Titel: Die Unterbrechungen des Direct-United-States-Kabels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 13 (S. 95–96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi01_13

Die Unterbrechungen des Direct-United-States-Kabels.

William Thomson und F. J. Bramwell, berichten im Journal of the Franklin Institute, 1876 S. 232 über die ihnen anvertraute Prüfung der Bruchenden und des wieder aufgenommenen Stückes des Kabels der „Direct United States Company“ folgendes:

Der Bruch am 27. September 1870 erfolgte in 70, der am 10. December in 120 Faden Tiefe. Die Enden des Drahtes, woraus das Kabel besteht, liefen spitz zu, wie es stets bei sehr dehnbarem Metall stattfindet. Nirgends war ein Zeichen von Verdorbensein oder von einer unvollkommenen Beschaffenheit des Kabels oder von Zerscheuern desselben an den Felsen oder von Zerdrücken; der Bruch konnte daher nur in einem vollkommenen Kabel, in durchaus gesundem Metall erfolgt sein, und letzteres mußte unter sehr heftigem Zug zerrissen sein. Bei dem ersten Bruche mußte ferner dieser heftige Zug von einem Werkzeuge, wie vom Arme eines Enterhakens oder dem Flügel eines Ankers ausgeübt worden sein, welches nach dem Auftreffen auf das Kabel demselben entlang gelaufen war und die Schutzdrähte in den Hanf getrieben hatte, bis sich rund um das Kabel eine Verdickung von etwa 330mm Länge gebildet hatte; dadurch wurde endlich das weitere Fortschreiten des Werkzeugs verhindert, wie sich an den an den Schutzdrähten hinterlassenen Spuren erkennen läßt, und mm begann das Zerreißen.

Etwa 12 Knoten des Kabels wurden wieder aufgenommen und dieses Stück erwies sich als in ausgezeichnetem Zustande und frei von jedem Fehler. Sein Widerstand gegen das Zerreißen betrug 7t. Der Bericht vermag nicht zu erklären, wie ein so großer Zug auf das Kabel ausgeübt werden konnte, schließt aber, daß er nicht |96| zufällig von Fischerbooten in Verfolgung ihres gewöhnlichen Geschäftes ausgeübt worden sein kann.

Der Dampfer Faraday hat auch die Bruchenden des zwischen New-Hampshire und Torbay liegenden Kabeltheiles wieder aufgenommen, welches am 23. Januar 1876 in einer Tiefe von nahezu 100 Faden gebrochen war, und die Vertreter der Gesellschaft erklären, daß der Bruch den deutlichsten Beweis dafür liefert, daß er von dem Durchschneiden mittels einer Axt oder eines Beiles nach dem Emporheben des Kabels durch einen Anker herrührt; ob das aber aus Bosheit oder in Nothwehr von einem vom Wetter bedrängten Schiffe1) geschehen ist, läßt sich nicht nachweisen. In gewisser Beziehung scheint ein internationales Gesetz wünschenswerth, welches die Verantwortlichkeit von Schiffen in solchen Fällen feststellt und die Frage nach der gerichtlichen Inständigkeit von die Unterseekabel betreffenden Streitfällen erledigt.

Wir fügen hieran (nach dem Telegraphic Journal, 1876 S. 141. 146) die Mittheilung, daß jüngst alle 4 transatlantischen Kabel der Anglo-American-Company unterbrochen waren, da nicht nur das von Frankreich ausgehende etwa eine Woche vorher in einer Entfernung von 200 engl. Meilen von Brest zerrissen, sondern auch die 3 von England ausgehenden unbrauchbar waren wegen einer Unterbrechung der kurzen Kabel zwischen Neufundland und St. Pierre und zwischen Neufundland und Cap Breton, welche bei den letztern vermuthlich durch einen Eisberg in der Placentia Bay (Neufundland) herbeigeführt wurde. Das nun allein dienstfähige Direct-United-States-Kabel vermochte, trotzdem es ausgezeichnet arbeitete, nicht den ihm zufallenden gesammten Verkehr ohne Verspätung zu bewältigen, da am 5. Mai innerhalb 24 Stunden allein 700 Telegramme aufgegeben wurden.2) Das transatlantische Kabel von 1865 (vgl. 1875 216 83) ist schon seit März 1873 an zwei Stellen unterbrochen.

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Einige solche Vorkommnisse bei dem Kabel zwischen St. Pierre und Duxbury werden im Journal of the Telegraph, Bd. 9 S. 117 aufgeführt; nach S. 116 derselben Zeitschrift scheint etwas Aehnliches auch dem Direct-United-States-Kabel geschehen zu sein.

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Nach dem Telegrapher, Bd. 12 S. 119 wären am 6. Mai sogar in 24 Stunden 891 Telegramme auf dem Direct-United-States-Kabel allein befördert worden, was alle bisherigen Leistungen auf langen Kabeln bedeutend übertrifft. – Ausführlicheres darüber enthält ein Bericht der Directoren der Gesellschaft (Telegraphic Journal, Juni 1876 S. 161). Danach wurden in der Zeit des Andranges, vom 4. bis 9. Mai einschließlich, 83141 Wörter befördert; an den beiden heißesten Tagen, den 5. und 9 Mai, allein bez. 14402 und 15906 Wörter in 24 Stunden, was also eine mittlere Geschwindigkeit bez. von 10 bis 11 Wörtern für 1 Minute ergibt, während die größte erreichte Geschwindigkeit 18 Wörter in der Minute beträgt, und dies zwar auf dem Hauptkabel, zwischen Irland und Neuschottland, von 2500 Seemeilen Länge. Auf dem kürzern Theile zwischen New-Hampshire und Torbay war die Telegraphirgeschwindigkeit natürlich viel größer. Beim größten Andrange selbst kam nur eine Verspätung von etwa 15 Stunden vor.

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