Titel: Ramdohr, über Sachsenberg und Brückner's Kugelmühle.
Autor: Ramdohr, J.
Fundstelle: 1876, Band 221 (S. 418–421)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/ar221108

Sachsenberg und Brückner's Patent-Kugelmühle zum Zerkleinern und Pulverisiren von Erzen, Hüttenproducten, Chamotte, Schwerspath u.s.w.; von J. Ramdohr.

Mit Abbildungen auf Taf. X [d/1].

Der nachstehend beschriebene, von Gebrüder Sachsenberg und W. Brückner in Roßlau a/E. (Herzogthum Anhalt) construirte und für die meisten größern Staaten patentirte Apparat unterscheidet sich namentlich hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit so wesentlich von den verschiedenen Zerkleinerungsapparaten älterer Construction (Kugelmühlen, Pulverisirtrommeln, Koller- und Mahlgängen, Disintegratoren etc.)1), daß er wohl verdient, allgemeiner bekannt zu werden. Im Voraus mag aber hier bemerkt sein, daß die neue Kugelmühle nur für harte, trockene und nicht schmierende Körper mit Vortheil verwendbar erscheint, also namentlich für Erze, Hüttenproducte, Gyps, Schwerspath, Chamotte, Kohle, Glasurschlacken, Gewürze, Droguen und ähnliche Körper.

Die erste Veranlassung zur Construction der Kugelmühle ging von der „Mansfelder Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft“ aus, welche auf dem Hüttenwerke „Gottes Belohnung“ bei Hettstedt den Kupferstein (aus erbsen- bis bohnengroßen Stücken mit 70 bis 75 Proc. Kupfer, 1/3 Proc. Silber und etwas Eisen bestehend) bisher auf einer Reihe von Mahlgängen mit französischen Steinen von 1m,100 Durchmesser zu feinem Mehl vermahlen ließ, dabei aber sehr stark mit dem Uebelstande zu |419| kämpfen hatte, daß das in dem Material enthaltene metallische Kupfer zwischen den Steinen zu Plättchen von verschiedener Dicke zerdrückt wurde, welche sich zwischen den Steinen festsetzten und sehr häufig Brüche in verschiedenen Theilen der Mahlgänge herbeiführten. Außerdem verursachte das Vermahlen des Kupfersteins sehr viel Staub, welcher nicht allein der Gesundheit der Arbeiter sehr nachtheilig, sondern auch mit erheblichen pecuniären Verlusten verbunden war, da 100k des Kupfersteins einen Werth von etwa 360 M. haben und der Werth des darin enthaltenen Silbers dem des Kupfers ungefähr gleich steht.

Die Figuren 13 und 14 zeigen die zum Pulverisiren des Kupfersteins bei der Mansfelder Gewerkschaft bis jetzt schon in fünf Exemplaren eingeführte Kugelmühle in der von den Fabrikanten als Construction I bezeichneten Einrichtung. Sie besteht aus einer mit zwei Mänteln versehenen Trommel A, welche um die hohlen Zapfen B und B' in Lagern aus Pockholz drehbar ist und durch Riemenbetrieb und Rädervorgelege mit einer Geschwindigkeit von 19 bis 20 Touren pro Minute bewegt wird. Der innere Mantel der Trommel besteht aus starken, rostartig neben einander gelegten gußeisernen Stäben E, der äußere (F) dagegen aus einem Siebe von Messingdraht mit nahezu 200 Maschen pro 1qc. Im Innern der Trommel A liegen 500 bis 1000k gußeiserne Kugeln von 50 bis 160mm Durchmesser; für den Mansfelder Kupferstein speciell hat sich ein Kugelgewicht von 600k mit Kugeln von 50 bis 105mm Durchmesser, darunter 500k Kugeln von 65mm Durchmesser, am besten bewährt.

Das zu vermahlende Gut gelangt aus einem oberhalb der Maschine befindlichen Rumpfe durch das Rohr D und den hohlen Zapfen B in die Trommel A, um hier der zermalmenden Wirkung der Kugeln ausgesetzt zu werden. Das auf diese Weise entstandene Mehl oder Schrot fällt sofort durch die Spalten des rostartigen innern Trommelmantels auf das Sieb F, welches nur die ganz feinen Theile hindurch läßt; diese sammeln sich unter der Kugelmühle zwischen dem Fundamentmauerwerk an, von wo aus sie in geeigneter Weise weiter geschafft werden. Die durch das Sieb F nicht hindurch gehenden groben Theile werden durch im Innern der Trommel angebrachte, gekrümmte, schaufelartige Canäle G nach dem hohlen Zapfen B' und durch diesen in das Innere der Trommel zurückgeführt, um von Neuem der Einwirkung der Kugeln unterworfen zu werden.

Ueber die Leistungsfähigkeit der Kugelmühle hinsichtlich des Mansfelder Kupfersteins liegen folgende Betriebsresultate vor. Eine jede Mühle liefert in 24 Stunden durchschnittlich 10000k fein gemahlenen |420| und gesiebten Kupferstein, während die Leistung einer der alten Mahlgänge in gleicher Zeit nur 2000 bis 2500k Schrot betrug, welches zur Erzielung fertigen Mahlgutes erst noch besondere Siebwerke zu passiren hatte. – Der Preis für den Apparat nach Construction I beträgt, excl. der Kugeln, 6000 M.

Eine wesentlich einfachere, billigere, von den Fabrikanten als Construction II bezeichnete Einrichtung ist in den Figuren 15 und 16 dargestellt. Sie dürfte für die allermeisten technischen Zwecke genügen; ihr Preis ist nur 3/8 von dem der Construction I, nämlich 2250 M. – Die Kugelmühle II besteht nicht aus einer cylindrischen, sondern aus einer kugelförmigen Trommel A, deren Mantel durch die sechs 250mm breiten Schlitze J gleichmäßig durchbrochen ist. In der Zone dieser Schlitze und etwa 100mm von ihnen entfernt ist rings um die Trommel herum das 250mm breite Metallsieb F gelegt worden, welches dem Feinen gestattet, mittels der gekrümmten Canäle K dem hohlen Zapfen B' zu- und aus diesem auszufließen, während das Grobe durch die Canäle G in das Innere der Trommel zurückgeführt wird. Das fertige Mahlgut läuft aus B' entweder frei ab, oder wird durch ein gut abgedichtetes Mundstück weiter geführt. – Die Zuführung des rohen Mahlgutes erfolgt, wie aus Figur 15 leicht ersichtlich, aus dem Trichter D durch den Zapfen B. Die Bewegung der Trommel erfolgt direct durch Riemenbetrieb mittels der Riemenscheibe L (Fig. 15).

Eine Mühle nach Construction II war in der Zeit vom 28. Juni bis 1. Juli auf dem Maschinenmarkte zu Halle a/S. im Betriebe und zerkleinerte dort große Mengen glasharter Scherben von Steingutröhren; seit einiger Zeit sind Apparate gleicher Construction im Betriebe: bei H. Polko in Bitterfeld für Chamotte, bei Fr. Chr. Fikentscher in Zwickau für Chamotte und Glasur, und bei Fr. Pabst in St. Johann-Saarbrücken für Glasurschlacken.

Für Handbetrieb, zum Pulverisiren von Gewürzen, Droguen, Farben u. dgl., werden kleinere Kugelmühlen aus Stahlblech mit Stahlkugeln angefertigt.

Im Allgemeinen bemerke ich hinsichtlich dieses neuen Apparates noch Folgendes. Da die große Leistungsfähigkeit der Kugelmühle überhaupt auf der großen Berührungsfläche, welche zwischen der großen Menge der mahlenden Kugeln und dem Mahlgute hergestellt ist, sowie ferner darauf beruht, daß das Feine beständig abgesondert wird, um dadurch die große Berührungsfläche für das frisch zuzuführende Rohmaterial frei zu erhalten, so ist selbstverständlich stets für eine recht gleichmäßige Beschickung des Apparates zu sorgen, und es darf besonders keine Ueberfüllung |421| der Trommel stattfinden. Der normale Gang der Mühle, d.h. das richtige Verhältniß zwischen dem Gewichte der mahlenden Kugeln und dem des zwischen ihnen lagernden Mahlgutes, gibt sich stets durch einen eigenthümlich hellen Klang zu erkennen, welchen die Kugeln beim Gange der Mühle hören lassen. Für Kupferstein z.B. hat sich als das beste Verhältniß ergeben, daß auf 600k Kugelgewicht sich stets 25k Mahlgut zwischen den Steinen befinden.

Hinsichtlich der Abnützung der Kugeln haben vergleichende Beobachtungen ergeben, daß beim Vermahlen von 5000k Kupferstein die in der Mühle vorhandenen 600k gußeiserner Kugeln 8k, ein gleiches Quantum schmiedeiserner Kugeln dagegen nur 1k und gußstählerne noch weit weniger am Gewicht verloren haben, so daß bei der Verarbeitung sehr harter Substanzen die Anwendung schmiedeiserner oder stählerner Kugeln zu empfehlen sein dürfte. Hinsichtlich der Abnützung von Hartgußkugeln liegen Beobachtungen nicht vor.

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Man vergleiche u.a. Kinkelin's Pulverisirmühle, *1874 214 24. Dingey's Mineralmühle, *1874 214 371. Pulverisirtrommel, *1875 216 248. Hanctin's Kugelmühle, *1876 220 405.

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