Titel: Schwefelkohlenstoff als Conservirungs- und Desinfectionsmittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 17 (S. 191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi02_17

Schwefelkohlenstoff als Conservirungs- und Desinfectionsmittel.

Bei Versuchen über das Verhalten des Bodens gegen xantogensaures Kalium (vgl. 1875 217 430) beobachtete Ph. Zöller (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1876 S. 707), daß, wenn auch dem Boden nur kleine Mengen Xanthogenat beigemischt waren und sich deshalb nur wenig Schwefelkohlenstoff entwickelte, in den Gefäßen, welche die befeuchtete Mischung enthielten, niemals Pilzbildung auftrat; letztere zeigte sich unter sonst gleichen Umständen jedoch stets in jenen Gefäßen, in welchen dem Boden das Xanthogenat fehlte. Diese Beobachtung veranlaßte den Verfasser den Schwefelkohlenstoff bezüglich seiner conservirenden und desinficirenden Wirkung zu prüfen.

Es wurden nun über einem kleinen Glasteller mit Schwefelkohlenstoff Fleischstücke von 250 bis 1000g Gewicht auf ein Gestell aus Glasstäben gelegt und das Ganze mit einer Glasglocke bedeckt. Die Proben hielten sich bei 15 bis 20° während 32 Tagen in dem Schwefelkohlenstoffdampf und Wasserdampf enthaltenden Luftraum ohne jede Fäulnißerscheinung. Das Fleisch behielt seine Elasticität und veränderte nur oberflächlich seine Farbe durch Blassserwerden; im Innern hatte es vollkommen das Ansehen von frischem Fleische; beim Aufbewahren an der Luft zeigte es Neigung zum Austrocknen, ohne daß hierdurch seiner nach einigen Tagen eintretenden Verschimmelung und Zersetzung vorgebeugt wurde.

Mit gleich günstigen Resultaten wurden Tauben, Hühner, Brode, Zwetschen, selbst Harn durch Schwefelkohlenstoffdampf conservirt und vor Fäulniß geschützt.

Verf. ist fest überzeugt, daß man Fleisch und andere leicht faulende und veränderliche Substanzen in einer Schwefelkohlenstoff-Atmosphäre sehr lange conserviren kann; und wenn, wie es nach verschiedenen Versuchen nicht unwahrscheinlich erscheint, sich das Fleisch etc. zum Genusse eignet, dann wäre diese so leicht ausführbare Conservirungsmethode für den Transport von Lebensmitteln, für die Verproviantirung von Festungen u.s.w. von ganz außerordentlichem Werthe.

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