Titel: Reinigung von Dampfkesselspeisewasser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 2 (S. 384–385)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi04_2

Reinigung von Dampfkesselspeisewasser.

Nach dem Bericht des Magdeburger Vereins für Dampfkesselbetrieb (vgl. dessen Mittheilungen, 2. Heft S. 73 und 124) wurde am Anfange dieses Jahres in 13 Fabriken mit 81 Kesseln das Speisewasser nach der De Haën'schen Methode (1876 220 374) gereinigt. Davon hörten jedoch bereits 5 Anlagen mit 21 Kesseln wieder auf zu reinigen, weil angeblich:

1) die Kosten sich zu hoch stellten und weder ein besonderer Erfolg, noch Kohlenersparniß constatirt wurde;

2) die sofort oder nachher entstehenden Chlorverbindungen schädliche Einwirkungen auf die Kesselwände ausgeübt hatten;

3) die praktische Ausführung der Methode bei dem Stande unserer großem Anlagen auf Kosten der Gründlichkeit geschehen muß.

Obermaschinenmeister Lochner in Erfurt berichtet, daß auf der Station Erfurt täglich etwa 8000 Cubikfuß (247cbm) Wasser gereinigt werden. Zu diesem Zweck |385| sind 4 Klärbehälter von 300 Cubikfuß (9cbm,3) und 4 Sammelbehälter von gleicher Größe vorhanden. 1l Wasser enthält vor (I) der Reinigung und nach derselben (II):

I II
Kohlensaures Calcium 250mg 0mg
Kohlensaures Magnesium 50 0
Schwefelsaures Calcium 230 0
Chlorcalcium 320
Aetzkalk 70

Für jeden Behälter Wasser werden zur Reinigung zugesetzt 7k,5 achtziggrädiges Chlorbarium und 3k,3 Kalkbrei = 1k,44 reiner Aetzkalk, für 1l Wasser also 830mg Chlorbarium und 160mg Aetzkalk.

In Weißenfels werden täglich etwa 10000 Cubikfuß (309cbm,16) Wasser gereinigt. 1l desselben enthält 250mg doppeltkohlensauren Kalk und 310mg schwefelsauren Kalk. Zur Reinigung wird 1l desselben mit 1030mg Chlorbarium und 210mg reinen Aetzkalk versetzt; nach der Reinigung enthält 1l

0mg doppeltkohlensauren Kalk,
0 schwefelsauren Kalk,
300 Chlorcalcium,
80 überschüssigen Aetzkalk.

Chlorcalcium und Aetzkalk haben keine schädliche Wirkungen auf die Kessel ausgeübt.

In Apolda enthält 1l des Wassers 260mg doppeltkohlensaures Calcium und Magnesium und 20mg schwefelsaures Calcium.

Die Kosten der Reinigung, Vorwärmen, Arbeitslöhne u.s.w. eingeschlossen, betragen für 1000 Cubikfuß (30cbm,9) Wasser in Erfurt 6,6 M., in Weißenfels 7,3 M., in Apolda 0,5 M. Der Erfolg der Wasserreinigung zeigt sich durch geringere Reparaturbedürftigkeit der Locomotiven und größere Leistungsfähigkeit derselben bei geringerm Brennmaterialverbrauche. Als Maßstab hierfür kann die Vergleichung nachstehender Betriebsresultate der Thüringischen Bahn in den Jahren 1873 und 1874 dienen.

1873 1874
Gefahrene Locomotivmeilen 522209 515191
„ Wagenachsmeilen 19064132 20225513
Brennmaterialverbrauch 1319450 1149434 Ctr.
Geldwerth des Brennmaterials 1397178 1251504 M.
Reparaturkosten der Locomotiven pro Meile 135,8 123,8 Pf.

Gegen das J. 1873, in welchem erst die Wasserreinigung eingeführt wurde, sind hiernach im J. 1874 pro Locomotivmeile 3 Wagenachsmeilen mehr gefahren und 25 Pf. weniger Kohlen verbraucht worden. Die Reparatur der Locomotiven hat außerdem 1874 pro Locomotivmeile 12 Pf. weniger gekostet als 1873. Wird nur der vierte Theil dieser Ersparnisse als Erfolg der Wasserreinigung gerechnet, so sind schon dadurch die Kosten derselben in reichlichem Maße gedeckt.

Die Reinigung des Speisewassers durch Soda wurde von 5 gewerblichen Anlagen des Magdeburger Vereins mit 13 Kesseln angewendet. Theils wurde die Soda direct in die Kessel gebracht, theils das Wasser in besondern Behältern gereinigt. Der Erfolg war überall gut, Nachtheile wurden bis jetzt nicht beobachtet (vgl. 1876 220 373). 4 Anlagen wenden Paralithicon Minerale an (1876 220 265). Soda ist jedenfalls weit billiger und besser.

Die Kesseleinlagen zur Verhütung einer Schlammablagerung und Zusammenballung des Kesselsteines, mit denen 12 Kessel versehen waren, sind gänzlich verschwunden (vgl. 1876 220 175). Das Aus- und Einbringen der Einlagen beim Reinigen der Kessel war zu mühsam und umständlich; auch wurde in manchen Fällen durch das schlechte Einlegen die Wirkung vermindert, und hat man daher mit der ferneren Anwendung aufgehört.

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