Titel: Stationenanzeiger für Eisenbahnzüge; von Stanley M. Dewey in New-York.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 8 (S. 388)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi04_8

Stationenanzeiger für Eisenbahnzüge; von Stanley M. Dewey in New-York.

Das häufig unverständliche Ausrufen der Stationen von Seiten der Conducteure und dadurch entstehende Unannehmlichkeiten haben schon längst eine Abhilfe in dieser Beziehung nothwendig erscheinen lassen. In Amerika ist dies doppelt erwünscht, da auf vielen Bahnen die Namen an den betreffenden Stationsgebäuden nicht angeschrieben stehen, der Reisende also ganz auf sein Gehör angewiesen ist. Der von St. M. Dewey erfundene, in den Vereinigten Staaten im Mai 1876 patentirte Apparat ist in einem kleinen Kasten eingeschlossen, von denen sich je einer an jedem Ende im Innern des Personenwagens befindet. Diese Kästen sind mit einer Oeffnung oder Glasscheibe versehen, hinter welcher regelmäßig die Namen der betreffenden Stationen zum Vorschein kommen. Die Namen sind der Reihenfolge nach auf ein Band geschrieben, welches von einer Rolle abgezogen und auf eine zweite mit Spiralfeder versehene Rolle aufgewunden wird. Die Rollen werden durch ein einfaches Federwerk getrieben, welches nach bestimmtem Abwinden von einem Hebel arretirt wird. Wird dieser Hebel aufgehoben, so ist das Werk ausgelöst und die aufgewundene Feder setzt das Triebwerk in Bewegung, welches sich so lange abwindet, bis der Arretirungshebel wieder in den Einschnitt einer Scheibe fällt, die auf einer Achse des Werkes sitzt und auf diese Weise den Apparat zum Stehen bringt.

Beim jedesmaligen Abwinden und Erscheinen einer neuen Station wird eine mit dem Triebwerk in Verbindung stehende Glocke angeschlagen, um die Achtsamkeit der Fahrenden auf den Namen der neu angezeigten Station zu lenken. Die Zwischenräume, in denen die Namen auf dem Band verzeichnet sind, haben genau mit dem jedesmaligen Abwinden des Werkes resp. der Rolle zu Harmoniren. Der Arretirungshebel trägt den Anker eines Elektromagnetes, welcher mit einer Batterie in Verbindung steht; wird nun durch den kurzen Druck auf einen Knopf oder Schlüssel, der irgendwo z.B. im Gepäckwagen oder auf der Locomotive angebracht sein mag, der Strom geschlossen, so wird der Anker am Arretirungshebel angezogen und das Triebwerk ausgelöst.

Alle Apparate stehen unter sich in Drahtverbindung und werden von einer Stelle aus zugleich in Gang gesetzt und zwar so, daß gleich nach dem Verlassen einer Station der Schlüssel gedrückt und der Name der nächstfolgenden Station aufgezogen wird, damit Jedermann Zeit finde, die nöthigen Vorbereitungen zum etwaigen Aussteigen zu treffen.

Ist der Zug am Ende seines Weges angelangt und das Band in einer Richtung ganz abgewunden, so wird das treibende Werk, welches an einem Zapfen aufgehängt ist, so gedreht, daß das bisherige Triebrad mit dem Zahnrädchen auf der Bandrolle außer Eingriff kommt und letzteres mit einem zweiten, in entgegengesetzter Richtung sich drehenden Rade des Werkes in Eingriff kommt. Auf diese Weise erscheinen dann bei der Rückfahrt die Namen der Stationen wieder in richtiger Aufeinanderfolge.

E. Bilhuber.

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