Titel: Wesenberg's Schmauchapparat.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221 (S. 428–430)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/ar221113

Ein neuer Schmauchapparat.

Mit einer Abbildung.

Bekanntlich erhalten Verblendziegel, Terracotten u. dgl. ein um so schöneres, reineres Aussehen, je schneller sie trocknen, je trockner sie in die Oefen eingesetzt werden und je sorgfältiger und vollkommener sie vor dem Brande abgeschmaucht sind. Ainslie (1844 93 98) ließ sich bereits am 30. September 1843 ein Verfahren patentiren, nach welchem die geformte Thonmasse mittels kleiner, auf Schienen laufenden Wagen in einen aus Ziegelsteinen erbauten Raum gebracht wird, durch den ein 25 bis 30° warmer Luftstrom durchzieht. Auf demselben Principe beruht ein neuer Ofen zur künstlichen Trocknung von Thonwaaren von Otto Bock, welcher Aehnlichkeit mit seinem Brennofen (*1875 216 200) hat. Wir werden später auf denselben zurückkommen.

Für den Ringofenbetrieb hat Wesenberg (Töpfer- und Zieglerzeitung, 1876 S. 185) einen kleinen transportabeln Schmauchofen construirt, der sich seit 1 1/2 Jahren auf den Siegersdorfer Werken bewährt hat. Dieser gußeiserne Ofen hat eine viereckige längliche Form, ist etwa 75cm lang, 50cm hoch und 40cm breit, besteht aus zwei Seitentheilen, zwischen denen ein Treppenrost liegt, welcher die eine |429| schmale Seite abschließt; an dem untern Ende des Treppenrostes folgt noch ein kleiner Planrost, welcher gleichsam den Boden des Ofens bildet.

Textabbildung Bd. 221, S. 429

Die Beschickung, welche aus Steinkohlen-, Braunkohlen-, Torfgruß oder sonst beliebigem geringem Brennmaterial bestehen kann, geschieht mittels eines über dem Treppenrost befindlichen Fülltrichters, wird durch einen Schieber regulirt und ist selbstthätig. Die obere Seite des Ofens wird entweder durch größere Ziegel oder durch eine gußeiserne Platte abgeschlossen. Die dem Treppenrost entgegengesetzte Seite ist offen, und zieht durch diese die Flamme in die Kammer des Ringofens. Der ganze, ungefähr 90k schwere Schmauchofen ruht auf kleinen gußeisernen Rädern, ist also fahrbar und kann hierdurch schnell und bequem im vollen Brande von einer Kammer zur andern durch einen Arbeiter gerollt werden. Selbstverständlich kann der Schmauchofen nur bei den Kammern hinter dem ersten Schieber, die sich also nicht unmittelbar vor dem Feuer befinden, in Anwendung kommen.

Die Benützung des Apparates geschieht auf folgende Weise: Man läßt an dem Boden der Thür der abzuschmauchenden Kammer eine entsprechend große Oeffnung, vor welche die offene Seite des Apparates ungefähr paßt, schiebt denselben, nachdem er in Brand gesetzt worden ist, vor dieselbe und läßt das Feuer in den Ringofen einströmen. Man muß daher so viel Oefen in Betrieb setzen, als Kammern abzuschmauchen sind, also 4 bis 6 Stück für einen Ringofen in Bereitschaft halten. Es ist sehr vortheilhaft darauf zu halten, daß das Feuer im Schmauchofen mit |430| Lebhaftigkeit brennt und die Oeffnung in der Thür der Kammer nicht kleiner als die des Schmauchofens ist, damit so viel wie möglich Luft durch erstere mit hinein ziehen kann.

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