Titel: Ueber das Sättigen der Luft mit Wasserdampf und über das Trocknen derselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 9 (S. 93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi01_9

Ueber das Sättigen der Luft mit Wasserdampf und über das Trocknen derselben.

Ein Gas, welches in einem abgeschlossenen Raum längere Zeit mit Wasser in Berührung war, ist bekanntlich mit Wasserdampf gesättigt. Welche Zeit zur völligen Sättigung unter verschiedenen Verhältnissen erforderlich ist, war noch nicht untersucht. Dibbits (Zeitschrift für analytische Chemie, 1876 S. 121) zeigt nun, daß Leuchtgas nach dem Durchgange durch eine sogen, nasse Gasuhr völlig mit Wasserdampf gesättigt ist. Atmosphärische Luft wird gesättigt, wenn sie rasch durch Wasser gepreßt oder darüber hinweg geleitet wird.

Durch zahlreiche Versuche zeigt Dibbits ferner, daß bei der Wasserbestimmung mittels Chlorcalcium (1875 215 282) die Temperatur desselben von der größten Wichtigkeit ist, da die Dampfspannung des Chlorcalciums bei steigender Temperatur noch stärker wächst als die des Wassers. Chlorcalcium trocknet die Luft daher um so schlechter, je wärmer, und um so besser, je kälter es ist. Concentrirte Schwefelsäure, welche nicht mehr als 8 Proc. Wasser enthält, trocknet bei allen Temperaturen bis etwa 25° die Luft so vollständig aus, daß 100l mittels derselben getrocknete Luft an Phosphorsäureanhydrid nur noch etwa 0mg,2 Wasser abgeben. Bei fast allen Wasserbestimmungen ist also die Quantität Wasserdampf, welche von concentrirter Schwefelsäure nicht absorbirt wird, so außerordentlich klein, daß sie ganz innerhalb der Grenzen der Wägungsfehler fällt. Erst bei höhern Temperaturen als 250 oder 30° trocknet concentrirte Schwefelsäure die Luft nicht mehr so vollständig. Jedoch beträgt die Quantität Wasserdampf, welche 1l durch Schwefelsäure bei 50° getrocknete Luft noch enthält, viel weniger als 0mg,1.

Stopfen und Schläuche von Kautschuk sind hygroskopisch. Verfasser empfiehlt daher, wenn man keinen Gasverschluß anwenden kann, die Absorptionsröhren offen zu wägen. Bei nicht zu weiten und nicht zu kurzen Zuleitungsröhrchen geht, wie er zeigt, die Diffusion der feuchten, atmosphärischen Luft in das Innere der Absorptionsröhren so langsam vor sich, daß die dadurch verursachte Gewichtszunahme bei den ungünstigsten Verhältnissen in 1/4 Stunde nur etwa 0mg,1 beträgt und meistens viel geringer sein wird. Viel größere Fehler hingegen entstehen, wenn die äußere Glasoberfläche, in Bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit, sich nicht mit der äußern Luft ins Gleichgewicht gestellt hat. Da ferner Kautschukschläuche keinen völlig luftdichten Verschluß abgeben, so ist bei genauen Wasserbestimmungen besser die Luft durch die Absorptionsapparate zu pressen als zu saugen.

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