Titel: Englisches Sohlleder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 12 (S. 287–288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi03_12

Englisches Sohlleder.

In neuerer Zeit macht amerikanisches und englisches Sohlleder dem deutschen und österreichischen stark Concurrenz. Probus (Gerber, 1876 S. 491) berichtet nun, |288| daß das englische Sohlleder aus sehr starkem Kalkäscher enthaart und dann in Brühen gegerbt werde. Sowohl der starke Aescher, als die nachfolgende rasche Gerbung in sehr gerbstoffreichen Brühen bewirkt, daß das Leder zwar rasch gegerbt wird und durch und durch satt gegerbt erscheint, daß es aber doch dabei lose, weich, schwammig und undicht ist, so daß sich Jedermann scheuen würde, dieses Product, welches auch in diesem Zustande nur ein geringes Gewicht aufweist, zu Sohlen zu verwenden. Diesen Uebelständen muß natürlich abgeholfen werden, und das Land der großen Baumwollindustrie weiß sich mit denselben Mitteln der Appretur, durch welche den Baumwollstoffen und Leinen Steifheit und anscheinende Festigkeit beigebracht wird, auch bei Leder zu helfen. Diese verschiedenen Appreturmittel sind nun: Ordinäre Gummisorten, Kirchgummi, Dextrin, Glucose, Arrowroot, Gelose u.s.w. Durch diese Mittel erhält das Leder eine Steifheit, daß es eher bricht als sich biegt, sich mühsam schneiden läßt, wie dies sonst nur sehr ungare und halbrohe Leder zu thun pflegen, vor allem aber ein großes Gewicht. Diese Leder sehen nun in der That sehr verführerisch aus und vermögen selbst den Nichtlaien über deren wahren Werth zu täuschen. Wird das Leder aber in Wasser aufgeweicht und gehörig gewalkt, so löst sich das Appreturmittel und das ursprünglich lose, schwammige Leder bleibt zurück; der hierdurch entstehende Gewichtsverlust beträgt 30 Proc. und mehr.

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