Titel: Ueber Brünirung des Eisens; von Ph. Heß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 12 (S. 94–95)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi01_12

Ueber Brünirung des Eisens; von Ph. Heß.

Die heute noch fast ausschließlich verwendeten ältern Brünirungsmethoden laufen durchwegs auf die Bildung einer künstlichen Rostschichte hinaus und erfordern insgesammt eine ziemlich langwierige Behandlung der Eisenflächen.

Ein dem technischen und administrativen Militär-Comité in Wien (vgl. dessen Mittheilungen, 1876 S. 37) vor Kurzem vorgelegter brünirter Maschinenbestandtheil zeigte ein von den sonst üblichen brünirten Flächen abweichendes Aussehen; er war schwarz, mit graphitartigem Glanze an der Oberfläche und besaß eine gut haftende Schutzschichte, welche unter der Behandlung mit metallenen Kratzbürsten keinen Schaden litt. Die Schutzschichte bestand nach der chemischen Untersuchung aus Eisenoxyduloxyd. Das Aufbringen dieser Verbindung auf die Eisenfläche kann nun auf verschiedene Art erfolgen. Man kann die Eisenfläche mit Leinöl bestreichen und dann erhitzen, wobei, wie es scheint, neben ausgeschiedenem Kohlenstoff als wesentliche Schutzschichte Eisenoxyduloxyd gebildet wird. Für Bestandtheile, die eine Erhitzung nicht zulassen oder eine solche schwer vertragen, läßt sich nach Thirault's Methode |95| die genannte Schutzschichte auch dadurch aufbringen, daß man auf dem Eisen eine gleichförmige Schichte von Rost (Eisenoxydhydrat) erzeugt und diesen durch Eintauchen in heißes Wasser (80° bis 100°) in Eisenoxyduloxyd überführt.

Nach Versuchen, welche ich hierüber anstellte, gelingt eine solche Brünirung noch rascher, wenn man den Eisenkörper in eine angesäuerte Lösung von Eisenchlorid taucht und darin einige Zeit verweilen läßt; es bildet sich eine schwarze Haut von Eisenoxyduloxyd, welche beim Eintauchen in heißes Wasser sich an die Eisenmasse fest anlegt, und nach dem Abtrocknen mit Leinöl oder Wachs eingerieben werden kann. Die Bildung der Eisenoxyduloxydschichte geschieht in den letztgenannten Fällen unter dem reducirenden Einflusse des Eisens auf das Eisenoxyd und seine Salze: 4 Fe₂O₃ + Fe = 3 Fe₂O₄.

Die Vortheile dieser Eisenoxyduloxyd-Brünirung (Magneteisenstein-Brünirung oder Hammerschlag Brünirung, wie man sie nennen könnte) bestehen darin, daß sie rascher herzustellen ist als die Eisenoxyd-Brünirung, und daß sie sich zum Eisen selbst günstiger verhalten soll als die letztere. Versuche im Kleinen lehren indessen, daß auch bei der neuen Brünirung das Eisen unter ungünstigen Umständen etwas rostet, wobei jedoch der Rost durch Kratzbürsten leicht beseitigt werden kann, ohne die Brünirung selbst zu verletzen. Ein Rosten des Eisens unter der Brünirung, so wie es bei der alten Brünirung leicht vorkommt, wobei die Schutzschichte sich aufblättert und abhebt, ist bei der Hammerschlag-Brünirung noch nicht beobachtet worden.

Ich empfehle schließlich zur Erzeugung einer sehr schönen, glänzend blauschwarzen, dauerhaften Rostschutzschichte auf Eisen die Anwendung des Kupfersulfürs, welches meines Wissens zu diesem Zwecke noch nicht in Vorschlag gebracht worden ist.

Die gut gereinigten Eisentheile werden wenige Minuten lang in eine Kupfervitriollösung gehängt, so daß sich eine zarte Haut von Kupfer auf der Oberfläche bildet; schwenkt man die mit Wasser abgespülten Stücke dann wenige Minuten in einer mit Salzsäure schwach angesäuerten Lösung von unterschwefligsaurem Natron, so erhalten sie einen blau schwarzen Ueberzug von Kupfersulfür, welcher bekanntermaßen an der Luft und im Wasser gleich beständig ist. Die schwarze Fläche kann gleich mit Wasser abgespült, mit Lappen oder Fließpapier abgetrocknet und sofort mit dem Polirholze polirt werden; sie besitzt einen stahlblauen Schimmer, adhärirt sehr gut am Eisen, vertragt die Behandlung mit der Kratzbürste und schützt in ganz befriedigender Weise vor dem Rosten.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: