Titel: Abnützung von Münzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 8 (S. 187–188)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi02_8

Abnützung von Münzen.1)

Die bis jetzt vorliegenden Angaben über den Gewichtsverlust, welchen die Münzen durch längern Umlauf erleiden, sind als nicht ganz zuverlässig zu betrachten; die sich augenblicklich darbietende Gelegenheit der Einlösung der alten Münzen wird daher, wie Münzdirector v. Haindl in dem Polytechnischen Verein in München mittheilte, benützt, um diese Unsicherheit zu heben.

Die Abnützung ist im Allgemeinen von folgenden drei Factoren abhängig: 1) von dem Material, 2) von der Form und 3) von der Art der Prägung der Münzen.

Was zunächst den letztern Punkt betrifft, so zeigt die Erfahrung, daß frei geprägte Münzen widerstandsfähiger zu sein scheinen, als im Ring mit dem Balancier oder mit der Ulhorn'schen Presse geprägte Münzen.

In Betreff des Materials, aus welchem die Münzen bestehen, zeigt sich für Gold durchschnittlich ein bedeutend geringerer Verlust als für Silber; die bis jetzt erhaltenen Daten in dieser Beziehung sind folgende. Die im J. 1803 geprägten Zwanzig-Franken-Stücke, von denen in letzter Zeit 1412282 Stücke eingeschmolzen wurden, ergaben 0,2 Proc. Mindergewicht. Ueber die Abnützung der Kronenthaler (Silbermünze) sind bereits im J. 1844 Versuche angestellt worden; der Verlust bei Brabanter Kronenthalern, die hundert Jahre im Umlauf waren, ergab sich damals zu 1,11 Proc., welcher Werth sich bis zum J. 1873 auf 1,55 Proc. steigerte. Oesterreichische Kronenthaler zeigten bei diesen ersten Versuchen nach 80jährigem Umlauf 0,71, im J. 1873 1 Proc. Abnützung. Bei süddeutschen Kronenthalern wurden im J. 1844 nach 34jährigem Umlauf 0,44 Proc., später im J. 1873 aber 0,82 Proc. Abnützung |188| gefunden. Im Mittel betrug der Verlust bei den eingeschmolzenen 117965 Stück 1,03 Proc. Bei den Zweiguldenstücken fand sich als mittlere Verlustziffer bei 9000000 Gulden 0,11 Proc.

Man kann demnach als durchschnittliche Abnützung bei ältern, frei geprägten großen Silbermünzen pro hundert Jahre Umlaufszeit 1 Proc. annehmen. Die im Ring geprägten neuen Thaler zeigen dagegen jetzt schon ungefähr 1 Proc. Abnützung.

Auch die Guldenstücke vom J. 1837, von denen 4000000 eingeschmolzen wurden, ergaben 1 Proc. Verlust. Bei Einhalb-Guldenstücken ergab sich als Durchschnittsziffer von 2500000 Gulden 1,31 Proc.

Unverhältnißmäßig groß ist diesen Werthen gegenüber die Abnützung, welche minderhaltige Silbermünzen zeigen, da nicht nur der Verlust an Gewicht in Betracht kommt, sondern auch die durch das Weißsieden erzeugte Silberhaut sich allmälig abgreift und dadurch auch der Gehalt der Münze reducirt wird. So beträgt die Durchschnittsziffer bei Sechskreuzerstücken 10 Proc., bei Dreikreuzerstücken sogar 24 Proc.; allerdings sind hierbei auch die Stücke ältesten Datums einbegriffen. Ein weiterer Verlust bei Silbermünzen entsteht noch dadurch, daß sich durch die Berührung des Silbers mit dem menschlichen Schweiß Chlorsilber bildet, welches bei einer Schmelzung verloren geht.

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Vgl. Miller, über Abnützung der Silbermünzen 1863 167 155.

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