Titel: Elektromagnete mit Eisenmantel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 3 (S. 282–283)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi03_3

Elektromagnete mit Eisenmantel.

Nach englischen Berichten besprach Prof. O. Reynolds in der Manchester Literary and Philosophical Society einen von John Faulkner hergestellten stabförmigen Elektromagnet, welcher einen Kern aus weichem Eisen, mit einer flachen Platte an dem einen Ende, enthielt und um den Kern in gewöhnlicher Weise eine Drahtspule; letztere war jedoch noch von einer Röhre aus weichem Eisen umschlossen, welche dieselbe Länge hatte, wie der über der Platte liegende Theil des innern Kernes; von den flachen Enden der Röhre stand das eine in Berührung mit der Platte, während das andere bis zu dem Ende des Kernes emporstieg, so daß eine auf das Ende aufgelegte Platte oder Anker beide, Kern und Röhre, berührte. Bei diesem Elektromagnet zeigt sich zunächst das magnetische Feld auf den Raum gegenüber dem offenen Röhrenende |283| beschränkt und entlang der Röhre und an deren geschlossenem Ende findet sich nur wenig oder kein Magnetismus. Der Elektromagnet hält aber seinen Anker kräftiger (bis 100 mal) fest, wie einer mit einfachem Kern; doch scheint dies vom Verhältnisse zwischen dem Durchmesser des Kernes und der Röhre abzuhängen, indem der Unterschied mit der Stärke des Kernes im Verhältniß zur Röhre (umgekehrt proportional der Entfernung der Röhre vom Kerne) wächst. Reynolds sucht die Ursachen hiervon darin, daß der neue Elektromagnet gewissermaßen wie ein Hufeisenmagnet wirke, insofern das Ende der Röhre und das des Kernes entgegengesetzte Polarität besitzen, daß aber ferner die Nähe beider Pole jedem ein stärkeres Inductionsvermögen auf den andern verleihe und deshalb der neue Magnet kräftiger sei wie ein Hufeisenelektromagnet, und daß endlich die elektromagnetische Kraft der Spulen nach beiden Seiten ausgenützt werde, ganz wie bei einem Galvanometer mit astatischer Nadel.

Nach dem Bekanntwerden vorstehender Mittheilung machte zunächst W. Ladd geltend, daß er schon seit 12 Jahren solche Elektromagnete (welche Faulkner Altandi- oder Altandä-System nennt) verwendet habe, namentlich an elektrischen Lampen für die Regulatoren der Kohlenspitzen. Darauf berichtete C. V. Walker über seine nicht ungünstigen Versuche mit solchen Elektromagneten mit Eisenmantel, welche er noch nirgends beschrieben gefunden habe, während Du Moncel in seinem Werke über die Construction der Elektromagnete (Paris 1871) geradezu sage: „Ein Eisenkern, von einer galvanischen Spirale umgeben, wird kräftig magnetisch, während ein dieselbe Spirale umgebender Eisencylinder durchaus nicht magnetisch wird.“ Dies veranlaßt Du Moncel zu erklären, daß an jener Stelle von einem vom Kern getrennten Eisencylinder die Rede sei, daß die Sache bei Verbindung des Mantels mit dem Kerne sich wesentlich ändere, insofern man dann einen zweiarmigen Elektromagnet erhalte, bei welchem der eine ringförmige Pol den andern umgebe. Diese Elektromagnete, welche in Frankreich röhrenförmige Elektromagnete genannt würden, seien um 1852 von Nicklès (vgl. 1853 129 413) erfunden worden und nicht nur von Du Moncel im Exposé des Applications de l'Electricité beschrieben, sondern auch mehrfach verwendet worden, so 1855 von Wartmann bei dessen automatischem Regulator der Stromstärke, von Bonelli bei dessen elektrischem Webstuhle (* 1856 140 179. 141 332) u.a.

Die Mittheilung Reynolds' gibt endlich J. Roper Penning Anlaß, zu erwähnen, daß er ähnliche Hufeisen-Elektromagnete, nur mit 4 Röhren1) schon früher hergestellt habe. (Telegraphic Journal, 4. Bd. S. 27, 139, 143, 164.)

E–e.

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Also ähnliche wie Comacho (vgl. 1875 217 155 und * 1876 219 238). Ein Gegenstück gewissermaßen zu diesen röhrenförmigen Elektromagneten findet sich in dem 1873 in Wien ausgestellten submarinen Relais von Siemens (vgl. Zeitschrift für Mathematik und Physik 1873 S. 437).

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