Titel: Pfuhl, über die Jute und ihre Verarbeitung.
Autor: Pfuhl, G.
Fundstelle: 1876, Band 221 (S. 501–510)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/ar221129

Die Jute und ihre Verarbeitung; von Ingenieur G. Pfuhl, Lehrer am Polytechnicum in Langensalza.

Mit Abbildungen.

Einleitung.1)

(Nachdruck vorbehalten.)

Von allen fremdländischen Pflanzenfaserstoffen, wie Neuseeländischer Flachs (Phormium tenax), Manilahanf (Musa Textilis, M. troglodytarum), Ostindischer Hanf (Crotalaria juncea), Bombayhanf (Hibiscus cannabinus), Cocosbast (Faser von der Fruchtrinde der Cocospalme), Chinagras (Böhmeria nivea), Ramiefaser (Böhmeria tenacissima), hat die Jute – die Bastfaser zweier mit einander nahe verwandten Pflanzen, welche der Familie der Tiliaceen angehören, nämlich der Corchorus capsularis und der Corchorus olitorius – die weiteste Verbreitung in der europäischen Textilindustrie gefunden. Diese aus Ostindien stammenden Pflanzen, welche jetzt auch in andern warmen Ländern, z.B. in Algier, Französisch-Guyana, Mauritius etc. angebaut werden, fanden zuerst in Dundee 1832 als Spinnstoff Eingang, und ist jetzt dieser Ort der Hauptsitz der bereits großartig entwickelten Industrie. Später verbreitete sich dieser Industriezweig auch nach andern Ländern und fand im J. 1861 zuerst Eingang in Deutschland in Vechelde bei Braunschweig, wo sich um die Einführung dieses Stoffes der jetzige Generaldirector der Braunschweigischen Actiengesellschaft für Flachs- und Jute-Industrie in Braunschweig, Hr. Julius Spiegelberg, in hervorragender Weise mit Erfolg bemühte.

Die Vorurtheile gegen die Erzeugnisse aus diesem Spinnstoffe, welche nur langsam überwunden werden konnten, und die erschwerenden Umstände, welche einer Entwicklung dieser Industrie in Deutschland entgegen standen – und noch stehen, da dieselbe ohne Schutzzoll gegen die mächtige englische Concurrenz anzukämpfen hat, waren Veranlassungen, daß sich dieselbe erst in den letzten Jahren genügend befestigt hat. Die außer in Braunschweig jetzt am Rhein, in Wien, in Hannover, in Oldenburg, in Bremen und in Meißen bestehenden größern Etablissements verarbeiten ca. 300000 Ctr. Rohjute, können aber den Bedarf an Jute-Artikeln in Deutschland und Oesterreich bei weitem nicht decken, so daß eine weitere Ausbreitung und Entwicklung dieser Industrie auch bei uns zu erwarten steht.

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Auch in Ostindien und Nordamerika ist die Jute-Industrie seit einigen Jahren emporgeblüht, in ersterm Länderreich durch die Billigkeit des Rohmaterials und der Arbeitslöhne, in letzterm durch hohe Schutzzölle außerordentlich begünstigt. Amerika hat jetzt in den südlichen Ländern, wie Florida, Louisiana, Texas und Missisippi die Jutepflanze anzubauen versucht und dürfte, falls dies dauernd gelingen sollte, als ein hervorragend begünstigter Producent von Jute-Artikeln auftreten können. Während in den europäischen Ländern und in Nordamerika der Verbrauch an Rohmaterial bereits über 6 Millionen Ctr. gestiegen ist, entzieht sich der Consum dieses Materials in den Heimathsländern der Pflanzen jeder nur annähernd genauen Schätzung.

Die Ermittlungen, welche die englische Regierung über die Verbreitung und den Anbau der Jutepflanzen in Indien angestellt hat, haben ergeben, daß ein viel größeres Rohjute-Quantum vorhanden ist, als bis jetzt verbraucht wird, und daß der Anbau der Pflanze in ausgedehntestem Maße fortgesetzt werden kann. Von Jahr zu Jahr erobert sich aber auch dieses schöne Material mehr Terrain, und seine Verbreitung steigt mit der zunehmenden Erkenntniß seiner Verwendbarkeit zu den verschiedensten Artikeln, deren Billigkeit mit schönem äußern Ansehen und Gediegenheit wetteifert.

Die Jutefaser wurde in ihrem Heimathslande größtentheils durch Hausindustrie, neuerdings wird sie aber auch in besondern Fabriken zu Stricken und Seilen verarbeitet, und werden aus dem Gespinnste Gewebe hergestellt, von denen die feinern zu Kleidungsstücken, die gröbern aber als Material für Säcke zum Verpacken von Reis, Kaffee, Baumwolle, Zucker etc. – bekannt als Gunnysäcke – im ausgebreiteten Maße Verwendung finden. Nach englischen statistischen Nachweisen sollen Ende 1875 bereits 3690 mechanische Webestühle in Indien in Betrieb gesetzt worden sein, die monatlich 6730360 Säcke zu liefern im Stande sind, und sollen bis Ende Juni 1876 im ganzen 4500 mechanische Stühle mit einer monatlichen Production von 8190000 Säcken in Thätigkeit gelangen.

Die bessern Jutegewebe heißen in Bengalen „Megila“, die geringern zu Packtuch verwendeten „Tat“ oder „Choti“, und soll sich von letzterm Ausdruck der Name „Jute“ herleiten. Jute war anfänglich die Bezeichnung der Hindus für das Gewebe und bedeutete soviel wie „Zeug“; doch wird jetzt der Name auch auf die rohe Corchorusfaser angewendet.

Die europäische Industrie stellt aus der Faser verschiedene Gewebe her, von denen die hauptsächlichsten nach schottischer Bezeichnung sind:

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Baggins, ein loseres, weniger dichtes, grobes Gewebe, welches als billigstes Verpackungsmaterial benützt wird.

Tarpawlings, ein festeres, stärkeres, ebenfalls grobes Gewebe, welches besonders zu Säcken für diejenigen Artikel gebraucht wird, bei denen es auf Stärke und Dichtigkeit ankommt, also für Mehl, feinen gemahlenen Zucker, Cement etc.

Twilled Sackings, ein Zwillich- oder Drillich-Gewebe, von sehr großer Festigkeit und Dauerhaftigkeit; dasselbe wird zum Emballiren von schweren Gütern, von gepreßten Ballen, von Wolle, Hopfen, auch Cement, Gyps, Kaffee etc. benützt.

Hessians, das feinste und schönste Gewebe, dient zum Verpacken feinerer Waarencollis, aber auch zu Säcken für Salz, Rohzucker, künstlichen Dünger etc., auch als Futterleinen, zur Herstellung von Matrazen etc.

Es werden, da sich Jute sehr leicht bleichen und alsdann schön färben läßt, Teppiche, Läufer, Tischdecken, Vorhänge von sehr gediegenem Aussehen und großer Haltbarkeit aus derselben hergestellt. Man benützt ferner die Jutegarne, sowie daraus gefertigte Zwirne in rohem, wie gebleichtem und gefärbtem Zustande zu den verschiedensten Artikeln, wozu man sonst Baumwolle verwendete, so auch als Kette mit Baumwolle, Wolle und Flachs vermischt in Hosenstoffen, Bettdrellen, Möbelripsen etc.; auch zu Jagd- und Feuerwerkszündern, Lampendochten, zu Gurten, zu Kordel, zu Stramin aller Art und vielen kleinern Artikeln, die zwar an sich nicht bedeutend sind, aber in ihrer Gesammtmasse ein großes Quantum repräsentiren, werden die Garne verwendet. Die rohe Jute findet ferner zum Umwinden von unterseeischen Telegraphenkabeln vielfache Verwendung, während in neuester Zeit dieselbe in der Chirurgie als Verbandmittel (Verband-Jute), zu welchem Zweck sie besonders zubereitet wird, Verwendung gefunden hat.2)

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Die bei der Fabrikation von Jute-Artikeln sich ergebenden Abfälle werden theils als geschätztes Putzmaterial in Eisenbahnwerkstätten und Maschinenfabriken, theils als Polstermaterial verbraucht. Die geringern, ganz kurze Fäserchen enthaltenden Abfälle wandern in die Papierfabriken, und der bei der Reinigung der Abfälle sich abscheidende Staub und Schmutz, welcher noch etwas kürzere Fasern, sodann aber Theilchen von dem Bast und den Stengeln der Pflanze enthält, wird als Düngungsmaterial benützt.

Nur wenige Jahrzehnte sind vergangen, seit die Jutefaser in Europa bekannt wurde, und nur wenig über ein Decennium ist verflossen, seit die Verarbeitung derselben in Deutschland begonnen hat, – und schon hat dieselbe, trotzdem sie, wie später gezeigt werden soll, arg verleumdet wurde, ein so achtunggebietendes Feld sich erobert. Freilich haben auch einige verwandte Fabrikationszweige, wie z.B. die Fabrikation von Verpackungsmaterial aus groben Heedegarnen, Einbuße erlitten, haben sogar gänzlich eingestellt werden müssen; doch ist dies kaum zu beklagen, wenn der Ersatz betrachtet wird, welchen das billige und dabei so angenehm gelblich braune, glänzende Verpackungsmaterial aus Jute, gegenüber dem schmutzig grauen, unreinen, stacheligen Gewebe aus Heedegarnen bietet. Die Existenzberechtigung dieses letzterwähnten Industriezweiges hat eben mit Einführung der Jute aufgehört. Die Jutepflanze wird selbst bei gesteigerter Bodencultur im Heimathslande und durch ein noch sorgsamer überwachtes Röstverfahren, welchen Punkten die britische Regierung neuerdings erhöhte Aufmerksamkeit schenkt, nicht im Stande sein, den einheimischen Flachs oder Hanf zu verdrängen. Die Jutefaser besitzt nicht die Festigkeit des Hanfes und anderseits nicht die hohe Feinfaserigkeit bessern Flachses, wohl aber übertrifft sie in ihren guten Eigenschaften jedes ordinäre Flachsgewächs; deshalb sollte die Einführung der Jute ein Sporn sein für den Landwirth und Flachsspinner, die Cultur der edlern Leinenpflanze mit besonderer Liebe zu pflegen, damit derselben die feinen Garnnummern verbleiben; die groben sind unwiderruflich von der Jute, und zwar mit vollstem Recht, in Anspruch genommen.

Bei den weitern Mittheilungen über die Jute und ihre Verarbeitung ist folgende allgemeine Eintheilung zu Grunde gelegt worden:

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I. Abtheilung. 1) Gewinnung und Verpackung der Jutefaser. Eintheilung
in Qualitäten.
2) Eigenschaften der Jutefaser.
II. Abtheilung. Verarbeitung der Jutefaser, und zwar:
1) Das Erzeugen der Garne. a) Die Vorbereitung der
Faser zum Vorspinnen. b) Das Vorspinnen.
c) Das Feinspinnen und Zwirnen. d) Abfälle, deren
Verwendung und Verarbeitung. e) Das Weifen,
Numeriren und Packen.
2) Das Weben der gewöhnlichen Jute-Artikel. a) Vorbereitung
des Schusses und der Kette. b) Das Weben und Appretiren.
c) Herstellung der Säcke.
3) Allgemeine Mittheilungen über Betriebsführung,
Spinnkosten, Preise etc.
III. Abtheilung. Bauliche Mittheilungen. Stellung der Maschinen. Sheddächer.
Plan der Braunschweigischen Jutespinnerei und Weberei.

Es machen diese Mittheilungen weder den Anspruch der Vollständigkeit noch den der erschöpfenden Gründlichkeit. Verfasser hat nur die ihm aus seiner frühern praktischen Thätigkeit bekannten Zweige dieser Industrie einer Besprechung unterzogen, soweit er sich Material gesammelt und ihm solches durch die freundlichen Unterstützungen der HH. Julius Spiegelberg und Victor Rack zugänglich wurde.

I. Abtheilung.

1) Gewinnung und Verpackung der Jutefaser.
Eintheilung in Qualitäten
.

Die, wie erwähnt, aus dem südlichen Asien stammenden Pflanzen Corchorus capsularis und Corchorus olitorius, aus denen die Jutefaser gewonnen wird, sind einjährig und werden jährlich im Monat April oder Mai (wie bei uns der Flachs und Hanf) frisch gesäet. Die Pflanzen erreichen in etwa 100 Tagen nach ihrer Aussaat ihre Reife und dabei eine durchschnittliche Länge von etwa 12 Fuß englisch (3m,65), bei etwa 1/2 Zoll (13mm) Stengeldicke. Von den Eingeborenen werden die Pflanzen nicht blos als Fasermaterial, sondern auch in den Blättern und Schoten als Nahrungsmittel geschätzt, zu welchen Zwecken sie besonders cultivirt werden. Außer den erwähnten Corchorus-Arten dienen zur Fasergewinnung auch noch andere, so z.B. Corchorus decemangulatus, welche in den französischen Colonien angebaut werden. Häufig |506| findet man auch die im Handel vorkommenden Jutefasern mit andern indischen Fasern, welche nicht von den Corchorus-Gattungen abstammen, vermengt, z.B. mit den Fasern zweier indischen Malvaceen: Urena simata und Ablemoschus tetraphyllus. Da diese Fasern aber der Jutefaser an Dauerhaftigkeit und Festigkeit gleichkommen, sie sogar übertreffen, so darf man diese Vermengungen wohl nicht als eine Verfälschung betrachten.

Die Jutepflanze gehört zu denjenigen, bei welchen der spinnbare Faserstoff zwischen dem Bast und dem Stengel liegt, und besteht die Gewinnung der Spinnfaser darin, daß die (etwa im Monat August geernteten) Pflanzen einem Röstprocesse unterworfen werden – ähnlich dem, wie er bei uns zur Gewinnung der Flachs- und Hanffasern angewendet wird, – um den Bast von den Fasern und diese von dem holzigen Stengel zu trennen. Die Pflanzen werden zu diesem Zweck von den Nebenzweigen und Blättern befreit, bündelweise in fließendes Wasser oder auch in Teiche, die weit von den Dörfern abgelegen sind, gelegt und so beschwert, daß sie untersinken. Die hohe, in der Heimath der Pflanzen herrschende Temperatur begünstigt ein schnelles Vorschreiten des Röstprocesses, der schon nach wenigen, höchstens 8 Tagen beendet ist. Die Bündel werden nun von den Arbeitern, welche zu dem Zwecke ins Wasser steigen, stengelweise herausgeholt. Von jedem Stengel trennt man einen Baststreifen ab, worauf der übrige Theil der Faserschicht mit großem Geschick gänzlich von dem holzigen Stengel, der dabei ganz bleibt, abgezogen wird. Die der vollen Länge der Stengel entsprechende, gewonnene Faserschicht wird nun noch, um den anhaftenden Schmutz und Schlamm und die zerstörten Bastzellen zu entfernen, rasch einigemale durch das Wasser gezogen, dann in der Luft abgeschwenkt und endlich ans Ufer geworfen, wo sie rasch vollends trocknet. Eine weitere Zubereitung erhält der Faserstoff nicht, sondern er ist nach dem Trocknen bereits in dem reinen Zustande, in welchem er zur Verpackung und Versendung kommt.

Besondere Händler kaufen nun von den Producenten den so zubereiteten Faserstoff, verschiffen ihn nach Calcutta, wo er in sogen. Bazars durch eingeborene Makler für europäische Häuser in Calcutta gekauft wird. Hier findet das Sortiren des Faserstoffes und das Vereinigen in kleinere, lose verknüpfte Risten von etwa 3/4 Pfd. engl. (340g) Gewicht statt, aus denen dann größere Risten gebildet werden, die man ungefähr in der Mitte zusammenschlägt und nun mit Hilfe starker hydraulischer Pressen derart verpackt, daß die Köpfe der gefalteten Risten an den beiden schmalen Seiten des fertigen, ein Parallelepipidum bildenden Ballens |507| zu sehen sind. Die Verschnürung der Ballen findet meist mit Jutestricken statt, die aus ordinärer Faser geflochten sind. Durch die Verschnürung wird gewöhnlich ein Stück leichtes Jutegewebe (Markenlappen) auf den Ballen festgehalten, das die Qualitätsbezeichnung und die Marke des Hauses enthält, von welchem die Versendung bewirkt wird, wenn nicht auf kleinen, mit Draht befestigten Bretchen oder Leinwandstreifchen die Markirung ausgeführt ist. Durch die feste Verpackung der Faser wird die Nässe von derselben möglichst abgehalten, anderseits aber durch Verringerung des Volums eine Reducirung der Schiffsfracht erzielt. Die fertigen Ballen wiegen 300, 350 und 400 Pfd. engl. (zu 454g) und nehmen 5 solcher Ballen etwa 52 Cubikfuß engl. (zu 0cbm,02832) Schiffsfracht-Raum ein. Von Calcutta aus fast nur allein findet die Ausfuhr nach europäischen Häfen statt, vermittelt durch deutsche, in Calcutta und London domicilirte Firmen und durch griechische und englische Häuser. Seit einigen Jahren hat sich Dundee, Dank der Energie seiner Fabrikanten, zum hauptsächlichsten Jutemarkt emporgeschwungen, während sonst London und Liverpool die einzigen großen Stapelplätze für Jute waren. Versuche deutscher Fabrikanten, direct von Calcutta aus ihr Material zu beziehen, haben keine günstigen Resultate gehabt.

Man unterscheidet nun im Allgemeinen am Productionsmarkte die Qualitäten und Sorten von Rohjute nach den Districten, aus denen sie stammen, als:

Serajgunge, die von feiner Faser und guter Farbe ist und als beste Sorte angesehen wird.

Nerajgunge von gröberer Faser und gemischter Farbe.

Dacca, die eine harte Faser, grobe Wurzelenden und eine braun-gelbe, reine Farbe hat.

Daisee, auch Crown (Kronjute) genannt. Diese Sorte wird in der Nähe von Calcutta gebaut und gelangt erst 1 bis 3 Monate später (September oder October) als die übrigen Jutesorten zur Ernte; sie ist von sehr feiner Faser, aber von unbeliebter brauner Farbe.

Dowrah-Jute, hat grobe, harte und kurze Fasern mit starken bastigen Enden. Farbe gewöhnlich dunkelbraun.

Rejections sind harte, kurze, durch einander liegende Fasern, welche aus den übrigen Sorten aussortirt wurden.

Cuttings sind von den ordinären Sorten abgeschnittene Wurzelenden.

Die mit den Einkauf beschäftigten Häuser in Calcutta haben nun ihre besonderen Bezeichnungen für die sortirten Jutesorten, und zwar wie folgt:

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First Standard, beste Qualität
Medium Standard, zweite Qualität


wiederum je nach der
Länge und Feinheit der
Faser in drei Unterabtheilungen
getheilt, die entweder
mit 1, 2, 3 oder A, B, C,
oder 3, 4, 5 oder B, C, D
markirt sind.

Dowrah, ordinäre, bastige, kurze Jute.

Rejections (wie oben).

Cuttings (wie oben).

Man findet auch folgende Bezeichnungen:

1) Fine Quality, 2) Medium Quality, 3) Common Quality, 4) Low Quality, 5) Rejections und 6) Cuttings; ferner:

1) Good to fine, 2) Fair to good fair, 3) Middling to good middling, 4) Low to good Common, 5) Rejections, 6) Cuttings.

Die bessern Sorten sind auch hier, wie vorher angegeben, in drei Unterabtheilungen getheilt.

Jede Firma hat sodann noch ihre besondern Marken zur Bezeichnung der Qualität, so z.B.

die Firma B. und R. Doß in Calcutta:

Textabbildung Bd. 221, S. 508
Textabbildung Bd. 221, S. 508

Oder die Firma Ralli Brothers in Calcutta und London:

Textabbildung Bd. 221, S. 508

RB
verschieden
in den
Unterabtheilungen

Second Standard Quality.
Textabbildung Bd. 221, S. 508
Textabbildung Bd. 221, S. 508
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Die langen und ganz feinen Jutesorten werden in Schottland und Frankreich zu „Jute-Line“, in ähnlicher Weise wie Flachs, verarbeitet. In Deutschland wird nur „Jute-Tow“, ähnlich wie Werg oder Heede, gesponnen, und verwendet man hierzu die ersten Qualitäten, mit Ausnahme der langen Jute, zu Kettengarnen, die Medium oder zweiten Qualitäten, zu Schußgarnen von Nr. 3 bis 7, die ordinären Sorten zu Schuhgarnen von Nr. 1/2 bis 2 1/2.

Die von den ordinären Jutesorten abgeschnittenen Wurzelenden (Cuttings) finden namentlich in der Papierfabrikation Verwendung, oder werden in Amerika zu Schußgarnen der geringern Baumwollpacktücher (Cotton Baggins) verarbeitet.

Ueber die Unkosten, welche den deutschen Fabrikanten aus dem Ankauf und Transport der z.B. in London lagernden Juteballen nach Mitteldeutschland (Hannover) erwachsen, noch Folgendes: Es beträgt die Einkaufsprovision 1 bis 1 1/2 Proc., ferner die Courtage (Mäklerlohn) 1/2 Proc.; Dock- und Verschiffungsspesen von 5 bis 8 Shilling pro Tonne, je nach der Entfernung des Lagerortes von dem Schiffe, Fracht per Steamer von London bis Bremen oder Hamburg, je nach der Geschäftsconjunctur und Jahreszeit, von. 7 bis 12 Sh. pro Tonne. Die Spesen und die Fracht bis Hannover betragen etwa 70 Pf. pro 50k. Hiernach würden sich die Kosten pro 50k Rohmaterial in Hannover auf 1,5 bis 1,9 M., unter Umständen bis auf 2 M. berechnen.3)

In den deutschen Jutespinnereien pflegt man die Eintheilung der Jute in Sorten unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte zu bewirken. Um eine derartige Eintheilung zu verstehen, sei im Voraus bemerkt, daß man höchstens Nr. 10, und nur ausnahmsweise auch Nr. 12 oder 14, in deutschen Spinnereien zu spinnen pflegt, wo unter Garnnummer die Anzahl Gebinde (Leas) zu 300 Yards (274m,3) auf 1 Pfd. engl. (454g) zu verstehen ist, und zwar pflegen einige größere Spinnereien die Garne von Nr. 1/4 bis 5 incl. in drei Qualitäten zu spinnen, die man absteigend z.B. bezeichnet mit ss, s und c, oder 1., 2., 3. Qualität, während die Garne von Nr. 5 1/2 an bis 8 incl. in zwei Qualitäten ss und s oder 1. und 2. Qualität und schließlich die von Nr. 9 bis 14 nur in einer, der besten ss oder 1. Qualität hergestellt werden.

Da nun die Ketten- (Warp-) Garne außer größerer Festigkeit – dieselbe ist unter sonst gleichen Umständen lediglich von der schärfern oder |510| geringern Drehung abhängig – auch möglichste Egalität des Fadens voraussetzen, diese aber von der Reinheit und Güte des Materials wesentlich abhängig ist, so pflegt man die Kettengarne meistens nur in bester Qualität zu spinnen. Wenn man nun außerdem noch berücksichtigt, daß, je stärker die Garnnummer wird, ein um so geringeres, weniger feines Material nöthig ist, um eine bestimmte Qualität zu erzeugen, so wird die folgende Eintheilung in sechs Jutesorten verständlich sein. Weil nun die höheren Garnnummern nur ausnahmsweise verlangt werden, so bezeichnet man wohl auch die beste zu diesen Nummern geeignete Sorte mit 0 und erhält demnach Folgendes:

0. Sorte Jute zu 10 ss Weft und Warp; 7 ss und 8 ss Warp;
1. 3 ss bis 6 ss und 8 ss Weft;
2. 3 ss 6 ss Weft 8 s
3. 1 ss 2 2/3 ss 3 s bis 7 s Weft:
4. 1 s 2 1/2 s 3 c „ 5 c
5. 1/4 c 2 2/3 c (zu dieser Sorte gehören
auch die Jutestricke von den Ballen).

Manche Spinnereien erzeugen auch nur zwei Qualitäten Garn und verzichten auf das Spinnen der höheren Nummern ganz. In diesem Falle ist natürlich die Eintheilung der Jute nach einem andern Plane aufzustellen.

(Fortsetzung folgt.)

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Bei Bearbeitung der Einleitung und des 1. Abschnittes wurden benützt: Referat von Julius Spiegelberg in Braunschweig über Jute-Industrie; Wiesner's Abhandlungen über die Jutefaser in Dingler's polytechn. Journal, 1869 194 244. 1874 213 525; endlich die Notiz, ebendaselbst 1863 168 465.

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Die Jute wird entweder, wenn sie in der Chirurgie Anwendung findet, mit Salicylsäure (Salicyl-Jute), oder mit Karbolsäure (Karbol-Jute) getränkt, im erstern Falle im trockenen, im letztern im halbfeuchten Zustande angewendet, und hat sich besonders die letzte Art der Anwendung außerordentlich bewährt. – Das Aufsaugungsvermögen der Jute, bedingt durch die Hohlräume der Elementarfasern, ist nämlich sehr groß und die Verdunstung relativ gering, weshalb die stark ausgedrückten und sich fast trocken anfühlenden Jutekuchen doch noch mit Sicherheit antiseptisch wirken. Die Jute übertrifft in dieser Hinsicht sowohl die Baumwoll-, wie die Leinenfaser, so daß, außerdem noch begünstigt durch ihren außerordentlich niedrigen Preis (50k rohe Faser besserer Qualität kosten loco Hannover etwa 18 bis 24 M.), ihre ausschließliche Verwendung für diesen Zweck zu erwarten steht. (Näheres hierüber enthalten die Mittheilungen des Stabsarztes Dr. R. Köhler in der Deutschen medicinischen Wochenschrift, 1876 S. 246.)

Es eröffnet sich hierdurch der Industrie in der Herstellung der geeignetsten Form, in welcher die Jute zur Verwendung gelangen kann, ein neues, nicht unergiebiges |504| Feld. Eine etwaige Besorgniß, daß im Kriegsfalle und bei eintretender Blockade unserer Zufuhrhäfen dieses Material nicht in genügender Menge sich würde zu dem beregten Zwecke beschaffen lassen, erscheint wohl unnöthig, da die deutschen Spinnereien stets einen derartigen Vorrath von Rohmaterial besitzen, welcher mehr als genügend ausreichen würde, selbst wenn nur ein Theil zu Verbandzwecken verarbeitet wird. Zudem würden sicher die deutschen Spinner, bei Voraussicht einer derartigen Eventualität, ihren Vorrath an Rohmaterial gegen den augenblicklichen erheblich vermehren.

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Die Angabe der Marktpreise findet stets pro Tonne statt, und bekanntlich ist 1 Tonne = 20 Ctr. engl. = 2240 Avoir-Pfund = 2032 Zollpfd. = 1016k wonach sich leicht aus dem Einkaufspreis unter Zurechnung der Spesen der Preis des Rohmaterials loco Hannover berechnen läßt.

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