Titel: Einfluß von Zinn und Phosphor auf Kupfer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 10 (S. 188–189)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi02_10

Einfluß von Zinn und Phosphor auf Kupfer.

Während nach den Versuchen von Karsten Gehalte unter 0,3 Proc. Zinn die Festigkeit des Kupfers in der Kälte nicht bedeutend vermindern, jedoch 0,25 Proc. bereits starken Rothbruch veranlassen sollen, so waren nach Hampe Legirungen mit 0,1 bis 1 Proc. Zinn in der Hitze und Kälte völlig dehnbar, so daß ein nachtheiliger Einfluß des Zinns innerhalb dieser Grenzen nicht constatirt werden konnte. Zinnreichere Legirungen zeigten eine Neigung zur krystallinischen Textur, ohne die Dehnbarkeit zu beeinträchtigen, wenn nur das erste Aushämmern etwas vorsichtig geschehen war.

Hinsichtlich der Raffination des Kupfers mit Phosphorzusatz wird bemerkt, daß bei dem Üblichen Verfahren der Entfernung eines schädlichen Sauerstoffgehaltes im Garkupfer durch Polen sich Gase (Kohlenoxyd, Wasserstoff, Kohlenwasserstoff) entwickeln, welche vom Kupfer nach Entfernung des Sauerstoffgehaltes absorbirt werden und das Raffinat mehr oder weniger porös machen, was namentlich dessen Dehnbarkeit in der Kälte beeinträchtigt. Um den Einfluß dieser absorbirten Gase nicht zu groß werden zu lassen, läßt man beim Raffiniren absichtlich etwas Sauerstoff im Kupfer, vermeidet aber dadurch die Gasabsorption, somit Porosität doch nicht ganz, während sie bei überpoltem, ganz von Sauerstoff befreitem Kupfer stärker hervortritt. Es wird nun die Porosität vermieden werden, wenn sich überhaupt keine absorbirbaren Gase entwickeln, und in dieser Beziehung sind im Mansfelder Revier angestellte Raffinirversuche mit einem Phosphorzusatz ganz günstig ausgefallen. Der Phosphor nimmt den Sauerstoff des Kupfers ohne Gasentwicklung auf, und ein geringer Rückhalt davon im Kupfer hinterließ |189| keinen nachtheiligen Einfluß. Das Kupfer wurde vollkommen dicht und erstarrte mit eingesunkener Oberfläche; der Bruch desselben nähert sich dem des chemisch reinen Metalles und ist nicht, wie der des gewöhnlichen Raffinats, feinkörnig, sondern dicht, wie geflossen, oft mit stänglicher Structur und hellerem Rosa. Beim Aufwerfen des Phosphors auf geschmolzenes Kupfer kommt es in eine schäumende, treibende Bewegung, welche auch nach dem Verschwinden des Phosphors noch fortdauert, und es entsteht eine dünne, beim Erkalten des Stückes abspringende Schlackenschicht. Während gewöhnliches Walzraffinat 8,591 bis 8,690 spec. Gew. besitzt, so zeigte mit Phosphor behandeltes Kupfer 8,924. Das mit Phosphor behandelte Kupfer war weit zäher und dehnbarer als Walzraffinat, zeigte aber in den einzelnen Barren kein gleichmäßiges Verhalten, wohl deshalb, weil beim Aufwerfen des Phosphors auf das Metallbad mehr oder weniger davon verbrennt. Das für die praktische Verwendung solchen Kupfers unangenehme Einsinken der Gußstücke würde sich vielleicht durch Anwendung stehender Formen und Gießen mit verlorenem Kopf unschädlich machen lassen. Auch dürfte ein Zusatz von Phosphorkupfer, statt Phosphors, beim Raffiniren Vorzüge gewähren. Weitere Versuche müssen Aufschluß über den ökonomischen Theil des Verfahrens geben, und es dürften solche Versuche von vornherein nicht aussichtslos erscheinen, da die Kosten für Phosphor auf 1 Ctr. Kupfer etwa 20 bis 35 Pf. betragen. (Nach der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Preußischen Staate, 1876 S. 6.)

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