Titel: Conservirung leinener Zeuge und Garne; nach H. Lebrun.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 13 (S. 487–488)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi05_13
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Conservirung leinener Zeuge und Garne; nach H. Lebrun.

Nachdem man gefunden, daß sich Segel, Taue, Stricke, Netze u.s.w., die mit Lohbrühe behandelt oder gegerbt worden sind, bei weitem länger halten, als die nicht so präparirten, empfiehlt Lebrun (im Centralblatt für Textilindustrie, 1876 S. 510) folgendes Verfahren, derartige Stoffe zu conserviren.

1k gute Eichenlohe wird 1/2 Stunde lang in 20l reinem Flußwasser abgekocht, nach dem Abseihen und Auspressen des Rückstandes erhält man ungefähr 15l Lohbrühe. Mit derselben werden die Zeuge oder Garne in kupfernen, thönernen oder hölzernen, aber nicht in eisernen Geschirren heiß abgebrüht. Die Flüssigkeit muß die zu gerbenden Stoffe vollkommen bedecken, und läßt man letztere 48 Stunden lang unter zeitweiligem Umrühren in dem Lohbad liegen. Hierauf werden sie herausgenommen, ausgewunden, gewaschen, nochmals ausgewunden, zeigen dann nach dem Trocknen eine angenehme, schwach lederartige Farbe und widerstehen nach dieser Behandlung allen Wirkungen der Nässe und den verschiedenen Witterungseinflüssen weit länger als die gleichen Stoffe, welche dieser Präparation nicht unterworfen worden sind.

Verfasser fügt bei, daß sowohl gebleichte, als ungebleichte Leinwand auf diese Weise gegerbt werden kann, daß aber ungebleichte Stoffe zuvor entschlichtet werden müssen, und daß schon durch Vermoderung angegriffene Leinwandstücke durch solche Behandlung mit gerbstoffhaltigen Flüssigkeiten vor weiter um sich greifender Zerstörung geschützt werden können. Wie wirksam diese Methode, Leinwand vor den fortdauernden Einflüssen von Feuchtigkeit, Wärme und Luft zu schützen, sich erwiesen hat, geht aus dem Umstande hervor, daß Leinwandstücke, welche mit Eichenrindenabkochung 72 Stunden lang in ähnlicher Weise behandelt worden waren, nachdem dieselben 10 Jahre lang in einem feuchten, dumpfigen Keller, auf Holzrahmen gespannt, gelegen hatten, sich völlig unverändert zeigten, wogegen andere daneben liegende Probestücke von ungegerbter Leinwand fast gänzlich vermodert waren. Während bisher nur Carbolsäure, Holzessig, Chlorzink, Kupfervitriol und andere Metallsalze als Conservirungsmittel für Holz gegolten haben, so zeigte sich in diesem Fall noch weiter, daß auch der mit Gerbstoff behandelte Holzrahmen nach Verlauf der 10 Jahre noch völlig unversehrt war, der andere nicht präparirte Holzrahmen dagegen der Vermoderung und Verwesung nicht widerstanden hatte.

Kl.

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