Titel: Die Verwendung der Phosphorsäure bei der Rübenverarbeitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 11 (S. 389–390)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi04_11

Die Verwendung der Phosphorsäure bei der Rübenverarbeitung.

Nach den Erfahrungen von O. Vibrans ist die Anwendung der Phosphorsäure (1876 220 190) überall da in ausgedehntestem Maße empfehlenswerth, wo ein größerer Nichtzuckergehalt in den Rübensäften auftritt. Bei Beginn der Rübenverarbeitung hat der Zusatz von Phosphorsäure unter gewöhnlichen Verhältnissen nur wenig Erfolg; dieselbe kann sogar störend einwirken, indem die Säfte zu stark schäumen und zu ungestüm verdampfen.

Vergleichende Untersuchungen Ende September und Ende Februar gaben folgende Resultate. Ende September wurden auf 1300l Saft von 10,33 Brix in der Scheidepfanne 2l Phosphorsäure von 20 Proc. zugesetzt. Der erhaltene Schlamm enthielt, verglichen mit einer Schlammprobe eines zweiten Versuches ohne Phosphorsäure:

Mit
Phosphorsäure.
Ohne
Phosphorsäure.
Wasser 50,97 50,25
Kohlensäure 13,28 13,06
Zucker 1,30 1,27
Asche 15,86 16,34
Organische Substanz 18,59 19,08
Darin Stickstoff 0,44 0,46.
|390|

Die hierzu verwendeten Rüben zeigten:

Brix = 18,13 Proc. Quotient 86,87
Zucker = 15,75 Auf 100 Z 15,11 NZ.
–––––
Nichtzucker 2,38.

Ende Februar wurden dieselben Versuche mit (I) und ohne (II) Phosphorsäure wiederholt, auf 1300l Saft jedoch 4l Phosphorsäure verwendet.

Rübensaft zur Scheidung.

I II
Brix 9,71 Proc. 9,22 Proc.
Zucker 8,75 8,01
–––– ––––
Nichtzucker 0,96 1,21
Darin Stickstoff 0,073 0,058.

Geschiedener Saft.

I II
Brix 8,89 Proc. 8,05 Proc.
Zucker 8,23 7,11
––––– –––––
Nichtzucker 0,66 0,94
Stickstoff 0,029 0,028.

Schlamm.

I II
Wasser 47,77 50,33
Zucker 1,66 1,86
Kohlensäure 11,36 16,96
Asche 13,49 12,29
Organische Substanz 25,72 18,56
Darin Stickstoff 0,37 Proc. 0,33 Proc.

Die hierzu verwendeten Rüben.

Brix = 15,78 Proc. Quotient 80,16
Zucker = 12,65 Auf 100 Z 24,74 NZ.
––––––
Nichtzucker 3,13.

Diese vergleichenden Versuche bestätigen, daß die Phosphorsäure da mit Vortheil angewendet wird, wo ein größerer Nichtzuckergehalt die Verarbeitung der Säfte erschwert.

Was die Grenzen des Phosphorsäurezusatzes betrifft, so glaubt Vibrans nicht unter einen Alkalinitätsgehalt von 0,03 bis 0,025 im geschiedenen Rübensafte gehen zu dürfen. Steigert man den Phosphorsäurezusatz in der Scheidepfanne, so geht die Alkalinität nur noch wenig zurück, es erfolgt eine verhältnißmäßig geringe oder gar keine Mehrausscheidung von organischer Substanz im Scheidekalke, man bildet unnöthig phosphorsauren Kalk, und die Säfte fangen schon im Dünn- und Dicksaftkörper an, stark zu schäumen und sehr schnell zu verdampfen, Erscheinungen, die sich im Vacuum noch mehr steigern.

Wenn auch der Vortheil des Phosphorsäurezusatzes nicht greifbar vor Augen liegt, eine Mehrausbeute an Stickstoff z.B. durch denselben nicht stattfindet, so wird doch eine größere Menge anderer Stoffe ausgeschieden, die sonst möglicherweise direct oder durch ihre Umsetzungsproducte Melasse bildend wirken und jedenfalls theilweise in den Säften gelöst bleiben. (Zeitschrift des Vereins für Rübenzuckerindustrie des Deutschen Reiches, 1876 S. 294.)

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