einem Bock rr (Fig. 2) gelagert ist. Oberhalb desselben ist ein Excenter aufgekeilt, von welchem die Steuerungsschieber der beiden Cylinder angetrieben werden, und zwischen den beiden Lagern befindet sich ein kleines Stirnrad a, das mit der Uebersetzung 1 : 6 in ein zweites Rad b eingreift, welches auf der Welle w der Kettentrommel aufgekeilt ist und auf diese Weise die Bewegung der Messerkette hervorbringt. Die Welle w ist in der Grundplatte der Maschine gelagert und trägt unterhalb derselben, wie schon oben bemerkt, die Kettentrommel k; oberhalb des Stirnrades b erhält sie ihr zweites Lager in dem Ständer p, und über letzterm endlich ist ein Excenter e aufgekeilt, welches zur Fortbewegung der Kohlenschrämmmaschine benützt wird. Zu diesem Zwecke wird ein Pfosten H am Ende der von der Maschine zurück zu legenden Strecke befestigt, um den sich eine Kette schlingt, die mit dem einen Ende an das Maschinengestell gehängt ist, mit dem andern Ende über eine Trommel t geschlungen, welche in zwei Ständern der Grundplatte gelagert ist und ein Sperrrad aufgesetzt hat; in letzteres greift der von dem Excenter e aus bewegte Sperrkegel u ein und verdreht somit jedesmal beim Rückgange |395| die Trommel t und nähert allmälig die auf vier Rädern laufende Maschine dem Pfosten H. Zur Bewegung der Kohlenschrämmmaschine nach der andern Seite dient die zweite Kettentrommel t' mit dem Sperrklinkenmechanismus u', welcher von demselben auf der Welle w befindlichen Excenter e angetrieben wird; die Steuerung ist dann zu reversiren und die Messerkette nach der andern Seite umzulegen.

Die Räder der Maschine laufen auf leichten gußeisernen Grubenschienen von 910mm Spur, welche in Längen von je 900mm auf den Schwellen zusammengesetzt werden und zwar derart, daß beim Betrieb der Maschine ein Arbeiter hinter derselben die Schienen aufhebt und ein zweiter Arbeiter vor der Maschine mit denselben die neue Bahn legt, während ein Junge zur Wartung der Maschine selbst ausreicht.

Die Grundplatte der Maschine ist 1800mm lang und 900mm breit; die Höhe einschließlich der Laufbahn beträgt nur 600mm, so daß sie die Passage durch den Stollen nicht versperrt; eine zweite Maschine, welche jedoch nicht ausgestellt war, soll bei derselben Leistungsfähigkeit nur 450mm Höhe haben.

21. Sicherheitsregulator von D. Shive. (Fig. 4 bis 10 [c/2].)

Der im Journal (*1869 192 265) bereits erwähnte und in verbesserter Anordnung in den Figuren 4 bis 10 dargestellte Regulator ist an verschiedenen Dampfmaschinen der Ausstellung angebracht; außerdem ist eine Zeichnung „des größten je ausgeführten Regulators“ ausgestellt, von 1900mm Höhe, 500mm Kugeldurchmesser, einem Kugelgewicht von je 500k und 2500k Gesammtgewicht. Die Eigenthümlichkeiten der Construction bestehen zunächst in der Aufhängung der Kugeln und in der Gestaltung des Drosselventiles, ferner in dem Ersatz des Gegengewichtshebels durch eine Feder und endlich in einer sinnreichen Sicherheitsvorrichtung, um das Drosselventil für den Fall eines Riemenbruches u. dgl. zu schließen.

Was die Aufhängung der Kugeln betrifft, so ist aus Figur 4 ersichtlich, daß die Schwingungsebene derselben nicht in die Regulatorspindel, sondern außerhalb derselben fällt und zwar so, daß für die angedeutete Drehungsrichtung der Ball hinter seinem Aufhängungspunkte zurückbleibt. Es wird behauptet, daß hierdurch die Empfindlichkeit des Regulators erhöht und die Reibungswiderstände vermindert werden, und „Niemand, der irgend welche Kenntniß der Mechanik besitzt, wird dies läugnen können, ohne seinem Renommée zu schaden“, um uns der Worte des Erfinders zu bedienen. Und in der That bietet |396| diese Art der Aufhängung, obwohl der Erfinder uns die Aufklärung dafür schuldig bleibt, einen gewissen Vortheil.

Textabbildung Bd. 221, S. 396

Die Regulirung des Dampfzuflusses findet durch ein Ventil v statt (Fig. 7), dessen Spindel durch die hohle Regulatorwelle geführt ist und von den Daumen der Kugelarme bei zunehmender Geschwindigkeit nach abwärts, bei abnehmender Tourenzahl nach aufwärts bewegt wird. Das Ventil sitzt in einem Gehäuse, welches so eingerichtet ist (Fig. 5 und 6), daß der eintretende Dampf durch zwei gegenüber liegende Oeffnungen |397| B zwischen den beiden Tellern des Drosselventiles Figur 7 eintritt und beim Heben des Ventiles sowohl oben als unten in der Richtung der Pfeile der Figur 5 ausströmen kann. Wären dabei beide Teller des Ventiles scharfkantig, so würde bei einer geringen Oeffnung des Ventiles der durch die engen Oeffnungen sich drängende Dampf eine Tendenz zum weitern Anheben des Ventiles entwickeln, welche die Empfindlichkeit des Regulators beeinträchtigen könnte. Um dies zu vermeiden, ist, wie aus Figur 7 ersichtlich, sowohl die innere Seite des obern Ventiltellers, als die innere Kante des untern Ventilsitzes abgerundet, wodurch die Richtung des ausströmenden Dampfes verändert und eine wesentliche Verbesserung erzielt werden soll.

Zum Einstellen des Regulators auf verschiedene Geschwindigkeiten dient die Feder i (Fig. 4), welche mit ihrem obern Ende gegen eine feste Kante des Regulatorständers anstößt und mit dem untern Ende gegen die Nase eines im Ständer drehbaren Hebels h gespannt ist; hierdurch drückt die Feder die Ventilspindel nach aufwärts, die Regulatorkugeln nach abwärts und hat somit denselben Effect wie das bekannte Porter'sche Hülsengewicht, oder der Ersatz desselben durch einen belasteteten Hebel. Doch hat die Feder vor den ältern Einrichtungen den Vortheil der leichtern und compendiösern Anordnung voraus und gestattet durch einfaches Anziehen der Stellschraube s (Fig. 4) die Geschwindigkeit innerhalb weiter Grenzen zu verändern. Daß dabei die oben entwickelte Bedingung für die Richtigkeit der excentrischen Kugelaufhängung unmöglich erfüllt bleiben kann, und somit eine schädliche Wirksamkeit dieser Kugelaufhängung eintreten muß, bedarf keiner weitern Erörterung.

Wie aus der Disposition des Ventiles und dem Antrieb der Ventilspindel hervorgeht, wird der Dampfeintritt beim Sinken der Kugeln immer mehr geöffnet, so daß beim Bruch irgend eines Theiles des Regulatorantriebes, durch welchen der Regulator zum Stillstand und die Kugeln in ihre tiefste Lage kommen würden, der Dampfeintritt vollkommen geöffnet und ein Durchgehen der Maschine zu befürchten wäre. Um dies zu vermeiden, ist unterhalb des Kegelrades, welches die Regulatorspindel antreibt, die in Fig. 8 bis 10 dargestellte Auslösevorrichtung angebracht (in Figur 4 der Einfachheit halber weggelassen), welche beim Sinken der Kugeln auf ihren tiefsten Stand selbstthätig zur Wirksamkeit kommt, das Drosselventil nach abwärts drückt und den Dampfzutritt abschließt. Der obere Theil der Ventilspindel, welcher von dem Daumen der Kugelarme bewegt wird und sich mit denselben dreht, ist unterhalb des erwähnten Kegelrades mit einer Hülse H verbunden, welche nur eine verticale Bewegung gestattet und für gewöhnlich den |398| untern Theil der Ventilspindel in ihrem Auf- und Niedergange – entsprechend dem Sinken und Steigen der Kugeln – mit sich nimmt. Die Verbindung der Hülse H mit der untern Ventilspindel ist jedoch keine feste, sondern geschieht mittels des Rohres C, das mit zwei vorstehenden Zapfen in einem Schlitze der Hülse H geführt ist und nur so lange fest mit der Hülse verbunden bleibt, als der Hebel B mit dem an H befestigten Arme A ein Stück bildet. Es geschieht dies durch die am Ende von A drehbar angebrachte Klinke E, welche durch eine Feder stets nach innen gegen den Hebel B gedrückt wird und denselben somit hindert, dem Einflusse der Feder D zu folgen, welche den Hebel B nach abwärts zu drücken sucht. Sobald aber die Regulatorkugeln aus irgend welchem Grunde ihren tiefsten Stand erreicht haben, stößt die Klinke E gegen eine am Regulatorständer befestigte Feder F an und verläßt den Hebel B, worauf derselbe sofort nach abwärts schnellt (Fig. 9), dabei das Rohr C sammt der daran befestigten Ventilspindel mittels der in B eingreifenden Zapfen des Rohres C mitnimmt und das Drosselventil schließt. Die Maschine wird hierdurch sofort zum Stillstand gebracht und jede Gefahr eines Bruches vermieden. Um sie dann wieder anzulassen und die Sicherheitsvorrichtung neuerdings zur richtigen Functionirung einzulösen, wird der Hebel B mittels des Drückers K nach aufwärts gedrückt, dabei die Feder F durch den an B befestigten Zahn Z nach innen abgebogen (Fig. 10), so daß dann die Klinke E unter dem Einflusse ihrer Feder über den Hebel B einfallen und denselben aufs neue arretiren kann. Nach erlangter normaler Geschwindigkeit sinkt die Hülse H sammt dem daran befestigten Mechanismus nach abwärts, die Feder F verläßt den Zahn Z und der in Figur 8 skizzirte Zustand ist neuerdings hergestellt.

22. Armstrong's Vorwärmer und Filtrirapparat für Dampfkessel. (Fig. 11 und 12 [d/1].)

Der Abdampf der Maschine tritt bei a (Fig. 11) in ein gußeisernes Gehäuse und begegnet bei seinem Wege nach aufwärts zur Ausströmöffnung b dem bei c eintretenden Wasser. Dasselbe fällt über eine Reihe von Pfannen nach abwärts, welche abwechselnd mit geschlossenem, oder nach Art der Figur 12 durchbrochenem Boden über einander aufgestellt und durch eine Schraube verbunden sind. In dieser Pfanne läßt das durch den Dampf erwärmte Wasser einen Theil seiner fremden Bestandtheile zurück, wie dies durch die ausgestellten, vollkommen inkrustirten Theile eines 6 Monate gebrauchten Vorwärmers gezeigt wird, und sammelt sich dann in dem Reservoir R im untern Theile des Vorwärmers, welcher |399| bei e mit einem Ablaßhahn versehen ist. Von dort wird das Wasser durch die Wirkung der Kesselspeisepumpe, welche bei d mit dem Vorwärmer verbunden ist, durch ein Sieb in den mit entsprechenden Filtermitteln gefüllten Raum F angesaugt und gelangt von F endlich durch ein zweites Sieb und ein Tuchfilter L zur Austrittsöffnung d.

Diese Vorwärmer und Filter repräsentiren allerdings kein neues Princip (vgl. 1876 220 368), sind aber in Amerika vielfach in Gebrauch und werden wegen ihrer einfachen Construction und großer Leistungsfähigkeit sehr gelobt. Für 300mm Cylinderdurchmesser wird ein Vorwärmer von 630mm Durchmesser, 1200mm Höhe mit 9 Pfannen, mit einem Filter von 630mm Höhe und Breite und 450mm Länge angewendet. Der Preis desselben beträgt sammt einem Regulator für den Wasserzufluß 200 Dollars, also etwa 750 M.

23. Condensationswasser-Ableiter von A. L. Jones in Philadelphia. (Fig. 13 [d/3].)

Die wesentliche Eigenthümlichkeit des in Figur 13 abgebildeten Condensationswasserableiters besteht darin, daß die Welle w, um welche sich der Schwimmerarm s und der daran befestigte Schwimmer dreht, hohl ist und auf der einen Seite, von einer Stopfbüchse abgedichtet, aus dem Gehäuse heraustritt. Hierdurch und mittels des hohlen Armes s communicirt das Innere der Schwimmerkugel S stets mit der äußern Atmosphäre, so daß alles Wasser, das sich durch Undichtheiten der Löthung darin ansammeln könnte, sofort verdampft und somit aus der Kugel entfernt wird. Die übrige Einrichtung des Condensationstopfes ist bekannt und ergibt sich auch aus der Skizze von selbst.

24. Städtische Wasserversorgung mit Sicherheitsvorrichtung bei Feuersgefahr; von H. P. M. Birkinbine in Philadelphia. (Fig. 14 und 15 [a/3].)

Die Anlage von städtischen Wasserleitungen – ein Luxus, welchen sich in Deutschland fast nur die größten Städte gestatten können, ist in dem industriellen östlichen Theil von Nordamerika ein so allgemeines Bedürfniß, daß kaum das kleinste Städtchen derselben entbehrt. Dabei ist allerdings die Einrichtung derselben eine möglichst billige und primitive, knappe Deckung des täglichen Bedarfes, selbst in New-York und Philadelphia, Entnahme des Wassers aus Flüssen und Ansammeln desselben in ausgedehnten, aber seichten und offenen Reservoirs, so daß das Wasser in den Sommermonaten in vollkommen warmem und nahezu |400| ungenießbarem Zustande der Leitung entströmt. Außerdem sind die Reservoirs stets möglichst nahe der Stadt angelegt und haben nur eine geringe Höhe, so daß der natürliche Druck nur für die niedern Stadttheile und die gewöhnlich einstöckigen Häuser ausreicht; für höhere Stadttheile und 2- bis 3stöckige Häuser ist neben dem Reservoir ein sogen. Standrohr (Wasserthurm) errichtet, ein oben offener Blechcylinder von 1 bis 2m,5 Durchmesser und 50m und mehr Höhe, welcher statt des Reservoir mit der Pumpenleitung in Verbindung gesetzt werden kann und die höher gelegenen Objecte versorgt.1)

Bei Feuersgefahr wird gleichfalls der Druck des Standrohres in Anwendung gebracht, um bei den Hydranten eine größere Strahlhöhe zur Verfügung zu haben. Nachdem aber die Errichtung dieser Standröhren und der darin enthaltenen Wasserkessel ein außerordentlich kostspieliges Object ist, so hat der Ingenieur Birkinbine in Philadelphia, der Constructeur zahlreicher Wasserversorgungsanlagen benachbarter Städte, eine andere Einrichtung erdacht, um ohne großen Kostenaufwand einen hohen Wasserdruck bei Brandfällen disponibel zu haben, während für den gewöhnlichen Gebrauch ein Niederdruckreservoir ausreicht, um das Wasser in den ersten Stock zu leiten. Der dazu erforderliche Mechanismus für eine Leitung von etwa 300mm Durchmesser ist in der Maschinenhalle ausgestellt und in Figur 14 in der Draufsicht skizzirt.

In derselben ist A die Druckleitung, welche von der Wasserhaltungsmaschine zum Sammelreservoir führt, B der Hauptstrang, welcher dem Reservoir das Wasser entnimmt und dasselbe zu dem städtischen Rohrnetze leitet. Beide Leitungen sind an einer passenden Stelle durch ein Querrohr C mit einander verbunden, die Communication durch dasselbe ist jedoch für gewöhnliche Fälle durch den Drehschieber c unterbrochen, während ein zweiter, in der Leitung A enthaltener Drehschieber a vollkommen offen ist und dem angepumpten Wasser den Weg zum Reservoir gestattet. Wenn jedoch auf der Polizeistation oder im Pumpengebäude ein Feuer gemeldet wird, kann gleichzeitig der Schieber a geschlossen und c geöffnet werden, so daß dann die Pumpe direct in die Hauptleitung pumpt. Sobald der hierdurch hervorgebrachte Wasserdruck die Höhe des Reservoir übersteigt, wird das Klappenventil b automatisch geschlossen und jede Communication der Leitung B mit dem Reservoir unterbrochen, so daß nun bei entsprechendem Gang der Pumpen eine beliebig hohe Spannung in der Leitung erzielt werden kann, deren Größe nur durch die Widerstandsfähigkeit der Rohre begrenzt und |401| dadurch regulirt wird, daß auf der Pumpenleitung A ein Ventil v aufgesetzt ist, welches durch Hebel und Gewicht entsprechend belastet wird und bei Ueberschreitung der Maximalspannung durch ein hinter dem Schieber a in A einmündendes Rohr s die Communication mit dem Reservoir wieder eröffnet. Die gemeinschaftliche Bewegung der beiden Drehschieber a und c geschieht durch einen Steuercylinder H, dessen Kolben mittels durchgehender Stange mit den Bewegungshebeln der beiden Drehschieber verbunden ist; an beiden Enden dieses Cylinders münden Rohrleitungen ein, welche zu der Polizeistation und zum Pumpengebäude führen. In letzterm ist ein Reservoir durch Wasserdruck mit comprimirter Luft gefüllt, aus welchem mittels eines Hahnes, sowohl von hier, als von der Station aus, comprimirte Luft in das eine oder andere Ende des Steuercylinders H geleitet und dadurch der Kolben sammt den Drehschiebern im gewünschten Sinne verschoben werden kann. Bei Feuersgefahr kann man dann direct an die nächstgelegenen Hydranten die Schläuche anschrauben und hat sofort nach Verstellung der Drehschieber die ganze Gewalt der Pumpmaschine als Feuerspritze zur Verfügung.

Nach diesem Systeme wurde von dem Erfinder die Wasserversorgung der Stadt Mount-Joy in Pennsylvanien eingerichtet, welche in Folge dessen eine bedeutende Reduction ihrer Versicherungsprämien erzielte; als Beispiel dessen wird ein in der Mitte der Stadt liegendes Blockhaus von 2000 Dollars (etwa 7000 M.) Werth angeführt, welches vor der Wasserleitung 15, und nach Einführung derselben „nur“ mehr 5 pro Mille zu zahlen hatte.2) Dieses Städtchen von einigen Tausend Einwohnern hat ein Reservoir, etwa 25m über dem Mittlern Niveau der Stadt gelegen, mit 2000cbm Wasserinhalt; 6000m Rohrleitung von 200 und 160mm Durchmesser, welcher auf 20at geprüft sind, und 30 Feuerhydranten mit Verschraubung für je 3 Schläuche. Die Pumpenstation ist ca. 1km,5 vom Reservoir am Ufer eines kleinen Flusses errichtet und enthält zwei doppeltwirkende Pumpen, welche von einer Turbine von 1700mm Druckhöhe und 1100mm Durchmesser angetrieben werden. Der Antrieb der Pumpe P mittels der Zahnräder n und m von der Welle w aus, welche durch Kegelräder von der Turbine T bewegt wird, ist |402| aus Figur 15 (Grundriß der Pumpenstation) ersichtlich; hier ist jedoch die Turbine außer Eingriff gezeichnet und statt dessen die Verbindung mit der Dampfmaschine D hergestellt, welche bei eintretendem Wassermangel für die Turbine in Betrieb gesetzt wird. Das Aus- und Einlösen der beiden Stirnräder m und n', welche die Verbindung der Pumpe mit der Turbine oder mit der Dampfmaschine vermitteln, geschieht durch Schrauben und die Griffräder g, g' von Hand.

Bei K ist der Kessel für den Betrieb der Dampfmaschine – ein Röhrenkessel, welcher bei Feuersgefahr sofort angeheizt wird und rasch Dampf liefert; bei L endlich befindet sich der Compressionsapparat für die zum Betrieb des Steuercylinders erforderliche comprimirte Luft.

25. Adjustirbarer Schraubenschlüssel von O. T. Bedell in New-York. (Fig. 16 bis 18 [c/3].)

Derselbe ist in Fig. 16 und 17 in Ansicht und Schnitt dargestellt und besteht aus einem Führungsprisma a mit angeschmiedetem Kopf, aus einem darauf frei verschiebbaren Backen b (Fig. 18) und aus einer Schraube r, welche durch eine geränderte Scheibe s verdreht wird und dabei die in a geführte Mutter m verschiebt. Am Backen b ist eine Blattfeder d, welche längs des Prismas a schleift und b in jeder beliebigen Stellung festhält; der Schlüssel kann somit leicht durch Verschiebung des Backens b bis zum Anschlag an den zu fassenden Gegenstand geschlossen werden, worauf die Mutter m durch Drehen der Scheibe s nachgerückt wird, bis sie an den Backen b anstößt und dessen Rückgang bis zum Zurückschrauben der Mutter m verhindert. Dieser Schraubenschlüssel soll nach Angabe des Erfinders alle andern in Stärke, Dauerhaftigkeit, Einfachheit und bequemer Handhabung übertreffen; jedenfalls ist die Schraube hier keiner so schädlichen Einwirkung ausgesetzt wie bei den bekannten sogen. französischen Schraubenschlüsseln.

26. Apparat zum Anbohren von Wasser- und Gasleitungsröhren; von Wm. Young in Easton, Pa. (Fig. 19 bis 25 [c/4].)

Die in Figur 19 in zusammengesetztem Zustande und in Fig. 20 bis 23 in ihren einzelnen Theilen dargestellte Vorrichtung hat den Zweck, das Anbohren von Wasser- und Gasleitungsröhren zu ermöglichen, während dieselben unter Druck stehen, so daß Abzweigungen von denselben abgeleitet werden können, ohne die Hauptleitung absperren zu müssen.3) |403| Zu dem Behufe wird der in Figur 22 separat gezeichnete Bügel über das Rohr gelegt, das in Figur 20 dargestellte Wechselgehäuse e mit dem Futter f und dem Kautschukring g auf das Rohr aufgepreßt und abgedichtet, der Wirbel (Fig. 21) eingesetzt und so gestellt, daß er dem in Figur 23 veranschaulichten Bohrwerkzeuge den Durchgang gestattet; auf dieses wird sodann eine Ratsche r (Fig. 19) aufgesetzt und der Bohrer mit der Körnerschraube k an das Rohr gerückt und beim Arbeiten successive vorgeschoben. Das Werkzeug ist gleichzeitig Bohrer, Reibahle und Gewindbohrer, so daß in einer Operation das Loch fertig gebohrt und geschnitten wird, ohne daß jedoch das im Hauptrohre enthaltene Wasser aus dem Wechselgehäuse dringen kann, nachdem der Bohrer durch das genau passende Futter f (Fig. 20) abgedichtet wird. Um das etwa doch durchsickernde Wasser abzuleiten, ist im Wechselgehäuse eine Bohrung angebracht, an welche ein Kautschukschlauch p (Fig. 19) angesetzt ist. Nach vollendeter Bohrarbeit wird das Werkzeug herausgezogen und der Wechsel (Fig. 21) geschlossen, hierauf der in Figur 24 gezeichnete Hahn h mit dem langen Ansatzrohr, dessen Durchmesser selbstverständlich mit dem Bohrer übereinstimmt, in das Wechselgehäuse eingeführt, der Wirbel geöffnet und das Zweigrohr h in das gebohrte Loch eingeschraubt, worauf der Bügel vom Hauptrohre abgenommen und das zweitheilig construirte Wechselgehäuse e abgeschraubt wird.

Für den Fall, als der in Figur 24 dargestellte Hahn h vermieden werden soll, genügt es, ein Zweigrohr, welches in der aus Figur 25 ersichtlichen Weise zusammengesetzt ist, in das Hauptrohr einzuschrauben. Hier ist zwischen den beiden durch schwaches Anziehen der Muffe verbundenen Röhren eine dünne Glasplatte eingelegt und durch Kautschukringe auf beiden Seiten abgedichtet. Nach Befestigung des Rohres und Completirung der Leitung wird dann die Communication mit dem Hauptrohr einfach dadurch hergestellt, daß das eine der beiden Rohre fester angedreht wird, worauf die Glasplatte zerspringt und die Splitter von dem durchströmenden Wasser rasch ausgewaschen werden.

27. Patterson's Druckblöcke für Holzhobelmaschinen. (Fig. 26 [d/2].)

Die gewöhnlich bei Holzhobelmaschinen angewendeten Pressionsrollen haben den Nachtheil, daß sie vermöge ihrer Form das zu hobelnde Bret nicht unmittelbar vor dem Messerkopf halten können und so bei schwachen Bretern schädliche Schwankungen gestatten, besonders, wenn das eine Ende eines zu hobelnden Bretes die Frictionsrolle noch nicht erreicht oder schon verlassen hat, wie dies regelmäßig beim Einschieben |404| oder Abnehmen eines Bretes geschieht. Um dies zu vermeiden, wendet C. R. Patterson aus Pittston (Pennsylvanien) zwei Reihen von Druckblöcken an, welche vor und hinter dem Messerkopfe in je einem Querarme a oder b des Maschinengestelles mit Frictionsrollen gehalten und durch Kautschukfedern f und g, welche durch Schrauben s und t anzuspannen sind, unabhängig von einander nach abwärts gedrückt werden. Auf diese Weise können sich die Blöcke genau den Unebenheiten des eintretenden Bretes anschmiegen und halten es auf beiden Seiten des Messerkopfes fast unmittelbar bei der Schnittkante fest. Da bei den amerikanischen Holzhobelmaschinen die Messer in der Richtung gegen die Bewegung der herankommenden rauhen Holzoberfläche arbeiten4), so verhütet der Druckblock auch das Reißen und Splittern des Holzes.

28. Raddin's automatisch schließende Waggonkupplung. (Fig. 27 [d/4].)

Nachdem die amerikanischen Wagenkupplungen durchaus ohne Vorrichtungen zum Verlängern oder Verkürzen, nachdem sie ferner alle einseitig sind, ohne Nothketten und ohne Höhenadjustirung, so ist auch die Construction einer automatisch schließenden Kupplung eine außerordentlich leichte Aufgabe, und wir führen die in Figur 27 skizzirte Kupplung als einfachste und beste verschiedener ähnlichen Ausstellungsobjecte hauptsächlich deshalb hier an, um darzulegen, wie verschiedene Gestalt dasselbe technische Problem5) unter verschiedenen Himmelsstrichen annehmen kann.

A ist ein gußeiserner Barren, welcher mit dem Wagengestelle verbunden ist, und der vorn in einen offenen Kasten ausgeht, welcher durch eine Scheidewand in zwei Theile getheilt ist, um je nach der Höhenlage der zu kuppelnden Wagen den Kupplungsbügel oben oder unten einzulegen; bei zu großen Höhendifferenzen pflegt man auch abgebogene Kupplungsglieder zu nehmen, deren der Zugführer immer welche im Vorrath hat. Insoweit stimmt die hier skizzirte Kupplung vollkommen mit der gewöhnlichen und allgemein verbreiteten überein, bei welcher es die Aufgabe des bedienenden Arbeiters ist, den Kupplungsbügel der einen in die Oeffnung der andern Kupplung einzuführen und nach erfolgtem Zusammenstoßen der Waggons den Kupplungsbolzen durchzustecken. Statt dessen hat die Raddin'sche Kupplung den Kupplungsschuh in der Mitte gespalten und eine Klaue c eingesetzt, die um einen Zapfen i drehbar ist und in Folge ihres Uebergewichtes sofort nach vorwärts |405| fällt, sowie die Kupplungsbolzen ausgezogen und der Bügel ausgehängt ist. Dabei unterstützt die vorgefallene Klaue c den Bolzen b in seiner höchsten Stellung, wie dies auf der linken Seite der Figur 27 dargestellt, während auf der rechten Seite ersichtlich ist, wie der Kupplungsbügel bei zurückgeschobener Klaue c im Innern des Gehäuses festgehalten und am Herabsinken gehindert wird. In dieser Lage genügt es dann einfach, die Waggons zusammen zu schieben, worauf die Klaue c der linken Seite zurückweicht, der Kupplungsbolzen b einfällt und die Kupplung geschlossen ist.

(Fortsetzung folgt.)

|400|

Beispiele von Wasserversorgung ohne Hochreservoirs liefern u.a. Braunschweig und Berlin.

|401|

Diese hohen Versicherungsprämien trotz der besten Vorkehrungen gegen Feuersgefahr können übrigens kaum überraschen, wenn man bedenkt, daß selbst in New-York eine große Zahl inmitten der Stadt gelegener Häuser aus Holzpfosten mit Breterverschalung hergestellt sind, und damit auch alle umliegenden Gebäude der größten Gefahr aussetzen. Kommt hierzu die excessive, ununterbrochene Hitze der letzten Monate und die allgemeine Spielerei mit allem möglichen Feuerwerk, die an besondern Festtagen entfaltet wird, so ist es wohl erklärlich, daß am 4. Juli, dem hundertjährigen Unabhängigkeitsfeste, allein in New-York an hundert Häuser in Brand gerathen sind.

|402|

Für diesen Zweck sind schon verschiedene Apparate angegeben worden, so z.B. von Schäffer und Budenberg 1860 157 76; Upward *1861 162 107; J. Sommerville *1862 165 182; Cordier *1864 174 174.

|404|

Vgl. Prechtl's technologische Encyklopädie, 3. Supplementband S. 493.

|404|

Vgl. Fuchs *1874 212 203. Brockelbank *1875 216 24. Massing *1875 218 23. Obermaier *1876 219 494.

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