Titel: Ein blauer Farbstoff, aus Diphenylamin dargestellt von Willm und Girard.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 20 (S. 192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi02_20

Ein blauer Farbstoff, aus Diphenylamin dargestellt von Willm und Girard.

Indem 100k Diphenylamin und 30k Ameisensäure 10 bis 12 Stunden lang bei 120 bis 160° zusammen erhitzt werden, erhalten Willm und Girard (Moniteur industriel belge, 1876 S. 167) nach dem Abdestilliren der überschüssigen Ameisensäure reines Formodiphenylamin als Ausgangspunkt für die Darstellung eines neuen blauen Farbstoffes. Sie erhitzen nämlich 1k des so erhaltenen Formodiphenylamins mit 2k Oxalsäure durch 20 bis 24 Stunden in einer gußeisernen emaillirten Retorte bei 110 bis 120°. Die Masse wird sodann in Benzin gegossen, der ungelöste Rückstand nach dem Decantiren durch kochendes Wasser von anhängender Oxalsäure befreit, getrocknet und in starkem Weingeist gelöst. Die alkoholische Lösung wird mit schwacher Kalilauge erwärmt, die nunmehr rothbraune Flüssigkeit filtrirt, mit concentrirter Salzsäure ausgefällt, der entstehende blaue Niederschlag mit Wasser ausgewaschen und derselbe schließlich durch Behandeln mit Schwefelsäure bei 40 bis 100° in Lösung übergeführt. Man hat alsdann eine Sulfosäure des neuen blauen Farbstoffes, welche direct als Farbflüssigkeit verwendet werden kann.

Statt Formodiphenylamin eignet sich in gleicher Weise auch Acetodiphenylamin, welches aus ersterm durch Einwirkung von Essigsäure entsteht, zur Darstellung des blauen Farbstoffes. Ferner kann man dem Diphenylamin das Dinaphtylamin, und dem Formyl- oder Acetylradical ein Alkoholradical, z.B. Methyl oder Benzyl, substituiren, oder endlich könnte man nach der Ansicht der Verfasser die Bildung des tertiären Amids gänzlich umgehen, indem man einfach getrocknete Oxalsäure oder eine andere Säure, wie Citronensäure, Weinsäure u.a., auf Diphenylamin einwirken läßt.

Kl.

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